Finanzkrise im spanischen Fußball
Spieler drohen zum Ligastart mit Streik

Die spanische Liga steht vor einer Krise: Fast alle Besitzer führen ihre Klubs grandios über deren Verhältnisse, bis nur noch der Konkurs bleibt. Die großzügige Rechtslage ermöglicht es den Klubs, Gehaltszahlungen zu umgehen. Die Kicker des Landes solidarisieren sich.

BERLIN. In den Arenen dieser Welt durchlebt der spanische Sport momentan seine goldene Epoche. Rafael Nadal hat Wimbledon gewonnen, es gibt iberische Stars in fast jeder wichtigen Sportart, und selbst die Fußballer haben bei der EM ihre jahrzehntelange Titelflaute beendet. Alles in bester Ordnung also - würde es nicht dem allerliebsten Kind der Spanier ungleich schlechter gehen. Ihre Fußballliga sieht sich einer schweren Finanzkrise gegenüber. Noch ist unklar, ob ab dem 31. August wie geplant wieder der Ball rollen wird.

Seit Jahrzehnten sind Spaniens Fußballklubs, die großen wie die kleinen, horrend überschuldet. Keine gesetzliche Maßnahme konnte daran etwas ändern, auch nicht die von 1992, als alle Vereine außer Real Madrid, dem FC Barcelona, Athletic Bilbao und Osasuna verpflichtet wurden, sich in - nicht börsennotierte - Aktiengesellschaften umzuwandeln. Die feudalen Strukturen sind dennoch geblieben, fast alle Besitzer - oder Mehrheitsaktionäre - führen ihre Klubs grandios über deren Verhältnisse. Die Drohung, den Saisonstart zu boykottieren, kommt denn auch nicht von ihnen. Sondern von den Spielern, die eine Änderung des Konkursrechts fordern. Ansonsten werde zu Ligabeginn gestreikt.

Das Konkursrecht nämlich ist der größte Verbündete der Geldvernichter in den Vorstandsetagen. Nach einer 2004 eingeführten Novelle bekommen kriselnde Unternehmen bis zu 50 Prozent ihrer Schulden erlassen und können den Rest der Verbindlichkeiten über einen Zeitraum von fünf Jahren abbezahlen. Die Entschädigungen für die Angestellten können auf 20 Tagessätze eines Jahresgehalts reduziert werden.

In der Fußballpraxis bedeutet das: Die Klubs machen so lange Schulden, bis ihnen nur die Anmeldung des Konkurses bleibt. Ein lokaler Richter, der ihren Antrag bewilligt, findet sich immer. Unter den großzügigen Rahmenbedingungen des Gesetzes können sie sich dann in aller Ruhe sanieren, zumal die spanische Liga de Fútbol Profesional (LFP) bislang von Strafmaßnahmen wie etwa Zwangsabstieg abgesehen hat. Sporting Gijón und dem FC Málaga gelangen vorige Saison, obwohl im Konkursverfahren, sogar der Aufstieg in die Primera División. Ihnen gleich tun wollen es nun in den zwei jüngsten Fällen der mittlerweile sieben Vereine umfassenden Konkurs-Manie die vor einem Jahr abgestiegenen Traditionsklubs Celta Vigo (85 Mio. Euro Schulden) und Real Sociedad San Sebastián (rund 50 Mio.). Leider könne man seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, hieß es in Mitteilungen der Klubs.

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