Fifa-Urteil Gnade für Blatter!

Die Ethikhüter der Fifa haben die Ära Blatter beendet. „Richtig so!“ heißt es vielerorts. Dabei hat auch der gesperrte Fifa-Präsident eine faire Beurteilung verdient. Die Welt verweigert sie ihm jedoch. Ein Kommentar.
10 Kommentare

Blatter: „Acht Jahre gesperrt - wofür?“

Acht Jahre Sperre für Sepp Blatter und Michel Platini? Für den 79jährigen Blatter bedeutet das vielleicht „lebenslang“. Das „Richtig so!“ zu diesem Urteil der Fifa geht uns aber viel zu schnell über die Lippen.

Auch ein Sepp Blatter hat einen fairen Prozess verdient. Dazu gehört: Für Blatter gilt die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist. Und das ist es bisher nicht. Der Druck, den seine Gegner entfachen und damit diese Grundregel jedes Rechtsstaates einfach ignorieren, ist beschämend.

Der Vorverurteilte hat auch eine Habenseite auf seinem Lebenskonto. Als Blatter 1998 an die Spitze der Fifa gelangte, saß der Verein auf 20 Millionen Franken Schulden. Inzwischen sind daraus 1,5 Milliarden Dollar Plus geworden.

Das ist eine unternehmerische Leistung, für die wir jedem anderen Unternehmenschef auf die Schulter klopfen würden. Blatter hat Länder in seine Organisation geholt, die anderswo am Katzenzisch sitzen.

Vertreter aus Afrika, aus Asien, aus Südamerika haben den Einfluss gewonnen, der ihnen zusteht. Klar, dass diejenigen, die deswegen an Einfluss verloren haben, sauer sind: Deutschland zum Beispiel.

Blatter hat den Verein Fifa in Höhen geführt, die ohne ihn nicht zu erklimmen gewesen wären. Regierungschefs, Kirchenführer, Filmstars: Sie alle ließen sich nur zu gern mit dem charmanten Chef der weltgrößten Nicht-Regierungsorganisation ablichten. Bis die Amerikaner kamen.

Der Umgang mit Blatter ist beschämend!

Natürlich hat der Mann in seiner 17-jährigen Laufbahn an der Spitze des Weltfußballverbandes Fehler gemacht. Er hat vor offensichtliche Korruption in seinen eigenen Reihen die Augen geschlossen. Er hat sich nicht glaubwürdig als Vorreiter für Transparenz inszeniert – nur: Er sah dafür auch keine Veranlassung: Die Fifa hantiert weder mit dem Geld von Steuerzahlern noch von Anlegern.

Ich bin der Meinung: Die Ära Blatter ist vorbei. Sie ist es in Wahrheit schon seit zwei, drei Jahren. Sepp Blatter ist ein Patriarch, der sein Lebenswerk nicht aus der Hand geben will. Er ist stur und beim Festhalten an scheinbar Bewährtem unterlaufen ihm Fehler. Ein Ferdinand Piëch oder eine ehemalige Größe wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer hätten für diese Schwäche in einer stillen Stunde vermutlich Verständnis.

Als Spieler nur Amateur, als Funktionär ein wahrer Profi
Herkunft und Ausbildung
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Josef „Sepp“ Blatter wurde am 10. März 1936 im Schweizerischen Visp geboren. An der HEC Lausanne studierte Blatter Volkswirtschaftslehre und schloss das Studium 1958 mit dem Diplom ab.

Fußballkarriere
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Blatter spielte selbst aktiv Fußball, von 1948 bis 1971. Dabei reichte es für ihn allerdings nur bis in die höchste schweizerische Amateurliga. Danach begann er jedoch schnell mit seinem Aufstieg als Funktionär.

Steiler Aufstieg als Funktionär
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Seine Funktionärskarriere startete Blatter zunächst abseits des Fußballs. Von 1959 bis 1964 war er Sekretär des Walliser Verkehrsverbandes, von 1964 bis 1966 Zentralsekretär des Schweizerischen Eishockeyverbandes und von 1966 bis 1968 Pressechef der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände. 1968 wechselte er in die Privatwirtschaft und arbeitete bis 1975 als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit des Schweizer Uhrenherstellers Longines. Während dieser Zeit kehrte er in den Fußball zurück: Von 1970 bis 1975 saß er im Vorstand des Fußballvereins Neuchâtel Xamax.

