Fifa-Skandal
„Ich denke an Kofi Annan“

Die Fifa ist verfault und führungslos. Doch der Fußball vertrage keine Fußballleute mehr, sagt die Frau, die die Ermittlungen gegen den Weltverband befeuerte: Bonita Mersiades. Rettung könne nur von außen kommen.

Gibt es noch Hoffnung für die Fifa? Verfolgt uns Sepp Blatter als ewiger Wiedergänger? Bonita Mersiades über das unkontrollierte System Fifa, die menschliche Gier und wer den Fußball jetzt noch retten könnte.

Frau Mersiades, wie konnte es zu diesem Desaster der Fifa kommen?
Was wir bei der Fifa beobachten, ist typisch für Organisationen, deren Einkünfte enorm und schnell steigen und die ohne externe Prüfung agieren. Bei der Fifa kommt hinzu, dass sie von keinem Markt bestraft und von keinem Kontrollorgan oder Volk abgewählt werden kann. Wenn sich ein solcher Zustand über vier bis fünf Jahrzehnte hält, führt das zu Arroganz und Egoismus. Die Chefs glauben dann, sie könnten tun, was sie wollen. Sie denken, sie stünden über dem Gesetz.

Sie reden von Strukturen. Strukturen sind aber nicht korrupt. Menschen sind korrupt.
Das Maß der Perversion und der Gier bei der Fifa ist wirklich erstaunlich. Alles schaut zu

Gibt es noch Hoffnung für die Fifa? Verfolgt uns Sepp Blatter als ewiger Wiedergänger? Bonita Mersiades über das unkontrollierte System Fifa, die menschliche Gier und wer den Fußball jetzt noch retten könnte.

Frau Mersiades, wie konnte es zu diesem Desaster der Fifa kommen?
Was wir bei der Fifa beobachten, ist typisch für Organisationen, deren Einkünfte enorm und schnell steigen und die ohne externe Prüfung agieren. Bei der Fifa kommt hinzu, dass sie von keinem Markt bestraft und von keinem Kontrollorgan oder Volk abgewählt werden kann. Wenn sich ein solcher Zustand über vier bis fünf Jahrzehnte hält, führt das zu Arroganz und Egoismus. Die Chefs glauben dann, sie könnten tun, was sie wollen. Sie denken, sie stünden über dem Gesetz.

Sie reden von Strukturen. Strukturen sind aber nicht korrupt. Menschen sind korrupt.
Das Maß der Perversion und der Gier bei der Fifa ist wirklich erstaunlich. Alles schaut zu Recht auf Sepp Blatter. Aber es gab auch Exekutivmitglieder, die noch länger dabei waren als er. Der Skandal betrifft nicht nur ihn oder die Fifa. Er betrifft Fußballregierungen auf der ganzen Welt. Präsidenten und Manager, die den Hals nicht voll genug kriegen können, gibt es nicht nur in Zürich.

Blatter ist von den eigenen Leuten suspendiert worden. Ist er wirklich weg oder arbeitet er wie ein Untoter an einem Comeback, wie Experten mutmaßen?
Ich kenne die Spekulationen. Für unmöglich halte ich bei ihm nichts, aber die Ermittlungen der Schweiz und der USA werden das sicher verhindern. Ich rechne mit noch mehr Verhaftungen. Aber selbst wenn er juristisch unschuldig wäre, müsste er schnell weg. Blatter ist seit 34 Jahren in einer machtvollen Position. Die Fifa funktioniert nach dem Top-down-Prinzip. Er ist der Verantwortliche für die Fäulnis. Keine andere Organisation der Welt würde ihm erlauben zu bleiben.

Vielleicht müssen wir weniger Blatters Überleben fürchten als das seines Systems.
Blatter mag nicht selbst an illegalen Zahlungen mitverdient haben, aber er hat für steten Geldabfluss gesorgt. Wovon er wiederum profitierte. Es ist die große Aufgabe für den Fußball, sich von dieser Unkultur zu befreien. Blatters Rücktritt alleine würde nicht genügen.

Ist die Fifa überhaupt reformierbar?
Nicht von innen. Was ist seit Ende Mai passiert, als sieben hochrangige Fußballbosse verhaftet wurden? So viel wie nötig, doch so wenig wie möglich. Die Fifa ist unfähig und unwillig, sich zu ändern. Die alten Kräfte wirken noch.

Blatter wurde immerhin gesperrt.
Das ist in der Tat ermutigend. Doch was stand in dem Report von Hans-Joachim Eckert, dem Vorsitzenden der Ethik-Kommission? Katar und Russland machten angeblich nichts falsch. Stattdessen wurden wir Whistleblower bloßgestellt. Eckert hat die Fifa geschützt. Russland, der Gastgeber der WM 2018, kam bei ihm mit der Ausrede durch, dass die Computer verschwunden seien. Es handelt sich um eine Nation, die Menschen auf den Mond schickt. Und die soll keine Backups für ihre Computer erstellen können? Warum fragt Putin nicht Edward Snowden?

Sollte die Fifa besser zerstört werden?
Für einen Neuanfang braucht es jedenfalls viel. Zum einen neue Strukturen: Alters- und Amtszeitbegrenzungen, Gewaltenteilung, es gibt ja bereits Ansätze. Zum anderen hängen Reformen aber immer an Menschen. Eine Kommission, die sich damit befasst, müsste vorübergehend von einer unabhängigen Person geführt werden, die den Respekt der Fußballwelt genießt. Von einem, der keinen Job im Fußball hatte oder künftig will. Ein „game changer“, der Menschen an einen Tisch bringen kann.

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