„Financial Fairplay“
Uefa zieht harten Finanzkurs durch

Europas Fußballwelt glitzert. Aber unter der dünnen Schicht steckt bei vielen Vereinen ein undurchdringlicher Finanz-Sumpf. Und diesen Sumpf will die Uefa jetzt trocken legen. Allen voran: Michel Platini.

KölnMichel Platini hat einen starken Willen. Als Fußballer erlitt er diverse Gehirnerschütterungen, er brach sich mehrfach Arme und Beine. Trotzdem wurde er einer der besten Spieler, die Frankreich je hervorgebracht hat. Der härteste Test steht ihm noch bevor: Als Präsident des europäischen Fußballverbands Uefa hat er Korruption, Spielmanipulationen und der Verschuldung den Kampf angesagt. Bei der Auslosung der Champions-League-Gruppen in Monte Carlo vor zwei Wochen sparte er nicht mit harten Worten: "Es leuchten viele rote Warnlampen", sagte der Franzose. "Setzt sich der Trend fort, riskiert der Profifußball den Ruin. Wir ziehen die Sache jetzt knallhart durch."

Die Sache - damit meint Platini sein großes Reformwerk: die Financial-Fair-Play-Regeln. Sie sollen den Fortbestand des Fußballs sichern. Das Prinzip: Vereine dürfen künftig nicht mehr ausgeben als sie einnehmen. Reichen Mäzenen ist es nicht mehr erlaubt, Verluste aus dem Privatvermögen auszugleichen. Die Zeit drängt: Noch nie waren Europas Klubs derart in den Miesen, allein im mit vier Milliarden Euro verschuldeten spanischen Profifußball stehen 15 Vereine unter Insolvenzrecht. Der niederländische Verband stellte zuletzt 14 Vereine wegen Finanzproblemen unter seine Aufsicht. Selbst im reichen England ging vergangenes Jahr mit Portsmouth erstmals ein Erstligist pleite.

Nebenabsprachen mit den Stars

Setzt Financial Fair Play dem grenzenlosen Schuldenmachen ein Ende? Die Experten sind sich einig, dass die Uefa allemal auf dem richtigen Weg ist. Was die Effektivität der Regeln angeht, überwiegt jedoch die Skepsis. "Es gibt genug Mittel und Wege, wie man die Fair-Play-Regeln umgehen kann", sagt Gerhard Schewe, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Münster. "Bei Verträgen mit Stars wie Cristiano Ronaldo gibt es so viele Nebenabsprachen, die gar nicht über die Vereine laufen müssen - das kann die Uefa alles kaum kontrollieren."

Wolfgang Maennig, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Hamburg, erwartet, dass das Regelwerk immer wieder überarbeitet werden muss. Er vergleicht die Uefa-Regeln mit den Eigenkapitalrichtlinien für Banken: "Auf Basel I folgte Basel II, jetzt kommt Basel III", sagt er. "Jede Regulierung hat sofort ihren Umgehungstatbestand, das ist eine eiserne Regel. Das ist so bei der Versteuerung von Zinseinkünften von Deutschen in der Schweiz, das zeigt sich auch beim stark reglementierten amerikanischen Profisport. Und das wird auch beim Financial Fair Play so kommen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%