Fifa-Museum Zürich: Blatters buntes Ball-Paradies

Fifa-Museum Zürich
Blatters buntes Ball-Paradies

Im neuen Fifa-Museum in Zürich zeigt sich der Fußball nur von seiner Schokoladenseite. Wer sich aber über die jüngsten Skandale des Weltfußballs informieren will, ist in Sepp Blatters Hochglanz-Tempel falsch.

ZürichDer Einlauf erfolgt standesgemäß: Die beiden Doppelweltmeister Cafu, Ex-Kapitän der brasilianischen Nationalmannschaft, und die deutsche Fußballerin Renate Lingor schreiten über den Kunstrasen im Eingangsbereich und tauchen dann unter Blitzlichtgewitter ins Treppenhaus ein. Aus den Boxen dudelt die Fifa-Hymne. In ihren Händen tragen die beiden Sportler die wichtigsten Exponate des neuen Fifa-Welt-Fußball-Museums: die Original-WM-Pokale der Männer und Frauen.

Die Trophäen finden Platz im Untergeschoss des neuen Museums, das auf 3000 Quadratmetern 1000 Exponate zeigt. „Das ist unsere Mona Lisa“, freut sich Stefan Jost; der schlanke Manager im blauen Anzug ist der Geschäftsführer des Museums, das pünktlich zum Krisenkongress der Fifa eröffnet.

Von Krise und Korruption ist in den drei Etagen aber nichts zu sehen. Stattdessen liegen in den Vitrinen Kleinode wie das Leibchen, das Franz Beckenbauer beim WM-Finale 1966 in Wembley trug. Oder der Originalball des Endspiels von 1990, das Deutschland gegen Argentinien gewann. In einer Kabine können sich die Besucher als Sportreporter versuchen und Fußballbilder vertonen. Und wer vor dem 360-Grad-Kino wartet, nimmt auf Originalsitzen aus den Stadien der Welt Platz, etwa dem gelben Klappsitz aus dem brasilianischen Maracanã.

Wer sich aber über die jüngsten Skandale des Weltfußballs informieren will, ist im Hochglanz-Museum falsch. „Wir werden das ganz gewiss aufnehmen, aber noch ist es zu früh, denn die Turbulenzen sind quasi Geschichte im Entstehen“, erklärt Museums-Chef Jost. 140 Millionen Franken hat sich die Fifa den Umbau des Gebäudekomplexes kosten lassen, das neben dem Museum Seminarräume, 140 Büros und 34 Luxuswohnungen umfasst. 30 Millionen Franken flossen allein in das Museum.

Den Anstoß für den Fußballtempel gab Sepp Blatter persönlich im Jahr 2012. „Blatter hat sich in die konkrete Gestaltung aber kaum eingemischt“, versichert Jost, „seine Vorgabe war lediglich, dass es eine emotionale und interaktive Begegnungsstätte für Fußballfans aus aller Welt werden soll.“ Der gesperrte Fifa-Präsident hat das fertige Museum noch gar nicht gesehen, das letzte Mal war er im vergangenen September auf der Baustelle.
Blatter mag sich mit dem Bau ein Denkmal gesetzt haben – der gesperrte Noch-Präsident selbst taucht aber nur freundlich lächelnd in der Zeitleiste im Erdgeschoss auf, in der alle Fifa-Bosse verewigt sind.

Seine Nachfolger werden dank des Museums dennoch stets an Blatter erinnert werden. Denn auch mit den angepeilten 250.000 Besuchern im Jahr wird der Fußballtempel nicht kostendeckend sein. Mit welchem Defizit Museums-Chef Jost kalkuliert, verrät er nicht.

Im Untergeschoss strahlt Doppelweltmeisterin Renate Lingor mit dem WM-Pokal um die Wette. Sie sei „sehr stolz“, den Pokal ins Museum tragen zu dürfen, sagt sie in die Kameras. Ein Journalist fragt, ob sie kein Problem damit habe, sich so für die Fifa einspannen zu lassen. „Ich repräsentiere hier meinen Sport, nicht die Fifa“, gibt sie zurück.

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