Finanzprüfung
Trennung vom Sponsor bringt Union in Not

Union Berlin hat den Vertrag mit seinem Hauptsponsor International Sport Promotion (ISP) gekündigt, weil Aufsichtsratschef Czilinsky eine Stasi-Tätigkeit nachgewiesen worden war. Doch die Trennung bringt die Berliner nun in finanzielle Schwierigkeiten. Die Liga will die Bilanzen des Zweitliga-Spitzenreiters genauer unter die Lupe nehmen.

HB/BERLIN. Das Ende der Zusammenarbeit zwischen Zweitliga-Spitzenreiter Union Berlin und Hauptsponsor International Sport Promotion (ISP) ruft die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf den Plan. „Wir müssen uns anschauen, welche finanziellen Folgen die Kündigung hat“, sagte Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen und Lizenzierung, der „Berliner Morgenpost“. „Wir waren mit Union in ständigem Kontakt, weil der Hauptsponsor in der Darstellung seines Geschäftsfeldes Fragen aufgeworfen hat.“

Union Berlin hatte am Montag den Vertrag, der dem Klub bis 2014 zehn Mio. Euro einbringen sollte, wegen der Stasi-Vergangenheit des ISP-Aufsichtsratschefs Jürgen Czilinsky aufgelöst. Die „strategische Partnerschaft“ war erst 60 Tage zuvor verkündet worden. Zwei Mio. Euro sollte Union für seinen Saisonetat von aktuell 12,2 Mio. jährlich vom neuen Hauptsponsor erhalten. Das Geld fehlt nun – schon beim Testspiel heute gegen Rekordmeister Bayern München (18.30 Uhr/live im DSF) sollen die Trikots der Spieler nicht mehr den Schriftzug ISP tragen, sondern einen Spruch, den der Verein noch geheim hält.

Als Erster machte am Montag der gekündigte Hauptsponsor ISP die Trennung öffentlich. Eine Stunde später bestätigte dies der Verein in einer Erklärung. Als Grund für die Trennung gab der Klub „falsche Angaben des Vertragspartners“ an. „Eine weitere Zusammenarbeit war auch unter Berücksichtigung der rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen für den Verein nicht möglich“, sagte Präsident Dirk Zingler.

Der Spielbetrieb des Vereins in der laufenden Saison bleibt unberührt, da die im Lizenzierungsverfahren eingereichte Etatplanung den ISP-Vertrag nicht beinhaltete. Dennoch muss der Verein schnell einen neuen Trikotsponsor finden, um nicht in finanzielle Probleme zu geraten. Ein ähnlich hohes Angebot wie von ISP ist aber kaum zu erwarten.

Der 51 Jahre alte frühere Stasi-Hauptmann Czilinsky hatte am Montag seinen Rücktritt als ISP-Aufsichtsratschef erklärt, um einen Imageschaden vom Verein abzuwenden. Der 1. FC Union, der sich zu DDR-Zeiten als Alternativ-Verein zu dem vom Ministerium für Staatssicherheit geführten BFC Dynamo sah, handelte schnell – auch im Sinne der Fans: Sie hatten sich gegen eine Zusammenarbeit mit dem Ex-Stasi-Offizier gewandt.

Die ISP ist in Adschman eingetragen, eines von sieben Scheichtümern der Vereinigten Arabischen Emirate. Aus der Lizenz geht hervor, dass ISP-Geschäftsführer Dieter Fietz sämtliche Anteile des Unternehmens hält. Die ISP hat ihren Sitz im 30 Kilometer von Adschman entfernten Dubai. Dort ist die Firma in die Finanzierung und den Bau eines Sportthemenparks eingebunden. Zu den Tätigkeitsfeldern der hinter der ISP stehenden Firmengruppe gehören Umwelt-Management, Rohstoff-Erschließungen und regenerative Energien in Arabien und Afrika.

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