Finanzblase im Fußball
„Ruinöser Wettbewerb mit irrationalen Übertreibungen“

Im Fußball schießen Gehälter und Ablösesummen in irrwitzige Höhen. Vernunft spielt keine Rolle mehr. Kritiker sehen Spekulationswellen und fragen: Wann platzt die Blase? Ein Sportökonom warnt vor neuer Ungerechtigkeit.

Professor Eike Emrich lehrt Sportökonomie und Sportsoziologie an der Universität des Saarlandes. 2015 hat er den Aufsatz „Falsches Spiel im Sport“ veröffentlicht, in dem es um Wettbewerbsverzerrungen geht.

Herr Professor Emrich, eine Handvoll Klubs, oft mit reichen Sponsoren, dominiert den Fußball in Europa. Bleibt der Rest auf der Strecke?
Die Fifa hat mit der Saison 2011/2012 das Financial Fairplay eingeführt. Das soll, einfach gesagt, Einnahmen und Ausgaben der Klubs in Einklang bringen und den Einfluss von Großinvestoren zurückdrängen. Das Problem ist jedoch, dass der englische Fußball über derart hohe Mittel aus der Vergabe von Fernsehrechten verfügt, dass die Klubs im restlichen Europa wieder Investoren brauchen, um konkurrenzfähiger zu werden. 

Was kann man dagegen tun?
Wahrscheinlich werden die Regeln des Financial Fairplay gelockert. Zum Glück schießt das meiste Geld nicht immer am meisten Tore, Fußball ist eben im Ergebnis auch zufallsabhängig. 

Fairplay bei den Klubfinanzen wird es also nie geben?
In vollem Umfang wohl eher nicht. Die Regeln für Financial Fairplay werden aktuell wieder aufgeweicht, wohl um Konkurrenzfähigkeit mit der Premier League herzustellen. Das sieht man an Paris SG, wo jetzt doch wohl katarisches Geld zugelassen wird. Eine Strafe der Uefa hat es jedenfalls nicht gegeben.

Schafft dies nicht neue Ungerechtigkeiten?
Vermutlich ja. Paris SG zahlt keine Strafe und geht mit einem relativ großen Defizit in die nächste Saison, das mit großzügigem Geld großer Kapitalanleger ausgeglichen werden soll. Kein Wunder, dass Spielergehälter und vor allem Transfersummen schon wieder in die Höhe schießen, Spielervermittler sich die Hände reiben und sich das Buhlen um Kapitalanleger verstärkt. 

Wenn mehr Geld im Umlauf ist, könnte die Bundesliga doch davon profitieren.
Sicher, aber dafür brauchen die Bundesligaklubs Investoren und/oder in Zukunft vermehrte Einnahmen aus der Vergabe von Fernsehrechten. Allerdings begrenzen in der Bundesliga engere Finanzvorschriften den Einfluss von großen Fremdkapitalanlegern, was wiederum deren Anreiz zu investieren wieder reduziert. 

Wie sollten die Klubs der Bundesliga auf die Finanzspirale reagieren?
Sie können hoffen, dass die Finanzblase aus der Vermarktung der Fernsehrechte in England 2019 platzt und parallel müssen sie auf steigende Einnahmen in diesem Bereich in Deutschland hinwirken, um die wettbewerbsverzerrende Differenz zu verkleinern. Unabhängig davon sollten sie weiter auf eigene Nachwuchsarbeit setzen.

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„Inflationär steigende Transfersummen“

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