Finanzielle Gratwanderung
Gefahrenzone zweite Liga

Heute startet die zweite Fußball-Bundesliga. Absteiger wie Hertha BSC und 1. FC Köln sind finanziell angeschlagen, dürfen aber nicht zu sehr sparen. Denn das nur drei Jahre lang profitieren sie von ihrer Vergangenheit.
  • 0

FrankfurtIngo Schiller, Finanzchef bei Hertha BSC Berlin, hat eine aufreibende Zeit hinter sich. Nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf und dem darauf folgendem rechtlichen Scharmützel wusste der Vereinsmanager wochenlang nicht, ob er nun für die erste oder zweite Liga planen soll - ob er im kommenden Geschäftsjahr fast 50 Prozent weniger Umsatz macht, oder nicht. „Diese Ungewissheit war das Schlimmste“, sagt Schiller.

Schließlich entschied das Sportgericht gegen Berlin und der Verein musste absteigen. Das Budget der Hertha schrumpft in der kommenden Saison radikal: 50 Prozent weniger Sponsoren und Fernsehgelder, 30 Prozent weniger Zuschauereinnahmen. „So ein Abstieg ist finanziell eine unglaublich große Herausforderung für einen Verein“, sagt Schiller. Der Spieler-Etat der Hertha verkleinerte sich von 27 Millionen auf nur noch 13 Millionen Euro. Auch in der Geschäftsstelle sind künftig 14 Mitarbeiter weniger beschäftigt.

Solche harten Einschnitte sind keine Ausnahme: Der finanzielle Abstand zwischen den Ligen wächst. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Umsätze der ersten und zweiten Liga zwar beide verdoppelt, doch der absolute Abstand zwischen den  Profiligen ist dadurch deutlich gestiegen. Die neusten Zahlen aus dem Bundesligareport 2012 sind noch von der Saison 2010/ 2011: Danach machte die Bundesliga Umsätze in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die zweite Liga kommt gerade einmal auf 350 Millionen Euro. Die Vereine der zweiten Spielklasse sind außerdem weniger solide: Im Gegensatz zur ersten Liga waren mehr als die Hälfte der Klubs in den roten Zahlen.

Für die meisten Absteiger gibt es deswegen nur ein Ziel: den direkten Wiederaufstieg schaffen. Denn je länger man unten ist, desto schwieriger wird es, aus dem Sumpf der Zweitklassigkeit wieder herauszukommen. „Nach drei Jahren in der zweiten Liga wird es extrem schwierig wieder nach oben zu kommen“, sagt Henning Vöpel, Sportökonom am Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. Nach dieser Zeit verabschieden sich treue Sponsoren, die Zuschauer haben immer weniger Lust ins Stadion zu kommen.

Vor allem aber sinken die Anteile an den Fernsehgeldern, die sich auch nach Ligazugehörigkeit bemessen. Dabei sind gerade Zweitliga-Klubs durchschnittlich stärker auf die TV-Einnahmen angewiesen als die Vereine der ersten Spielklasse. Doch etwa 80 Prozent des Geldes gehen an die Erstliga-Klubs, die restlichen 20 Prozent müssen sich die Vereine der zweiten Liga teilen. Drei Jahre lang profitieren Absteiger noch von ihrer Zeit aus der ersten Liga, doch von Jahr zu Jahr wird der Bonus kleiner. Die Vorsaison wird noch dreifach gewertet, die Saison vor drei Jahren nur nur einfach. Dann ist der Puffer aufgebraucht.

Kommentare zu " Finanzielle Gratwanderung: Gefahrenzone zweite Liga"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%