Fifa-Generalsekretär gibt Anweisungen
Einheitliche Regel-Auslegung hat oberste Priorität

Der Weltverband Fifa erwartet von seinen Schiedsrichtern bei der WM in Deutschland vor allem eine einheitliche Auslegung der Regeln. Das betonte Fifa-Generalsekretär Urs Linsi am Donnerstag.

Nachdem alle WM-Schiedsrichter den Fitnesstest erfolgreich absolviert haben, hat Urs Linsi, Generalsekretär des Weltverbandes Fifa erklärt, worauf die Fifa bei den Unparteiischen während der Titelkämpfe in Deutschland (9. Juni bis 9. Juli) besonders achten will. "Auf der einheitlichen Auslegung der Regeln liegt das Hauptaugenmerk", betonte der Schweizer.

Headsets und neue Regeln

Um dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, müssen die Referees ordentlich pauken. Schließlich gilt es, sich an zahlreiche Neuerungen zu gewöhnen. Erstmals kommen die Gespanne aus dem gleichen Land oder zumindest der gleichen Konföderation. Zum ersten Mal sind technische Hilfsmittel (Headset) im Einsatz, und einige Vergehen der Spieler sollen härter als bisher bestraft werden.

"Fest steht, dass ein Spieler, der nach einem Pfiff noch unsportlich den Ball spielt, um das Spiel zu verzögern, zu verwarnen ist", sagte der Schiedsrichter-Abteilungsleiter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hellmut Krug, dem Sport-Informations-Dienst (sid). Vor allem in einer Hinsicht kann Krug die Fans aber entwarnen. Die während des Konföderationen-Pokals viel kritisierte Auslegung der Abseitsregel wurde inzwischen wieder abgeschafft.

Nicht abgeschafft, weil gar nicht erst eingeführt, wurde der von vielen Experten geforderte Chip im Ball. "Der Chip im Ball wurde bereits bei der U17-WM im vergangenen Jahr getestet. Die Ergebnisse waren allerdings nicht zufriedenstellend, so dass diese Neuerung nach derzeitigem Stand nicht dauerhaft in die Praxis umgesetzt werden kann", erläuterte Krug.

Insgesamt ist der Bereich der technischen Hilfsmittel nach wie vor ein heißes Pflaster für die Referees. "Das Thema Torkamera kann man kontrovers diskutieren. Sollte die Torkamera aber eingeführt werden, muss sie unmittelbar, nicht erst nach Sichtung mehrerer Fernsehbilder und Kameraperspektiven, objektiv hundertprozentigen Aufschluss über jede strittige Situation geben können", meinte Krug.

Auch die Hilfe durch einen Oberschiedsrichter ist umstritten. "Vor der Einführung eines Oberschiedsrichters müssten erst einmal eine ganze Reihe von ungeklärten Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel, wann genau der Oberschiedsrichter eingreift. Oder was mit dem Spiel während seiner Entscheidungsfindung passiert. Läuft es weiter oder kommt es zu einer Unterbrechung? Das wiederum hätte ja Auswirkungen auf die Dauer eines Fußballspiels", mahnte Krug zur Vorsicht in diesem Bereich.

Technische Hilfsmittel immer noch im Gespräch

Der frühere Fifa-Schiedsrichter ist aber gleichzeitig sicher, dass die Unparteiischen mögliche Hilfsmittel nicht von vornherein ablehnen: "Generell sind die Schiedsrichter über jede Hilfe dankbar, die Fehlentscheidungen verhindert. Schließlich wollen sie wie die Sportler möglichst immer ein fehlerloses Spiel abliefern. Allerdings wollen auch sie, dass der Sinn des Fußballs nicht verfälscht wird und der Zuschauer noch Spaß haben kann."

Die Einführung der Headsets ist für Krug ein sinnvoller Schritt. "Der Vorteil dieses neuen Systems liegt ganz klar in der unmittelbaren Kommunikation, die es zwischen dem Schiedsrichter und seinen Assistenten ermöglicht", sagte der DFB-Abteilungsleiter, für den durch die aufeinander abgestimmten Gespanne eine richtige Neuerung sind.

Alle 21 Schiedsrichter für die WM haben unterdessen am Mittwoch in Neu-Isenburg den dritten Fitnesstest bestanden. Der zweimalige Welt-Schiedsrichter Dr. Markus Merk aus Otterbach absolvierte mit seinen Kollegen mehrere Intervall-Tests ohne Probleme. Lediglich Schiedsrichter-Assistent Lionel Dagorne aus Frankreich und der Kameruner Assistent Jean Marie Endeng Zogo, der allerdings nur für das Erstzgespann des Marokkaners Mohamed Guezzaz eingeteilt ist, versäumten den Test wegen leichter Verletzungen.

Ursprünglich waren 23 Unparteiische für die WM-Endrunde vorgesehen. Doch der Jamaikaner Peter Prendergast reiste zu Beginn der Woche wegen einer Knieverletzung wieder ab. Massimo De Santis war wegen des Verdachts der Verwicklung in den italienischen Manipulationsskandal von seinem Verband zurückgezogen worden.

© SID

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