Fifa-Korruptionsskandal
Mit der Gegen-WM zum Blatter-Sturz

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist für die Fifa die wichtigste Einnahmequelle. Doch auch die Verbände hängen weltweit von dem Turnier ab. Aus Dänemark kommt nun ein Vorschlag, der das Fifa-System erschüttern könnte.
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Zürich, DüsseldorfBei der Familie Blatter ist die Welt wieder in Ordnung. Joseph S. Blatter, seit 1998 amtierender Präsident der Fifa, wurde am Freitag zum fünften Mal als höchster Fußballfunktionär der Welt bestätigt. Selbst die weltweit Aufmerksamkeit erregende Festnahme von sieben Mitgliedern des Exekutivkomitees des Weltverbands wegen Korruptionsvorwürfen konnte daran nichts ändern.

Und während unter anderem zwei von Blatters Vizepräsidenten auf Geheiß der US-Justizbehörden in Zürich festgesetzt wurden, gab der selbsternannte Pate des Weltfußballs gemeinsam mit seiner Tochter Corinne Blatter Andenmatten dem Schweizer Boulevardblatt „Blick“ ein Siegerinterview.

Auch Schwiegersohn und Enkelin waren beim Termin zugegen. Heraus kam eine unreflektierte Abrechnung mit Blatters Kritikern, einschließlich der Forderung, Franz Beckenbauer hätte in Deutschland für Räson sorgen sollen. So sehen Sieger aus – wurde mit Blick in die „Blick“ klar.

Dabei ist die Fußballwelt seit vergangener Woche in heller Aufregung. Doch trotz schwerwiegender Korruptionsvorwürfe an hochrangige Fifa-Funktionäre will Sepp Blatter weiter machen wie bisher, das wird deutlich. Vor allem will er jeglichen Schaden von der Cash Cow der Fifa fernhalten, der Fußball-Weltmeisterschaft. Dabei kursieren in Teilen Europas bereits radikale Gedankenspiele.

So hat Allan Hansen, dänisches Mitglied im Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbands Uefa, den Vorschlag in die Runde geworfen, dass zur von der Uefa ausgerichteten Europameisterschaft wichtige nicht-europäische Nationen eingeladen werden könnten.

Damit würde die Euro zu einer Art Gegen-WM. Ferner könnte die EM demnächst alle zwei Jahre ausgetragen werden. Damit würde das Spitzenturnier der Uefa auch zeitlich mit der WM der Fifa kollidieren. Auf diese Weise will Hansen Druck auf die TV-Anstalten und Sponsoren ausüben.

Denn ein so aufgewertetes Turnier würde den Wert der Senderechte der WM massiv beschneiden. Seine Macht bezieht die Fifa allerdings aus ihrer wirtschaftlichen Stärke. Und die fußt auf der Monopolstellung ihrer Turniere.

Kommentare zu " Fifa-Korruptionsskandal: Mit der Gegen-WM zum Blatter-Sturz"

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  • Es geht den USA darum, Russland die WM abzunehmen und ist das Ziel erreicht, wird das Korruptionsthema sehr schnell an Bedeutung verlieren, zumal die USA Gefahr laufen, dass auch vor ihrer Tür mal kräftig "gekehrt" wird. (Korruption in der Politik etc.etc.)

  • Seit 1998 Korruption im FIFA-Blatter-System.
    Allen Beteiligten hat das nicht geschadet, genausowenig wie die Wettbetrügereien in Deutschland und die Affäre Adidas-Hoeneß, der sich von Herrn Tapie Adidas in der Schweiz ein gigantisches Zocker-Konto einrichten ließ und dafür unter anderem jetzt gesiebte Luft atmen muß.
    Fast alle großen Dax-Konzerne sind Weltmeister im Schmieren und Korrumpieren.
    Und jetzt regen sich alle über Blatter auf, der doch nichts anderes im Sinn hat, als der Welt der doofen Brot-und-Spiele-Anhänger die schönen Spiele zu liefern, die sie vom Untergang in der Welt der Reichen und Schönen ablenken sollen - genauso wie seinerzeit im alten Rom.
    Lächerlich.

  • Eine "Gegen-WM".

    Was für ein bemerkenswert dämlicher Vorschlag!

    Das korrupte Gesockse muss weg! Und zwar gründlich! Und dann muss ein nach rechtsstaatlichen Grundsätzen ausgerichteter Umbau erfolgen.

    Man motzt ja gerne über die Amis. Aber das kriegen die hin - im Gegensatz zu der unfähigen europäischen Justiz.

    Well done, USA!

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