Fifa-Skandal
„Es werden mehr schlechte Nachrichten kommen“

Fifa-Boss Sepp Blatter will sich trotz des jüngsten Korruptions-Skandals am Freitag erneut zum Präsidenten wählen lassen. Damit riskiert er eine Spaltung des Weltfußballverbandes. Denn die Uefa droht mit einem Austritt.
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ZürichSeit zwei Tagen war er abgetaucht, doch zur Eröffnungsrede des Fifa-Kongresses war Sepp Blatter zur Stelle. Der 79-Jährige wirkte am Rednerpult angespannt, aber inhaltlich war er ganz der Alte. So sagte er mit Blick auf die 209 Fahnenträger der Fifa-Mitgliedsländer – natürlich alle im schwarz-weißen Adidas-Trainingsdress: „Schauen Sie sich unsere Fahnen an – es sind mehr als bei den Vereinten Nationen“.

Wer Anzeichen von Reue oder der Übernahme von Verantwortung erwartet hatte, der wurde enttäuscht. „Einige wenige Individuen haben durch ihre Handlungen einen Schatten auf den Fußball geworfen“, sagte Blatter. „Und einige wollen mich persönlich dafür verantwortlich machen. Aber ich kann nicht jeden die ganze Zeit überwachen“, entschuldigte er sich.

Im Fußball gäbe es eben Korruption – wie im Rest der Gesellschaft. „Es werden in den kommenden Monaten wohl noch mehr schlechte Nachrichten kommen“, orakelte der Fifa-Präsident. Nun müsse die Fifa durch ihre Entscheidungen am Kongress den ersten Schritt machen, um das verloren gegangene Vertrauen wieder zu gewinnen.

Und eine dieser Entscheidungen soll offenbar sein, Sepp Blatter ein weiteres Mal an die Spitze des Weltfußballverbandes zu wählen.

Uefa-Präsident Michel Platini hat für den Fall eines Wahlsiegs von Fifa-Chef Joseph Blatter einen Rückzug der europäischen Mannschaften aus allen Fifa-Wettbewerben nicht ausgeschlossen. Bei einer Sondersitzung rund um das Champions-League-Finale in Berlin werde man in der kommenden Woche „alle Möglichkeiten ins Auge fassen“, sagte der Franzose am Donnerstag in Zürich.

Eine weitere Option ist laut Platini offenbar ein kollektiver Austritt der europäischen Mitglieder aus dem Fifa-Exekutivkomitee. „Wenn wir diese Abstimmung nicht gewinnen, dann treffen wir uns mit allen Generalsekretären und Präsidenten beim Champions-League-Finale in Berlin. Je nach Ausgang der Wahl werden wir sehen, ob wir dabei sind oder nicht im Exko.“

Der Engländer David Gill hatte bereits angekündigt, seinen Platz in der Fifa-Exekutive bei einem Blatter-Sieg nicht einzunehmen. DFB-Chef Wolfgang Niersbach wollte sich diesbezüglich noch nicht festlegen. „Das ist ein Abwägen: Boykottiert man etwas oder geht man ins Exko rein und hat die Chance auch wirklich etwas zu verändern“, sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes am Donnerstag in Zürich.

Zuvor hatte Platini hat den umstrittenen Fifa-Boss zum Rücktritt aufgefordert. „Ich habe ihm gesagt: 'Bitte verlasse die Fifa. Lass es sein'“, berichtete der Franzose am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Zürich von der Unterredung mit Blatter.

„Es wäre ein Zeichen von Größe gewesen. Fußball ist wichtiger als Personalien, aber er hat gesagt: 'Es ist zu spät. Ich kann nicht aufhören, nicht zu Beginn dieses Kongresses.'“ Platini gilt als großer Unterstützer von Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein. Die Uefa werde zum „allergrößten Teil“ für den Jordanier stimmen, erklärte er.

Entgegen den ursprünglichen Überlegungen wird die Europäische Fußball-Union den Fifa-Kongress nicht boykottieren und will bei der Präsidentschaftswahl am Freitag zu großen Teilen für den einzigen verbliebenen Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein votieren. Das teilten mehrere Uefa-Mitglieder am Donnerstag mit.

Blatters Wahl zu seiner fünften Amtszeit wird dadurch allerdings kaum gefährdet werden. Schließlich ist ihm die Unterstützung aller Kontinentalverbände, außer der Uefa, sicher. Alle Fußballnationen sind gleichberechtigt und dürfen je eine Stimme bei der geheimen Wahl am Freitag abgeben. Die in der Wahrnehmung mächtige Uefa (53 Mitglieder) kann bei der Wahl also leicht überstimmt werden.

Liveticker zum Fifa-Kongress in Zürich:

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Vollste Zustimmung !!!
    Aber man scheint sich ja noch mit der Drecks-FIFA identifizieren zu können.
    WIDERLICH !!!!

  • Sorry, so groß kann die Naivität gar nicht sein, um da noch Unschuld vermuten zu dürfen !!!

  • Die Frage, ob es in der FIFA-Spitze Korruption gegeben hat, muß vor den zuständigen Gerichten geklärt werden. Solange das nicht geschehen ist, gilt die Unschuldsvermutung.

    Das gilt insbesondere für Blatter, gegen den noch nicht einmal Anschuldigungen erhoben werden. Wo kommen wir hin, wenn auf bloße Anschuldigen gegen Dritte hin Amtsträger zurücktreten müssen!

    Die Frage allerdings, die im Raum steht und die von Putin angesprochen worden ist, ist zu stellen, ob das Hochkochen der Affäre ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt nicht einen geopolitischen Hintergrund hat. Haben die USA vielleicht deshalb die Haftbefehle erwirkt, weil sie die Wiederwahl Blatters verhindern und einen ihnen politisch genehmen Kandidaten durchsetzen wollten? Haben sie auf dieses Weise vielleicht den Versuch unternommen, die WM in Rußland doch noch zu verhindern?

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