Fifa-Präsident Joseph Blatter
Warum die Macht mit ihm ist

Joseph Blatter beherrscht das Machtspiel im Weltfußball wie kein anderer. Doch obwohl sein Image angekratzt ist, immer wieder Korruptionsvorwürfe aufkommen, hat er keine Konkurrenz zu fürchten. Ein Erklärungsversuch.
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ParisJoseph Blatter hat es nicht leicht: Der Präsident des Fußballweltverbands wird regelmäßig in den Medien wahlweise der Korruption, der Geldgier oder des Machtmissbrauchs angeklagt. Kurzzeitig schien es, als ob nun sogar die Fifa das Vertrauen in ihren eigenen Chef verloren hätte. Sie leitete gegen Blatter eine Ermittlung wegen Bestechungsverdacht ein - und das fünf Tage vor den Präsidentschaftswahlen. Doch die Freude seiner Gegner währte nicht lang: Die Kommission sprach Blatter frei. Stattdessen suspendierte der Verband seinen Gegenkandidaten, den Präsidenten der asiatischen Konföderation, Mohamed bin Hammam. Für viele ist das nur ein Beleg mehr dafür, dass unter Blatters Regime die ehrliche Tour die Ausnahme geworden ist.

Doch der kleine Schweizer ist Gegenwind gewohnt. Auch wenn er außerhalb seiner Welt nicht gerade beliebt ist, innerhalb der Fifa zieht er die Fäden. Zwölf Jahre ist er bereits im Amt - aber der Ruhestand ist für ihn kein Thema. "Ich werde so lange weitermachen wie ich kann", sagte er vor kurzem dem Schweizer Fernsehsender TSR. "Aufhalten kann mich nur Gott oder der Fifa-Kongress." Zumindest vor Zweiterem braucht Blatter keine Angst zu haben: Nachdem der einzige Herausforderer ausgeschaltet ist, gerät seine Wiederwahl am Mittwoch zur Formsache.

Eigentlich sollte man denken, ein Mann, der früher als Pressechef gearbeitet hat, könne in der Öffentlichkeit eine gute Figur abgeben. Doch um Blatters Ruf steht es nicht zum Besten, jede Aktion wird kritisch hinterfragt. Hilfsprogramme wie "Football for Hope" oder "Football for Health" verunglimpfen seine Gegner als billige Marketing-Schachzüge. "Man kann sich selbst nur als Gutmensch verkaufen, wenn kein negatives Vorurteil in der Welt ist", sagt Peter Rohlmann, Chef des Beratungsunternehmens PR Marketing in Rheine. "Wer einmal ein schlechtes Image hat, kann selbst nur noch wenig tun. Fremde müssten Blatter Integrität attestieren. Von Außen aber kommt wenig Hilfe."

Doch wie kommt es, dass der bedeutendste Sportfunktionär der Welt so ins Zwielicht geraten ist - und gleichzeitig keine Probleme zu haben scheint, sich an der Spitze zu halten? Kritiker machen das "System Blatter" dafür verantwortlich, das der Schweizer über Jahrzehnte aufgebaut habe. "Es ist der Eindruck entstanden, dass Mitarbeiter, die zu mächtig wurden, regelmäßig mit diplomatischem Geschick weggelobt oder deren Ausscheiden mit großzügigen Aufhebungsverträgen versehen wurde, damit im Nachhinein keine Klagen kommen", sagt Rohlmann. "Allerdings weiß nur der interne Zirkel, wie das System genau funktioniert. Und Fakt ist auch: Blatter ist noch nirgends gerichtlich verurteilt worden. Der Grund ist schlicht, dass es nie zu einem Urteil gekommen ist - und immer rechtzeitig Vergleiche geschlossen worden sind."

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