Die Karriere in der Fifa
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Im Sommer 1975 wurde Blatter auf Initiative des späteren Adidas-Vorstandsvorsitzenden Horst Dassler Direktor für Entwicklungsprogramme bei der Fifa. Als Fifa-Direktor hatte er sein Büro einige Jahre in der französischen Niederlassung von Adidas und wurde auch zeitweise von Adidas bezahlt. Von 1981 bis 1998 arbeitete er als Generalsekretär der Fifa. 1990 wurden ihm zusätzlich Befugnisse eines Exekutivdirektors übertragen. Danach ging es ganz nach oben.

Der Weg an die Spitze der Fifa
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Am 8. Juni 1998 wurde er als Nachfolger von João Havelange (r.) zum achten Präsidenten der Fifa gewählt. Er setzte sich gegen Uefa-Präsident Lennart Johansson mit 111 zu 80 Stimmen durch.

Zeit als Fifa-Präsident
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In einem Interview mit der schweizerischen Sonntagszeitung vom 18. Februar 2007 eröffnete Blatter, dass sich sein Jahresgehalt auf eine Million US-Dollar belaufe. Auf dem 57. FIFA-Kongress 2007 in Zürich wurde Blatterbis 2011 in seinem Amt bestätigt. Seine vierte Amtszeit besiegelte seine Wiederwahl am 1. Juni 2011. Sein Gegenkandidat Mohamed bin Hammam zog seine Kandidatur kurz vorher, am 29. Mai 2011, zurück. Danach kündigte Blatter wiederholt an, nicht für eine fünfte Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Das sollte sich allerdings noch rechtzeitig ändern.

Wiederwahl 2015
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Während des 64. Fifa-Kongresses im Juni 2014 in São Paulo kündigte Blatter seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Mai 2015 an. Michael van Praag, Präsident des Niederländischen Fußballverbands, und der portugiesische Ex-Fußballer Luís Figo zogen ihre Kandidatur vor der Wahl zurück. Am 29. Mai 2015 wurde der 79-jährige Blatter trotz der Verhaftung mehrerer Exekutivmitglieder nur Tage vor der Wahl für eine weitere Amtsperiode als Präsident bestätigt, nachdem sein Gegenkandidat bin al-Hussein nach dem ersten Wahlgang seinen Rückzug erklärte. Im ersten Wahlgang holte Blatter 133 von 206 gültigen Stimmen. Erst wenige Tage zuvor war die Fifa wegen Korruption in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt: Auf Antrag der US-Justiz wurden mehrere Fifa-Funktionäre verhaftet. Aufhalten konnte dies Blatters Wiederwahl nicht.

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10 Kommentare zu "Fifa-Urteil: Gnade für Blatter!"

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  • Die FIFA läßt sich die WM vom Veranstalter vor Ort bezahlen und kassiert alle Gewinne steuerfrei. Blatter agiert also sehr wohl mit Steuergeldern, aber so geschickt, daß selbst das Handelsblatt es nicht merkt.

    Blatter ist indirekt auch für die Menschenrechtsverletzungen auf den Baustellen in Katar verantwortlich. Wenn er es nicht weiß, dann nur deswegen, weil er die Kunst des Wegguckens perfekt beherrscht und er ist feige, weil er das Thema nicht öffentlich macht. Er hätte die Möglichkeit, aber es interessiert ihn nicht. Er ist der Sonnenkönig und das Elend des einfachen Volks ist nicht seine Welt (anders als beim echten Sonnenkönig Louis XIV)

    8 Jahre Sperre sind zu wenig, 8 Jahre Haft nach Verurteilung durch ein ordentliches Gericht wäre besser.

  • "Die Fifa hantiert weder mit dem Geld von Steuerzahlern noch von Anlegern."

    Hallo, die Fifa hantiert mit immensen Summen von Steuergeld. In jedem Vertrag mit einem WM-Gastgeberland steht zuallererst mal drin, dass alle Einnahmen steuerfrei sind...

    Hinterlassen wird dann verbrannte Erde in Form von Stadionruinen, während der Reibach in die Schweiz wandert.

