Finanzen der Fußballklubs
Gute Schulden, schlechte Schulden

Nach dem Allianz-Deal steht Bayern München finanziell glänzend da. Doch Investoren sind nicht alles. Zusätzliches Geld beschaffen sich die Klubs von Mäzenen, Fans, Banken oder Rechtevermarktern. Manchmal gehen sie dabei ein hohes Risiko ein. Das kann sich aber auch auszahlen.
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13 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Bayer Leverkusen in der Bundesliga. Ein demütigend locker herausgespieltes 5:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals beim Hamburger SV am Mittwoch. Die nationale Fußballkonkurrenz fragt schon verzweifelt: Wer soll Bayern München noch stoppen – jetzt oder in den nächsten Jahren?

Es wird schon noch Niederlagen geben – und titellose Jahre. Davon zumindest geht Karl-Heinz Rummenigge aus, der Vorstandschef der Bayern. „Wir werden in den nächsten zehn Jahren nicht acht oder neun Mal deutscher Meister werden“, sagte er in der vergangenen Woche auf dem Branchenkongress „Spobis“. Wollte er eigentlich etwas anderes sagen? Nämlich: Wir werden in den nächsten Jahren zehn Mal Meister.

Die Vorgabe für den Klub heißt laut Rummenigge jetzt und in Zukunft: „Fußball bezahlbar spielen.“ Für die deutschen Konkurrenten muss das wie Hohn klingen. Denn ein Team, das der Umsatzkrösus der Liga bezahlbar findet, kann sich nicht einmal der wirtschaftlich härteste Verfolger Borussia Dortmund leisten. Im Ruhrgebiet muss man zuschauen, wie die Bayern mit Mario Götze und Robert Lewandowski das beste Personal wegkaufen.

Künftig wird der Profifußball für die Münchener noch etwas bezahlbarer. Dank einer am Dienstag vermeldeten Finanzspritze des Versicherers Allianz in Höhe von 110 Millionen Euro sind die Bayern nach eigenen Angaben ad hoc schuldenfrei – sie können ihr Stadion mit einem Schlag abbezahlen.

Die Allianz hält damit ebenso wie die schon früher eingestiegenen Konzerne Adidas und Audi 8,33 Prozent an der als AG ausgegliederten Profiabteilung. Man werde keinen Messi holen, sagte Rummenigge – und lieber in „Steine“ investieren – also ein neues Nachwuchszentrum.

Steine oder Beine – das ist die zentrale Frage, vor der alle Klubs stehen, wenn sie ihre Finanzpläne machen. Sie müssen die Balance finden zwischen Investitionen in die Zukunft und solchen in den kurzfristigen sportlichen Erfolg, den die Fans fordern. Und sie müssen entscheiden, ein wie hohes Risiko sie dafür eingehen wollen.

690 Millionen Euro Schulden hatten die Klubs der ersten Bundesliga Ende der vergangenen Saison laut Deutscher Fußball Liga (DFL). Das muss nicht schlimm sein – wie das Beispiel Bayern zeigt. Es kann aber auch ernsthafte Probleme bereiten – wenn wie beim HSV, den 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken – die Handlungsfähigkeit der Klubchefs schwindet.

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