Fifa-Präsident
Ist Sexwale der bessere Blatter?

Tokyo Sexwale könnte der nächste Fifa-Chef werden. Doch nur die wenigsten kennen den umtriebigen Südafrikaner. Porträt eines Mannes, der eine Handgranate in einen Lastwagen warf und 13 Jahre im Gefängnis saß.

KapstadtLeicht geht der Name des Unternehmens nicht von der Zunge: Mvelaphanda ist ein Wort aus der südafrikanischen Vendasprache und bedeutet so viel wie „Fortschritt“. Kaum weniger ungewöhnlich klingt der Name des Mannes, der das Geschäftsimperium kontrolliert und nun als möglicher Nachfolger von Fifa-Präsident Sepp Blatt gehandelt wird: Tokyo Sexwale (ausgesprochen: „Sechwale“, wobei das „ch“ wie im deutschen „ach“ artikuliert wird). Den Spitznamen Tokyo erhielt Gabriel Mosima Sexwale von Freunden wegen seiner früheren Leidenschaft für den Karatesport.

Mit dem 62-Jährigen klopft nun, nachdem er seine Kandidatur am Wochenende auch offiziell verkündet hat, ein Mann an die Tür des Fußballverbands, dem „der Geruch von Neutralität“ anhaftet, wie sein Fürsprecher Franz Beckenbauer ausdrücklich lobt – und den daher womöglich auch andere Europäer am Ende attraktiv finden könnten. Zumal hochrangige Fifa-Funktionäre zuletzt immer wieder gefordert, dass fortan „frischer Wind“ durch die verkrusteten Strukturen in Zürich wehen müsse.

Allerdings ist die Erfahrung des Südafrikaner in Sachen Fußball eher überschaubar: So arbeitete Sexwale bislang nur in der Fifa-Arbeitsgruppe gegen Rassismus und Diskriminierung und unterstützte darüber hinaus das Organisationskomitee der WM 2010 in seiner Heimat Südafrika.

Seinen kometenhaften Aufstieg vom Widerstandskämpfer zum reichen Geschäftsmann verdankt Sexwale einem Mix aus viel Charisma und Geschäftssinn aber auch seiner langjährigen Zugehörigkeit zur Führungsriege des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), der Südafrika seit dem Ende der Apartheid vor über 20 Jahren regiert. Nicht wenige, die ihn kennen beschreiben ihn jedenfalls als einen geborenen Geschäftsmann, den einst nur die Umstände in den Widerstand getrieben hätten.

Dies mag auch erklären, warum der Mann, der lange als potenzieller Anwärter auf das höchste Staatsamt in Südafrika galt und dessen Ambitionen im Stillen womöglich weiterglimmen, zu einem der führenden schwarzen Geschäftsleute am Kap aufgestiegen ist. Sein Privatvermögen wird inzwischen auf  mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt.

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