Fußball
Fifa-Chef Blatter will Fußball schützen

Auf dem 55. Ordentlichen Kongress der Fifa in Marrakesch hat Präsident Joseph S. Blatter vor Gefahren für den Fußball gewarnt. Klare Worte sendete der Schweizer auch Richtung Wada, will aber das Kriegsbeil begraben.

In einem verbalen Rundumschlag hat Joseph S. Blatter, Präsident der Fifa, auf dem 55. Ordentlichen Kongress in Marrakesch seinen Willen unterstrichen, den Fußball vor allen äußeren Gefahren zu schützen. Mit 198 Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme wurde die Einführung einer Task Force unter dem Titel "For the Good of the Game" beschlossen. Diese soll den Weltverband gegen Korruption, Wettskandale, Doping, die versuchte Einflussnahme der Politik in die Verbandshoheit, die nach Unabhängigkeit von den Verbänden strebenden Ligen und den Mehrfachbesitz von Klubs durch einzelne Personen wappnen.

Theatralisch forderte Blatter die 24 Mitglieder des Exekutivkomitees des Weltverbandes auf der Bühne des Palais des Congres von Marrakesch nach der Entscheidung zu Standing Ovations auf. Der 69-jährige Schweizer, der voraussichtlich 2007 eine dritte Amtszeit als Fifa-Präsident anstrebt, appellierte zuvor in seiner Rede trotz der positiven wirtschaftlichen Zahlen (158 Mill. Schweizer Franken Gewinn im Jahr 2004 und einem Eigenkapital von 238 Mill. Franken zum 31. Dezember 2004) an die Delegierten, keine zu große Selbstzufriedenheit an den Tag zu legen. "Der Präsident hat die kritischen Punkte offen angesprochen", sagte DFB-Chef und Fifa-"Exko"-Mitglied Gerhard Mayer-Vorfelder.

"Mehr als wir tun, kann man gegen Doping nicht tun"

Klare Worte fand Blatter zum Konflikt mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die der Fifa vorwirft, den Wada-Code nicht einzuhalten. "Die Wada hat ein Einspruchsrecht in Dopingfragen, wenn alle Instanzen in der Fifa durchlaufen wurden. Mehr als wir tun, kann man gegen Doping nicht tun. Vielleicht tun wird sogar zuviel", meinte Blatter und verwies auf 22 000 Dopingkontrollen im Jahr 2004 und damit mehr als jeder andere Fachverband. Die Fifa beharrt auf die Einzelfallprüfung und verweist immer auf das mögliche Strafmaß, das von einer Verwarnung bis zur lebenslangen Sperre reicht. Die Fifa beharrt auf die Einzelfallprüfung und verweist immer auf das mögliche Strafmaß, das von einer Verwarnung bis zur lebenslangen Sperre reicht.

Das Konfliktpotenzial zwischen Fifa und Wada bleibt auch nach Marrakesch weiter bestehen. Blatter hatte am 4. September ein Schreiben von Wada-Boss Richard "Dick" Pound erhalten. Darin kündigte der Kanadier an, den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne zu einer Stellungnahme aufzufordern, ob die Fifa den Wada-Code einhält oder nicht. Blatter will eine Konfrontation vermeiden. "Ich werde am Dienstag ein Gespräch mit Pound führen und ihn bitten, dass er das Kriegsbeil begräbt. Er braucht einen starken Partner. Wir bieten unsere Mitarbeit an", kündigte Blatter am späten Montagnachmittag an.

"Für Zukunft vorsorgen und Reserven bilden"

Außerdem hielt Blatter bei der ersten Fifa-Generalversammlung auf afrikanischem Boden einen flammenden Appell an die Abgesandten der 203 anwesenden Mitgliedsverbände (202 waren Stimmberechtigte), angesichts von Mrd.-Einnahmen durch die TV-Verträge für die WM 2010 in Südafrika und die Abschlüsse mit fünf Großsponsoren besonnen mit den Finanzen umzugehen. "Wir müssen sehr sorgfältig für die Zukunft vorsorgen und Reserven bilden. Außerdem sollten wir unseren Solidaritätsgedanken aufrechterhalten", äußerte der Fifa-Chef.

Das so genannte "Goal"-Projekt, das seit sieben Jahren läuft, sichert den Fifa-Mitgliedsverbänden per annum 250 000 Dollar zu. Im Juni hatte der Weltverband mit der EBU einen Kontrakt über eine Milliarde allein für Europa hinsichtlich der WM 2010 ausgehandelt, womit die bisher erzielte Summe verdoppelt wurde.

Kritik an Spitzenklubs

Scharfe Angriffe richtete Blatter gegen die großen, vor allem europäischen Klubs. "Es gibt tiefe Gräben bei den Vereinen", mahnte der Eidgenosse und warf den Spitzenvereinen vor, selbst keine Ausbildung von Nachwuchsspielern zu betreiben und stattdessen fertige Spieler einzukaufen und diese vom Markt zu nehmen, ohne sie dann einzusetzen. "Viele sitzen dann nur auf der Bank oder Tribüne", sagte Blatter und sieht eine wachsende Identitätskrise bei den Vereinen, weil verstärkt nur noch ausländische Spieler zum Einsatz kämen.

Verbale Attacken gab es von Blatter auch hinsichtlich der Klage von Klubs wie des belgischen Erstligisten SC Charleroi gegen die Fifa. Sie würden die Statuten des Weltverbandes durch das Anrufen von ordentlichen Gerichten nicht einhalten. Gleichzeitig verlangte der Fifa-Präsident eine fortschreitende Professionalisierung in den Führungen der Klubs: "Die Zeiten sind vorbei, dass dies Freiwillige leisten können. Vereine sind Unternehmen geworden."

© SID

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