Fifa-Chef
Blatter klammert sich ans Amt

Unter dem Druck zahlreicher Korruptionsskandale macht der Fifa-Chef einen Vorschlag zur Güte. Damit will Blatter seine Kritiker besänftigen.
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Zürich/ BerlinSo laut und forsch wie die kleine Gruppe, die am Mittwoch vor der dem Hallenstadion in Zürich im strömenden Regen demonstrierte, waren die prominenten Stimmen nicht. "Play fair Fifa" oder "Rote Karte für die Fifa", sogar "Sepp verpiss dich, keiner vermisst dich" war auf den Plakaten zu lesen, die sich gegen den skandalumwitterten mächtigen Weltfußballverband richteten. Der Verband steckt wegen Korruptionsvorwürfen gegen Spitzenfunktionäre in der schwersten Krise seiner 107-jährigen Geschichte. Joseph Blatter will sich von den 208 Mitgliedsverbänden für eine vierte Amtszeit wählen lassen.

Doch ganz kommt er an dem Protest nicht vorbei und macht einen eigenen Vorschlag: „Ich möchte, dass in Zukunft die Organisation der WM vom Kongress der Fifa beschlossen wird“, sagte der 75 Jahre alte Schweizer. Bislang wurden die Weltmeisterschaften vom 24-köpfigen Exekutivkomitee vergeben, was immer wieder zu Korruptionsvorwürfen geführt hat. Künftig wäre nach Blatters Vorschlag das Entscheidungsgremium deutlich breiter - und damit schwerer zu manipulieren. „Es geht jetzt darum, radikale Schritte zu unternehmen und nicht nur kleine kosmetische Verbesserungen“, sagte Blatter.

Die Wahl Blatters kann nun auch voraussichtlich wie geplant stattfinden. Der Antrag des Englischen Verbandes (FA), die Abstimmung wegen der Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Fifa-Funktionäre zu verschieben, wurde von den Delegierten auf dem Kongress in Zürich abgelehnt. Der FA-Antrag erhielt 17 Ja-Stimmen, 172 Delegierte votierten dagegen. Damit steht Amtsinhaber Joseph Blatter vor der Wiederwahl.

Für sie legt DFB-Präsident Theo Zwanziger dem umstrittenen Amtsinhaber und einzigen Kandidaten vorsichtshalber eine geheimen Abstimmung nahe. Blatter wäre angesichts der Korruptionsvorwürfe klug beraten, "wenn das Ganze in einer geheimen Abstimmung geschieht", sagte Zwanziger am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. "Was in den letzten Wochen passiert ist, ist ein Skandal, den wir uns so nicht vorstellen konnten", meinte der DFB-Chef.

"Wir brauchen andere Strukturen, bessere Strukturen", forderte Zwanziger. "Was jetzt zu tun ist, ist eine Auflösung des Skandals." Man müsse "klar gegen ein solches Krebsgeschwür der Korruption angehen". Die Sünder und Täter müsse man bestrafen, forderte Zwanziger.

Zwanziger fordert zudem eine Überprüfung der Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar. "Ich muss nach dem, was ich höre und lese, davon ausgehen, dass es einen beachtlichen Grad an Verdächtigungen gibt, den man nicht einfach wegschieben kann", sagte Zwanziger: "Ich muss davon ausgehen, dass man unter diesem Gesichtspunkt die Vergabe der WM noch einmal überprüfen muss. Wie das zu geschehen hat, dazu will ich mich erst äußern, wenn ich mehr über den Sachverhalt weiß. Ich komme von außerhalb und war nicht Mitglied der Exekutive." Dennoch wolle er als Kopf des DFB für Blatter stimmen. Bloß aufgrund von Verdachtsmomenten könne er nicht sagen, Blatter sei nicht mehr wählbar.

Vor der Präsidentenwahl hat Amtsinhaber Joseph Blatter die Delegierten der 208 Mitgliedsverbände um Unterstützung bei der Reform des krisengeschüttelten Fußball-Weltverbandes gebeten. "Wir alle fahren auf diesem Schiff namens Fifa in bewegten Wassern, um nicht zu sagen turbulenten Gewässern, aber wir sind auf gutem Kurs. Und ich als Kapitän dieses Schiffs trage die Verantwortung. Das kann ich aber nur tun, wenn Sie mir dabei helfen", sagte der 75-Jährige in seiner Begrüßungsrede im Hallenstadion zu den Delegierten der 208 Mitgliedsverbände, die allesamt anwesend waren.

Mit Blick auf die Korruptionsvorwürfe und die schwerste Krise in der 107-jährigen Fifa-Geschichte sagte Blatter: "Wir werden unsere Kontroll- und Managementinstrumente verbessern. Entweder neue schaffen oder solche, die es bereits gibt, stärken." Mit Spannung erwartet wurde Blatters Grundsatzrede am späten Vormittag.

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  • Wenn ich mir die Kommentare so durchlese frage ich mich woher diese Missgunst wohl kommt. Für Diejenigen die es nicht wissen, erst unter Sepp Blatters Führung wurde die FIFA ein mächtiger Weltverband, der auch kleinen Ländern wie Katar und somit der Arabischen Welt die Chance gibt Fussball-WM Austragungsort zu werden.


  • Diese korrupte "Mafifa" gehört abgeschafft.

    Und Blatters Agitationen sollten dringend einer rechtlichen Prüfung unterzogen werden.

  • Herr Blatter ist ein Ehrenmann, der mit seiner Art und Weise die familiären Geschäfte zu führen, der Familie zu großen Wohlstand verholfen hat.
    Selbst seinen größten Kritikern und Gegnern hat er in der Vergangenheit durch seine Unterstützung hohe Ämter in der UEFA und anderswo verschafft. Ferner wurde durch die vorausschauende Vergabe von Fernsehrechten z.B. in Ozeanien für sichere Einnahmen der Region gesorgt.

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