Fifa-Skandal
Sportgericht bestätigt Platini-Sperre

Uefa-Boss Michel Platini bleibt suspendiert. Der Internationale Sportgerichtshof Cas hat den Einspruch des Präsidenten der Europäischen Fußball-Union abgelehnt. Damit ist der Fall jedoch noch lange nicht erledigt.

LausanneUefa-Präsident Michel Platini kann seinen Traum von der FIFA-Präsidentschaft so gut wie begraben. Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte am Freitag die 90-Tage-Suspendierung gegen den Uefa-Chef. Die Sanktion führe „zu diesem Zeitpunkt nicht zu irreparablem Schaden für Michel Platini“, hieß es in der Urteilsbegründung der drei Richter, zu denen auch der deutsche Professor Ulrich Haas gehört.

Damit wird Platini am Samstag bei der Auslosungszeremonie der Gruppen für die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich fehlen. Ausgerechnet bei dem Wettbewerb, der auf seinen Wunsch aufgebläht wurde und im kommenden Jahr erstmals mit 24 statt bisher 16 Mannschaften ausgetragen wird. Auch die Fortführung der FIFA-Präsidentschaftskandidatur liegt weiter auf Eis.

In der Sache selbst urteilten die Juristen nicht. Ob Platini durch die Annahme der umstrittenen Zwei-Millionen-Franken-Zahlung von Fifa-Chef Joseph Blatter im Jahr 2011 gegen die Ethikregeln des Fußball-Weltverbandes verstoßen oder sich gar der Korruption schuldig gemacht hat, war für den CAS nicht die Fragestellung. Dies wird die rechtssprechende Kammer der Fifa-Ethikkommission um ihren deutschen Chef Hans-Joachim Eckert entscheiden - vermutlich am 21. Dezember.

Zuvor steht für Platini am 18. Dezember noch eine Anhörung vor dem Gremium an. Einen Tag vorher wird der ebenfalls suspendierte Blatter vor den Ethikhütern aussagen müssen. Der Schweizer hatte im Gegensatz zu Platini auf einen Einspruch gegen die provisorische Sperre beim CAS verzichtet und ist somit ebenso unverändert suspendiert.

Von der Uefa hieß es lediglich, man nehme die Entscheidung zur Kenntnis. Die Fifa teilte mit, man stelle mit der Entscheidung fest, „dass das CAS das Verfahren der unabhängigen Ethikkommission anerkannt hat“.

Einen letztlich unerheblichen Teilerfolg erzielte Platini. Den Ethikhütern wurde untersagt, die bis zum 5. Januar laufende Sperre gegen Platini zu verlängern, da dann ein Schaden für den 60-Jährigen eintrete. Er könnte wegen Fristversäumnis nicht wie erhofft zur Fifa-Präsidentschaftswahl am 26. Februar zugelassen werden. Dies ist aber ohnehin hinfällig, da zuvor das endgültige Urteil ansteht. Wird Platini dann gesperrt, ist der nächste Gang des einstigen Weltklasse-Fußballers vor den Cas garantiert.

Die Fifa-Ethikkommission hatte Platini am 7. Oktober für drei Monate für alle Fußball-Aktivitäten gesperrt. Hintergrund ist die dubiose Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken im Jahr 2011 durch Blatter. Das Funktionärs-Duo behauptet, es habe sich bei der Überweisung um eine Begleichung ausstehender Honorare für Platini als Fifa-Berater aus den Jahren 1998 bis 2002 gehandelt.

Die ermittelnde Kammer des Fifa-Ethikkomitees hat Strafen gefordert. Die Länge hängt von der Einschätzung der Richter ab. Sehen sie in der Zahlung eine Bestechung, müssten Blatter und Platini lebenslang ausgeschlossen werden. Kurz nach der Überweisung hatte sich der Franzose als Chef des Europa-Blocks für eine Wiederwahl Blatters zum Fifa-Boss ausgesprochen.

Der Internationale Sportgerichtshof Cas mit Sitz in Lausanne (Schweiz) ist die oberste Sportgerichtsbarkeit und damit die letzte Entscheidungsinstanz für die Sportverbände und Nationalen Olympischen Komitees in Streitfragen zum internationalen Sportrecht. Es ist beispielsweise bei Disziplinar-, Verfahrens-, Doping- und sportbezogenen Vertragsfragen zuständig und wurde 1984 auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) als unabhängiges Gremium gegründet. Der Cas unterliegt Schweizer Recht. Seine Urteile haben zivil- und strafrechtlich jedoch grundsätzlich keine Wirkung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Victor Fritzen
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