Fußball
Fifa pfeift neue Abseitsregel wieder zurück

Die heftig kritisierte Neuauslegung der Abseitsregel ist bereits wieder Geschichte. Nach dem missglückten Experiment beim Confederations Cup ruderte der Fußball-Weltverband Fifa nun zurück.

Nach dem verunglückten Experiment beim Confederations Cup hat der Fußball-Weltverband Fifa auf die heftige Kritik reagiert und wieder Abstand von der Neuinterpretation der Abseitsregel genommen. Nach einem Treffen der Arbeitsgruppe des International Football Association Board (Ifab) unter dem Vorsitz von Angel Maria Villar wurde folgender Text für die Anwendung der Regel elf formuliert.

"Ein Spieler in einer Abseitsstellung kann bestraft werden, bevor er den Ball spielt oder berührt, falls nach Ansicht des Schiedsrichters kein anderer Mitspieler, der sich in einer Nicht-Abseitsstellung befindet, die Möglichkeit hat, den Ball zu spielen. Greift ein Gegenspieler ein und droht nach Ansicht des Schiedsrichters Körperkontakt, wird der Spieler, der sich in einer Abseitsstellung befindet, bestraft, da er den Gegner beeinflusst."

"Korrektur der Unvernunft"

"Das war eine Korrektur der Unvernunft", sagte DFB-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell auf Anfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid), "selten waren sich Spieler, Trainer und Schiedsrichter so einig wie in diesem Fall." Damit hat sich die Auffassung unter anderem des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) durchgesetzt. Amerell verwies allerdings nochmals darauf, dass international große Einigkeit bezüglich der Kritik an der neuen Auslegung der Abseitsregel herrschte.

Bei einer Schiedsrichter-Manager-Tagung Mitte Juli in Frankfurt/Main hatten sich insgesamt 17 europäische Nationalverbände gegen die neue Auslegung ausgesprochen. "Man kann doch wohl eine solche Regelinterpretation nicht ernst meinen, wenn man einen Abseits stehenden Spieler 20, 30 Meter rennen lässt, Gegner und Assistent hinter ihm her, um dann, wenn er den Ball berührt, die Fahne zu zücken. Wo da der Vorteil liegen soll, muss man mir erst einmal erklären", hatte DFB-Schiedsrichter-Obmann Volker Roth damals erklärt.

Der Ifab einigte sich nun außerdem auf die folgende Präzisierung in Zusammenhang mit der Stelle, an der das Spiel nach einer Unterbrechung wegen einer Abseitsstellung fortgesetzt wird (Regel elf Vergehen/Strafbestimmungen): "Das Spiel wird mit einem indirekten Freistoß an jener Stelle fortgesetzt, an der sich der Spieler ursprünglich befand, als seine Abseitsposition erkannt wurde."

Obwohl es sich um eine eindeutige Präzisierung der bisherigen Regelung handelt, wies die Fifa darauf hin, eine Änderung sowohl des Wortlauts als auch der Intention der Regel elf sowie der Entscheidungen 1 und 2, die der Ifab an seiner Sitzung vom 26. Februar 2005 in Vale of Glamorgan/Wales getroffen hatte, sei nicht Gegenstand der Sitzung gewesen. Da die ersten Erfahrungen mit den neuen Entscheidungen jedoch Klärungsbedarf gezeigt hätten, habe die Arbeitsgruppe im Rahmen ihrer Sitzung den Text neu formuliert.

Die Fifa erinnerte die Verbände in diesem Zusammenhang auch an Artikel 6, Absatz 1 der Fifa-Statuten: Jedes Mitglied der Fifa habe nach den Spielregeln des Ifab zu spielen. Einzig der Ifab sei befugt, Spielregeln aufzustellen und zu ändern. Die Uefa und der DFB waren auf Konfrontationskurs zur Fifa gegangen und hatten seit Saisonbeginn an der bisherigen Auslegung trotz der gegenteiligen Anweisung des Weltverbandes festgehalten.

© SID

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