Fernsehen
Bundesligapläne spalten die ARD

Die Übertragung der Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 sorgt innerhalb der ARD für eine Kontroverse. Nicht alle Dritten Programme wollen die Sonntagsspiele übertragen. Das Erste selbst zeigt lieber Talkerin Anne Will statt Fußball.

KÖLN. Die Übertragung der Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 sorgt innerhalb der ARD für eine Kontroverse. Nach Informationen des Handelsblatts sind längst nicht alle Sendeanstalten bereit, künftig Programmplätze in den Dritten Programmen für die Begegnungen am Sonntag ab 21.45 Uhr bereitzustellen. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) verzichtet voraussichtlich auf eine Berichterstattung. "Wir haben einfach keinen Sendeplatz am Sonntagabend", sagte ein MDR-Sprecher in Leipzig. Der ostdeutsche Sender ist wohl nicht bereit, für die westdeutschen Profiklubs auf andere Fernsehsendungen in seinem Regionalprogramm zu verzichten.

Der MDR sieht sich zudem nicht unter Handlungsdruck. "Wir haben mit ,Sport im Osten? am späten Samstag- und Sonntagnachmittag bereits die populärsten Sportsendungen im Dritten in der gesamten ARD", heißt es beim MDR selbstbewusst. Eine endgültige Entscheidung werde in den nächsten beiden Wochen fallen. Eine Absage fällt dem MDR auch deshalb so leicht, weil es im Sendegebiet keinen einzigen Fußball-Bundesligisten gibt.

Auch der Bayerische Rundfunk (BR) ist skeptisch. "Wir sind nicht begeistert", sagte ein Sprecher. "Wir haben keinen Platz für die Spiele am Sonntagabend." Ob sich BR-Intendant Thomas Gruber doch noch zu einer Übertragung durchringt, ist offen. "Gott sei Dank haben wir noch keinen Entscheidungsdruck", sagte ein Sprecher in München. Denn ein möglicher Umbau des Programms wird erst ab der Spielzeit 2009/2010 fällig.

Hintergrund der Kontroverse ist die Entscheidung des neuen ARD-Programmchefs Volker Herres, auf eine Bundesliga-Sendung im Ersten zu verzichten. Der Fußball hätte ansonsten die politische Talk-Sendung "Anne Will" vom angestammten Programmplatz verdrängt. Darauf will sich aber Herres, früher Programmchef des Norddeutschen Rundfunks (NDR), nicht einlassen. Im Ersten wird es stattdessen nur eine kurze Zusammenfassung in der späten sonntäglichen Nachrichtensendung "Tagesthemen" geben. Die ARD-Landesanstalten können selbst festlegen, ob sie die Sonntagsbegegnungen zeigen. "Jeder Sender kann selbst entscheiden, ob er im Dritten das Spiel überträgt", sagte gestern ein ARD-Sprecher.

Die Sonntagsspiele sind ein Novum für die ARD. Bei der letzten Vergabe der Bundesliga-Fernsehrechte Ende 2007 hatte der öffentlich-rechtliche Senderverbund erstmals nicht nur die Lizenz für die ARD -"Sportschau" am frühen Samstagabend erworben, sondern auch das Recht, Zusammenfassungen der Sonntagsbegegnungen auszustrahlen. Damit hatte das öffentlich-rechtliche Fernsehen den privaten Sportsender DSF ausgestochen, an dem Leo Kirch über den Medienkonzern Constantin Medien maßgeblich beteiligt ist.

Der Unmut über den Alleingang des ARD-Programmchefs Herres ist in einzelnen Anstalten durchaus groß. "Wir lassen uns doch nicht unsere eigenen Sportsendungen versauen", sagte ein Insider einer ARD-Anstalt und fügt an: "Die Bundesliga gehört ins Erste."

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