    Und die Exoten haben zu Recht an Einfluß gewonnen? Suchen Sie mal nach dem Einfluss von Herrn Warner et. al., oder zum Einfluss der Kataris... Steht der ihnen wirklich zu?

  • Tut mir Leid Herr Stock, aber ihr Kommentar verfängt überhaupt nicht, denn er greift viel zu kurz!
    Sie schreiben selbst, dass Blatter den "Verein" in Höhen geführt hat... Ist es die Aufgabe eines Vereins Millionengewinne zu machen? Oder anders gefragt, ist die FIFA ein Verein oder nicht doch eher ein Sportvermarktungsunternehmen wie z.B. die Dorna o.ä.? Ich denke die Antwort darauf ist ziemlich eindeutig und das wissen Sie auch. Unter dem Deckmäntelchen des "Vereins" werden Millionen am Fiskus vorbei gescheffelt die sich Blatter und seine Kumpanen in die Taschen stecken. Ein krasseres Beispiel von Gewinne internalisieren und Kosten externalisieren fällt mir spontan nicht ein.
    Im übrigen steckt im Endeffekt auch Steuerzahlergeld drin. Quasi über den Umweg der GEZ Gebühr (letztlich eine verappte Steuer). Wenn sich ARD und ZDF die Fernsehrechte zig Millionen kosten lassen verdient Blatter letztlich doch an meinem sauer verdientem Geld, auch wenn ich keinerlei (überteuertes) Merchandising kaufe.
    Es mag wohl sein, dass hier auch eine mediale Hexenjagd stattfindet. Mein Mitleid mit Hr. Blatter hält sich aber arg in Grenzen. Der hat doch seine Schäfchen längst im trockenen und macht sich halt nen netten Lebensabend...

  • Acht Jahre Sperre für Blatter ?

    Acht Jahre Haft für Blatter hätte mir besser gefallen !

    Solche Mafiosi gehören in den Knast. Nach außen das Unschuldslamm miemen und zutiefst corrupt sein.

    Das geht doch nicht, Joseph ...

  • (...)

    Was mir noch auffällt: Wer hat denn das (...) Bild von Blatter ausgewählt? Solche unvorteilhaften Fotos kennt man bei HB-online sonst nur von AfD-Politikern.

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Seien Sie bitte tolerant! Intergrieren Sie auch diejenigen Personen welche sozial benachteiligt sind und mit Schimpfwörtern aufgewachsen sind.
    Kriegsdienstverweigerer, 4-fach Geschiedene, sexuell Abnorme, alle integrieren;

    NEIN zu Repräsentanten des Deutschen Volkes machen.

  • Wozu die Aufregung?
    Das Volk verhilft Vereinen wie der Formel1 und Fifa zu exorbitanten Gewinnen. Zahlen hohe Eintrittsgelder, akzeptieren die GEZ und wünschen (Deutschen?) Sportlern die sich vor der Steuer drücken alles Gute. Das alles mit dem Segen von oberster Stelle. "Gute Genesung Michael Schumacher" wünschte eine gewisse Dr. Merkel.
    Daher: Das Volk hat es gewollt. Das Volk hat es bekommen.

  • Wie sagt der Volksmund:
    Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
    Übrigens Herr Gabriel:
    Hier wäre die Bezeichnung Pack durchaus angebracht.
    Aber Sie haben diese Vokabel ja schon anderweitig mißbraucht.

  • Gnade für Blatter !

    WARUM ?

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Blatter hat den Verein Fifa in Höhen geführt,"

    in die ein Verein nicht gehört. Blatter und seine "Mitstreiter" waren und sind völlig abgehoben. Die Fifa und ihre Ethikhüter sind kein staatliches Gericht, vor dem die Unschuldsvermutung gilt. Vereinsgremien, in letzter Konsequenz die Mitglieder, können einen Vorstand sogar ohne Gründe abberufen. Die finanzielle Entwicklung der Fifa und des Fussballsports insgesamt sehe ich eher negativ. Wenn das alles noch nachvollziehbar wäre, ginge es ja vielleicht noch. Wenn jedoch Millionenzahlungen fließen, ohne das es dafür wirkliche Nachweise gibt, ist das sehr bedenklich. Dafür soll ein Vorstand keine Verantwortung haben?

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