Fifa-Skandal
Zwei Endspiele für den Weltfußball

Der Fußball ringt um die Zukunft. Heute trifft sich die Uefa-Spitze – ohne Boss Platini, dessen Stuhl wackelt. Es geht auch darum, wer künftig die Fifa führen kann. Der Korruptionsskandal bekommt sein Endspiel.

Zürich, MünchenUrsprünglich war die Sitzung dafür gedacht, die europäischen Truppen zu einen: Am Donnerstag tagt das Exekutivkomitee des europäischen Fußballverbands Uefa in Nyon. Doch jetzt ist alles anders. Die Spitzen der nationalen Verbände müssen darüber beraten, wie es nach der provisorischen Sperre von Uefa-Chef Michel Platini weitergehen soll. Vor allem steht die Frage im Raum, ob die Uefa weiter die Kandidatur des Franzosen für die Fifa-Spitze unterstützt. Das wird immer unwahrscheinlicher: Die ersten Uefa-Topleute wenden sich von ihm ab.

Sollte Platini keinen Vertrag präsentieren können, der die umstrittene Millionenzahlung der Fifa an den ehemaligen Profikicker aus dem Jahr 2011 rechtfertigt, „dann können wir ihn nicht mehr unterstützen“, sagte Allan Hansen, der dänische Vertreter im Uefa-Exekutivkomitee, der Zeitung „Ekstra Bladet“. Er äußerte offen Zweifel, ob die von Platini vorgebrachte Erklärung für die Überweisung stimmt.

Hansen kennt sich gut aus, der Funktionär sitzt auch im Prüfausschuss der Fifa. Die Wirtschaftsprüfer der KPMG, die die Bilanz der Fifa testieren, hätten aber nie etwas über eine solche Zahlung berichtet, was normalerweise der Fall hätte sein müssen, betonte der Däne.

Platini kann damit nicht einmal mehr die Spitze seines eigenen Verbands überzeugen. Laut Platini habe er die zwei Millionen Schweizer Franken im Jahr 2011 von der Fifa bekommen für seine Berater-Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002. Die Fifa sei damals in einer finanziellen Schieflage gewesen, daher seien seine Dienste erst so spät vergütet worden, so die Erklärung. Doch bis heute konnte Platini keinen Vertrag vorlegen, aus dem die Rechtmäßigkeit der Zahlung eindeutig hervorgeht. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hält die vom inzwischen suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter ausgelöste Zahlung für „treuewidrig“ und stufte Platini zur „Auskunftsperson“; das ist ein Status zwischen einfachen Zeugen und „Beschuldigten“.

Angesichts der mauen Erklärungsversuche für die Zahlung bröckelt Platinis Rückhalt in der Uefa ganz gewaltig. Zunächst hatte das Exekutivkomitee, also das oberste Entscheidungsgremium, auf Drängen Platinis darauf verzichtet, einen Interims-Präsidenten für den europäischen Fußballverband zu benennen. Wegen einer vergangenen Woche ausgesprochenen Fifa-Sperre darf der Franzose sein Uefa-Amt für zunächst 90 Tage nicht ausüben.

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