Fifa-Chef erneut unter Verdacht Blatter verkaufte 2005 TV-Übertragungsrechte unter Marktwert

Neue Vorwürfe gegen Sepp Blatter: 2005 soll der Noch-Fifa-Präsident TV-Übertragungsrechte für einen Spottpreis an seinen Ex-Vize Jack Warner verkauft haben. Der verkaufte später weiter – offenbar für ein Vielfaches.
Lange Zeit galt Warner (l.) als enger Vertrauter Sepp Blatters, war von 1997 bis 2011 sogar Vize-Präsident der Fifa. Im Mai wurde er vor einem Bundesgericht in New York wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagt. Quelle: dpa
Warner und Blatter

Lange Zeit galt Warner (l.) als enger Vertrauter Sepp Blatters, war von 1997 bis 2011 sogar Vize-Präsident der Fifa. Im Mai wurde er vor einem Bundesgericht in New York wegen Betrugs und Geldwäsche angeklagt.

(Foto: dpa)

BerlinJoseph Blatter könnte neuer Ärger drohen. Der 79 Jahre alte Noch-Präsident des Fußball-Weltverbandes soll einem Schweizer Fernsehbericht zufolge vor zehn Jahren TV-Übertragungsrechte unter dem Marktwert verkauft haben. Der im Februar 2016 aus dem Amt scheidende Blatter hat den Vertrag mit dem damaligen Chef der karibischen Fußball-Union (CFU), Jack Warner, abgeschlossen und laut dem Bericht des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) auch unterzeichnet.

Demzufolge verkaufte Blatter die Übertragungsrechte für die WM in Südafrika für 250.000 Dollar, die für die WM in Brasilien für 350.000 Dollar. Warner soll die TV-Übertragungsrechte zwei Jahre später nach Schätzungen in Medien für 15 bis 20 Millionen Dollar wieder weiterverkauft haben.

Der Deal werfe die Frage auf, ob das ein Freundschaftspreis gewesen sei oder ein kaufmännisch korrekt berechneter Preis, sagte die Rechtsprofessorin und Korruptions-Expertin Monika Roth in dem Bericht. Sie meinte, die Bundesanwaltschaft müsse nun ermitteln. Laut dem TV-Beitrag wollte die Bundesanwaltschaft aber keine Stellung nehmen.

Der Fußball-Weltverband habe erklärt: „Die Fifa gibt keine Stellungnahme zu in der Presse erhobenen Anschuldigungen ab. Ferner sind wir nicht befugt, Angelegenheiten zu erörtern, die Herrn Warner betreffen, da dieser in den Vereinigten Staaten unter Anklage steht.“

Der 72-Jährige steht unter Korruptionsverdacht. Die USA hatte Trinidad und Tobago offiziell um die Auslieferung von Warner ersucht. Er gehörte von 1983 bis 2011 der Exekutive des Weltverbandes an und war auch Präsident des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (Concacaf). Warner hat alle Anschuldigungen gegen sich zurückgewiesen.

Blatter hatte nach dem schwersten Korruptionsskandal in der Fifa-Geschichte seinen Rückzug angekündigt. Er war vorher für eine fünfte Amtszeit wiedergewählt worden. Immer wieder beteuerte Blatter seine persönliche Unschuld in dem Skandal.

Wer bei FIFA, UEFA und DFB zum Präsidenten taugt
Affäre um 'Sepp' Blatter
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Die Folgen des Abschieds von Fifa-Chef Joseph Blatter könnten schon bald den deutschen Fußball erreichen. Der Weltverband war nach der Festnahme von sieben Fußball-Funktionären Ende Mai in Zürich wegen des Verdachts des organisierten Verbrechens, Überweisungsbetrugs und verschwörerischer Geldwäsche in schwere Turbulenzen geraten. Am 26. Februar 2016 gibt der 79-Jährige sein Amt auf.

Chung Mong Joon
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Der frühere Fifa-Vize Chung Mong Joon erklärte am Montag zumindest, eine Kandidatur zu erwägen. „Blatter macht mit der Fifa seit 40 Jahren, was er will. Er sagt zwar, er verlässt sie, aber es scheint nicht so, als ob er es wirklich tut“, kritisierte der Südkoreaner.

Michel Platini
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Bislang fehlt eine klare Bewerbungsabsicht des UEFA-Präsidenten Michel Platini, er will in den kommenden Wochen über eine Kandidatur entscheiden. Er gilt als Favorit auf die Nachfolge des Schweizers und sollte sich der UEFA-Chef zu einer Bewerbung entschließen, wären auch Konsequenzen für den Deutschen Fußball-Bund absehbar.

Wolfgang Niersbach
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Selbst wenn Wolfgang Niersbach betonte, sich „sauwohl“ als Chef in der Frankfurter DFB-Zentrale zu fühlen, schmeichelt ihm die Rolle als möglicher Kronprinz seines Kumpels Platini. Der Deutsche Fußball-Bund müsste bei einem Europa-Wahlsieg Niersbachs einen neuen Vorsitzenden finden und womöglich schon bei einer außerordentlichen Vollversammlung vor dem nächsten Bundestag am 3. und 4. November 2016 in Erfurt küren.

Rainer Koch
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Der Vize-Präsident hat als Chef des Süddeutschen Fußball-Verbandes eine Hausmacht im Rücken. Der Jurist prägt seit Jahren die DFB-Geschicke auf höchster Ebene mit und wäre ein starker Kandidat der Amateurbasis. Auf dem letzten DFB-Bundestag in Nürnberg 2013 hinterließ er mit seiner Rede einen sehr guten Eindruck.

Reinhard Grinde
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist seit zwei Jahren im DFB-Führungszirkel. Als Nachfolger des legendären Horst R. Schmidt hat sich der 53-Jährige in der DFB-Zentrale schnell etabliert. Wie Niersbach arbeitete er früher als Journalist. Zu klären wäre, ob er wegen der Fifa-Statuten seinen Politiker-Job aufgeben müsste.

Im Bild sind von links nach rechts Frank Henkel, Christian Karembeu und Reinhard Grindel zu sehen.

Helmut Sandrock
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Der ehemalige Juniorennationalspieler rückte schon als Nachfolger Niersbachs auf den Posten des DFB-Generalsekretärs. Den Job verrichtet er - auch wegen der medialen Präsenz von Niersbach - eher im Hintergrund technisch akurat denn im Scheinwerferlicht. Eine Kandidatur wäre daher eher eine Überraschung.

„Ich weiß, was ich getan habe, was ich nicht getan habe. Ich habe mein Gewissen, und ich weiß, dass ich ein ehrenwerter Mann bin. Ich bin sauber“, hatte er in einem Ende August veröffentlichten Interview des britischen Senders BBC gesagt. Es gebe keine Korruption im Fußball, es gebe Korruption bei Einzelpersonen.

Blatters Nachfolger wird am 26. Februar 2016 gewählt. Favorit auf den Fifa-Chefposten ist bislang der Franzose Michel Platini, derzeit Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa).

  • dpa
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