Fifa-Präsidentenwahl
Das Tauziehen geht in die heiße Phase

Blatter, Platini, Zico: Die Liste der Bewerber auf das höchste Amt der Fifa ist illuster. Gewählt wird erst im Februar. Dem Weltverband sitzt die US-Justiz im Nacken. Und dennoch schießt die Fifa scharf gegen Platini.
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ZürichAm 26. Februar ist das große Finale: Dann entscheiden die 209 Mitgliedsverbände der Fifa, wer Sepp Blatter an der Spitze des Weltfußballverbandes nachfolgen soll. Uefa-Präsident Michel Platini hat seinen Hut bereits in den Ring geworfen. Doch offenbar ist sein ehemalige Mentor Blatter damit alles andere als einverstanden. Platini muss zudem mit ernstzunehmenden Gegenkandidaten rechnen.

Laut einem Bericht der „Welt“ soll Blatter Schweizer Redaktionen fertig geschriebene Portraits über Platini zukommen lassen haben, die den Franzosen in ein schlechtes Licht rücken. In dem Text werde darauf aufmerksam gemacht, dass Platini für die WM-Vergabe an Katar gestimmt hat und kurz darauf sein Sohn einen Job bei der Sport-Tochter des katarischen Staatsfonds bekam – Fakten, die indes auch in der breiteren Öffentlichkeit längst bekannt sind.

„Platini: Leichen im Keller“, ist laut „Welt“ die Schlagzeile des Textes. Darin heißt es über Platini: „Er war einer der größten Ballzauberer, den Europa je gesehen hat. Doch ist er auch groß genug, um Fifa-Präsident zu werden? Wer in Richtung Katar blickt, kann nur zu einer Antwort kommen: Nein.“

Die Fifa wollte auf Anfrage dazu keinen Kommentar abgeben. Aus Kreisen, die Blatter nahe stehen, heißt es, dass Blatter so etwas „nicht nötig“ habe. Allerdings sei bekannt, dass Blatter und Platini keine engen Freunde mehr sind. So hatte Platini unter anderem gehofft, dass Blatter ihm eines Tages als seinen Nachfolger aufbaut – stattdessen trat der Schweizer entgegen eines öffentlich gemachten Versprechens doch noch einmal zu einer fünften Amtszeit an. Auch in der Frage der WM-Vergabe an Katar sind beide überkreuz. Blatter ist dagegen, Platini dafür.

Bekannt ist auch, dass die Reform-Kräfte innerhalb der Fifa die Kandidatur Platinis mit großer Skepsis betrachten. „Platini ist sicher kein Reformer“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. So hinke die von Platini geführte Uefa in Sachen Reformen noch hinter der Fifa hinterher. Beispielsweise gibt es bei der Uefa noch keine unabhängige Ethikkommission, die Verfehlungen von Uefa-Funktionären unter die Lupe nimmt.

Bis zum 26. Oktober müssen Anwärter auf die Blatter-Nachfolge ihre Kandidatur bei der Fifa offiziell einreichen. Dazu müssen sie von mindestens fünf Verbänden unterstützt werden. Neben Platini will der Koreaner Chung Mong-Joon antreten sowie der brasilianische Fußballer Zico.

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Platinis Herausforderer: ein vielversprechender Reformer

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