Fifa-Chefaufseher
Scala will das Fifa-Exekutivkomitee entmachten

Die harte Kritik am nur langsam voranschreitenden Reformprozess bei der Fifa zeigt zumindest in Teilen des Weltverbands Wirkung. Chefaufseher Domenico Scala hat es nun auf den Einfluss der Kontinentalverbände abgesehen.

ZürichDomenico Scala macht Druck: Der Vorsitzende der unabhängigen Audit & Compliance Kommission der Fifa hat den bisher konkretesten und umfassenden Katalog vorgelegt, um den Weltfußball-Verband zu reformieren. Scalas Vorschläge sind eine unverhohlene Kampfansage an die Konföderationen wie Uefa (Europa) und Concacaf (Nord- Zentralamerika), deren Einfluss er im Fifa-Exekutivkomitee zurück drängen will.

„Ich sehe meine Vorschläge als einen Beitrag zur laufenden Reform-Debatte“, erklärte Scala in einer Telefonkonferenz. Offiziell ist Scala mit der Fifa-Reform nicht betraut – die liegt in den Händen der Fifa Reform-Kommission unter der Leitung des Ex-IOC-Geschäftsführers Francois Carrard. Scala betont zwar, dass er die Kommission „voll unterstütze“. Tatsächlich legt der Fifa-Audit-Chef mit seinen eigenen Vorschlägen nun die Messlatte für die Reform-Kommission.

Und er legt die Latte ziemlich hoch: Die Liste umfasst insgesamt acht Punkte. Der heikelste ist sicherlich der letzte Punkt: Scala schlägt vor, das Exekutivkomitee quasi zu entmachten. Es soll primär auf Aufsichtsfunktionen reduziert werden, vergleichbar mit der Rolle eines Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft. „Das Ausmaß der Entscheidungskompetenzen (…) des Fifa-Exekutivkomitees ist gegenwärtig zu groß“, begründet Scala in seinem Report den Schritt. Das Gremium verheddere sich im Tagesgeschäft und es entstünden Interessenkonflikte; etwa über die Verteilung von Fifa-Geldern, von denen die Fußballverbände profitieren, deren Vertreter wiederum im Exekutivkomitee sitzen.

Neu soll sich daher das Exekutivkomitee auf die Festlegung strategischer Entscheide konzentrieren, wie zum Beispiel das Jahresbudget der Fifa oder die Vorauswahl für die WM-Austragungsorte; den finalen Entscheid trifft dann der Kongress. Das so reformierte Exekutivkomitee soll dann eine Geschäftsführung berufen, die sich aus Profis, etwa der Fifa-Verwaltung, rekrutiert. Fußballfunktionäre will Scala nicht in der Geschäftsführung sehen.

Scala sieht in der Ämterhäufung der Fifa-Funktionäre den Kern des Übels; zum Beispiel, dass Michel Platini nicht nur im Exekutivkomitee sitzt, sondern gleichzeitig Präsident der Uefa ist. „Das größte aktuelle Einzelrisiko in der bzw. für die Fifa ist die gegenwärtige institutionelle Stellung und Struktur des Fifa-Exekutivkomitees sowie das Verhalten einzelner seiner Mitglieder“, heißt es im Reform-Report. Dies Problem „würde sich effektiv und rasch durch die Einführung einer strikten Ämtertrennung auflösen lassen“, heißt es weiter. Doch sei es sportpolitisch unmöglich, aus der Fifa-Spitze Vertreter der Konföderationen und der Nationalverbände zu verbannen.

Daher müsse sich die Fifa vom Fehlverhalten der entsandten Funktionäre zu „schützen“, eben indem die Rolle der Konföderationen auf die Fifa zurück gedrängt wird.

Daher will Scala auch die Wahl des Exekutivkomitees ändern. Derzeit bestimmen die Konföderationen ihre Delegierten für das mächtige Organ. Scala schwebt nun vor, dass der Kongress sie wählt. Im Kongress sind alle 209 Landesverbände vertreten, jeder Verband hat unabhängig von seiner Größe eine Stimme. Die Konföderationen sollen für die Wahl zum Exekutivkomitee lediglich Vorschläge machen dürfen.

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