Fernseh-Übertragungsrechte
Bundesliga sorgt sich um Bürgschaft von Leo Kirch

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bangt um die Bankgarantie von Leo Kirch für den vereinbarten Kauf der Bundesliga-Fernsehrechte. Entgegen ursprünglicher Erwartungen liegt der DFL immer noch keine Zusage einer Bank vor. Der Zeitdruck aber ist groß. Bis Ende Januar muss Kirch eine verbindliche Bürgschaft einer Bank (letter of comfort) vorlegen.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Weder die DFL noch ein Kirch-Sprecher wollten auf Anfrage das Thema Bankbürgschaft kommentieren. Bereits seit Oktober spricht Kirchs Stellvertreter Dieter Hahn mit Banken, um die vertraglich vereinbarte Sicherheit zu beschaffen. Bislang gingen Finanzkreise davon aus, dass die Commerzbank für Kirch garantiert. Die Commerzbank hat aber auch nach fast einem Viertel Jahr noch keine Entscheidung über eine mögliche Bürgschaft getroffen. „Wir prüfen nach wie vor, ob wir ein Engagement eingehen“, sagte gestern ein Sprecher. Mittlerweile gibt es aber offenbar auch Gespräche mit anderen Banken, bestätigte ein Insider in Frankfurt.

Der Rechtehändler Kirch garantiert der Bundesliga pro Saison die Rekordsumme von 500 Mill. Euro. Er hatte sich im Oktober überraschend mit der DFL geeinigt, die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 für sechs Jahre zu vermarkten. Dafür zahlt Kirch an die DFL insgesamt die Rekordsumme von rund drei Mrd. Euro.

Die Nervosität unter den Profi-Klubs ist groß. Schließlich hatten Kirch und Hahn vor fünf Jahren eine der spektakulärsten Pleiten der Nachkriegsgeschichte hingelegt. Hinzu kommt nun die labile Gesundheit des 81-jährigen Kirch. Nach Angaben aus seinem persönlichen Umfeld, befindet sich der Diabetiker wegen einer Grippe weiter in einem Münchener Krankenhaus. „Lebensgefahr besteht aber nicht“, sagte ein Vertrauter.

Die Bürgschaft ist die Voraussetzung für das Geschäft mit der DFL und muss Anfang jedes Jahres von einem Finanzinstitut für die kommende Saison gestellt werden. Ohne die Bürgschaft kann DFL-Chef Christian Seifert nicht mit der Ausschreibung der Rechtepakete nicht beginnen. Kreise der Fußballklubs gehen nun davon aus, das die Verhandlungen mit den Fernsehsender erst im zweiten Quartal aufgenommen werden können. Ursprünglich plante die DFL, dass die Gespräche mit Premiere, ARD oder der Deutschen Telekom bereits im ersten Quartal starten könnten.

Die spätere Vergabe der Live-Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga hatte zuletzt bei Premiere für große Unsicherheit gesorgt. Der Bezahlsender verzichtete bei der Vorlage seiner letzten Quartalszahlen auf eine Prognose für 2008. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Vorstandschef Michael Börnicke damals zur Begründung. Eine neue Prognose will Börnicke erst Mitte Februar vorlegen..

Die wirtschaftliche Situation der Bundesliga hat sich unterdessen gebessert. Vor allem die höheren Fernseheinnahmen beschwerten den Klubs einen Umsatzzuwachs. „Die Fußball-Bundesligisten haben in der Saison 2006/07 erstmals von dem neuen Medienvertrag profitiert, der den Klubs inklusive 2. Liga statt 300 nun rund 420 Millionen Euro pro Jahr an Einnahmen beschert“, sagt Stefan Ludwig, Fußballfinanzexperte beim Finanzdienstleister Deloitte. Zudem führt er die WM 2006 als weiteren Grund für die Mehreinnahmen anführt. 2006 lag der Gesamtumsatz laut DFL bei 1,29 Mrd. Euro. Die Zahlen zum vergangenen Jahr wird die Liga erst im März vorlegen.

Wirtschaftlich erfolgreichster Klub ist nach Angaben des Branchenmagazins „Sponsors“ der FC Bayern München. Er erzielte 226 Mill. Euro in der vergangenen Saison. Die Nummer zwei ist der Hamburger SV mit einem Umsatz von 140 Mill. Euro. Die Hanseaten gelten als Gegner einer Zusammenarbeit mit Kirch. Der HSV-Präsident Bernd Hoffmann stimmte als einziger gegen eine Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte an Kirch. Hoffmann war zuvor Deutschlandchef der Hamburger Sportrechteagentur Sportfive, die damals dem Medienkonzern Bertelsmann gehörte.

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