Fifa-Kronzeuge Charles Blazer
Kauf mich

Das Geständnis des Fifa-Kronzeugen, Charles Blazer, zeigt, dass im Herrschaftssystem des Weltfußballs Bestechung der Modus Operandi ist. Als Nächstes nehmen die USA die WM-Vergabe an Russland und Katar ins Visier.
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WashingtonDer Richter erkundigt sich nach dem Gesundheitszustand des Beschuldigten, seiner Therapie, er wünscht ihm alles Gute und klärt ihn über seine Rechte auf. Doch dann sind die Formalitäten abgehakt und mit den Nettigkeiten ist es vorbei. Im Gerichtsgebäude im New Yorker Stadtteil Brooklyn wird es ernst, sehr ernst. Verschwörung, Bestechung, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Bandenbildung, lauten die Anklagepunkte. Charles Blazer kennt sie alle und bestreitet nichts. Sein Geständnis legt den Grundstein für das amerikanische Korruptionsverfahren, das die Fußballwelt erzittern lässt.

„Ich und ein weiteres Mitglied des Exekutiv-Komitees der Fifa haben Bestechungsgeld im Zusammenhang mit der Bewerbung Südafrikas für die Fußball WM 2010 kassiert“, sagt Blazer, der mehr als zwanzig Jahre als Generalsekretär des nord- und mittelamerikanischen Regionalverbands Concacaf fungierte.

Auch bei der Entscheidung über die Weltmeisterschaft 1998 sei er in Schmiergeldzahlungen verwickelt gewesen. Für eine Million Dollar soll er seine Stimme an Marokko verkauft haben. Letztlich hat das Investment den Nordafrikanern nichts genutzt, es waren bekanntlich Franzosen, die das Turnier austragen durften.

Blazers Geständnis liegt schon zwei Jahre zurück, zwischenzeitig diente er als Maulwurf, bespitzelte seine Fifa-Kumpanen mit einer verwanzten Schlüsselkette. Jetzt, da genug Beweise für ein Verfahren gegen andere Fußballfunktionäre vorliegen, haben die US-Behörden die Akte Blazer veröffentlicht. Sie liefert neue Einblicke in ein Herrschaftssystem, in dem Bestechung der Modus Operandi war. Es ist schwierig, eine Entscheidung der Verbandsgremien zu finden, die nicht verschoben war oder zumindest verschoben werden sollte.

Blazer listet auf: „Ich und andere haben Schmiergeld und Rückvergütungen für die Vergabe von Übertragungsrechten bei den Gold Cups 1996, 1998, 2000, 2002 und 2003 erhalten.“ Der Gold Cup ist das Regionalturnier in Nord- und Mittelamerika, das Äquivalent zur EM, die europäische Fußballfans alle vier Jahre in Atem hält. Weil Blazer und seine Komplizen ihre korrupten Deals über US-Banken abwickelten, erklären sich die amerikanischen Behörden für zuständig – wenngleich die Bestechungsfälle selbst nicht auf amerikanischen Boden stattfanden.
Blazer, auch das geht aus den Gerichtsakten hervor, drohen 20 Jahre Haft. Er hofft, mit seinen Aussagen eine Strafmilderung zu erreichen. Doch der heute 70-Jährige ist nicht der einzige Kronzeuge der US-Behörden.

Daryan und Daryll Warner, die Söhne des früheren Fifa-Vizes Jack Warner, kooperieren mit den Ermittlern. Wie Blazer haben sie 2013 ein Geständnis abgelegt und sich bereit erklärt, als V-Männer zu fungieren. Die Akten zeigen, dass sie Dokumente beschafft und sich den Anklagebehörden immer wieder für Verhöre zur Verfügung gestellt haben. Zum Lohn wurde auch ihnen Strafmilderung in Aussicht gestellt, womöglich kommen beide um einen Gefängnisaufenthalt herum. Daryan Warner darf zudem auf eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis in den USA hoffen.

Die Ermittler bauen nun darauf, dass noch weitere Fifa-Funktionäre ihr Schweigen brechen. Das Konzept gleicht dem Vorgehen bei Mafia-Verfahren. Ein Geständnis führt zum nächsten, bis am Ende das gesamte Syndikat entblößt und die Führungsriege hinter Gitter gebracht werden kann. „Die Ermittlungen sind nicht abgeschlossen, sie stehen noch am Anfang“, ließen die Strafverfolger wissen, als sie die Korruptionsvorwürfe vergangene Woche öffentlich machten.
So verwundert es nicht, dass US-Medien inzwischen über Ermittlungen gegen Fifa-Präsident Sepp Blatter berichten. Genauso wenig ist es überraschend, dass sich die Amerikaner für die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar interessieren, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Hinweise darauf, dass auch bei diesen Entscheidungen Schmiergeld geflossen ist, gibt es seit Jahren. Auch die Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft ermittelt in dieser Angelegenheit. Gleichzeitig aber wird das Verfahren der Amerikaner dadurch zum Politikum. Bei der Vergabe der WM 2022 schlug Katar einen großen Favoriten: die USA.

Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
Handelsblatt / USA - Korrespondent

Kommentare zu " Fifa-Kronzeuge Charles Blazer: Kauf mich"

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  • Warner und Blazer: Zwei Großganoven packen aus
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    Wie bei der Mafia, so lauert auch bei der Fifa die größte Gefahr in den eigenen Reihen. Die beiden Obergauner Chuck Blazer und Jack Warner bringen sie gerade zu Fall.

    Die Fifa ist die Mafia².
    Don Blatter: "Du wissen, Luigi, wo zu überweisen?"
    Luigi: Si, Don Blatter, auf Mafiabank."
    Don Blatter: "Bene."

  • Beckenbauer ist Putins bester Mann
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    Er hatte für die Vergabe der WM 2018 an Russland gestimmt.
    Dafür hatte Putin ihn zum Sonderbotschafter" ernannt.

    Auch in Katar war Beckenbauer "blind". Er hat dort keine Sklaven gesehen, die liefen alle frei herum.
    Somit ist Beckenbauer bestens geeignet, Don Blatters Nachfolge anzutreten.

  • Beckenbauer bekommt von der NSA und US-Ermittlerin die Ermittlungsdaten seiner FIFA Kollegen und einen Persilschein...!!!
    Ihm wird klar gemacht, dass Russland die Spiele entzogen werden müssen und er bei Erfolgreich "mission impossible" mit Rückendeckung der USA dann auch FIFA Präsident werden kann...Ermittlungen jeglicher Art werden dann gegen ihn und andere FIFA Mitglieder eingestellt...
    Die Daten über Beckenbauer bleiben bei der US-Behörde und können jederzeit als Druckmittel das gewünsche Ergebnis ihrer Marionetten erreichen...und versprochen: Es gibt unter der Aufsicht der USA keine Skandale mehr...Vorbehaltlich alle halten sich an die Spielregeln des NSA und USA...
    oder am Besten: die FIFA kommt gleicht ihren Hautsitz in New York, neben der UNO...Das wäre doch schön, oder???

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