Fluggesellschaften werben mit Stars
Mit dem Flieger zum Auswärtsspiel

Spitzen-Fußballvereine legen jährlich mehrere tausend Kilometer zurück, um bei internationalen Spielen anzutreten. Viele Fluggesellschaften bieten den kostspieligen Transport quasi umsonst an – gegen Werbung.
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KölnDem FC Barcelona ist es zu bunt geworden. Im September bat der katalanische Topklub seine Haus-und-Hof-Fluggesellschaft Turkish Airlines, kein männliches Kabinenpersonal mehr einzusetzen. Die Herren wären zu aufdringlich mit Trikot- und Autogrammwünschen und würden den Spielern keine Ruhe lassen. Seitdem bedienen auf den Flügen zu Auswärtsspielen der Mannschaft nur noch Stewardessen. Die Spieler sollen sich schließlich entspannen.

Gerade in den internationalen Wettbewerben ist es für die Vereine ohnehin schwer genug, für eine stressfreie Vorbereitung und Ruhe zu sorgen. Die Spieler müssen in den sogenannten Englischen Wochen innerhalb von wenigen Tagen drei Spiele bestreiten, häufig an drei verschiedenen Orten. Busreisen verbieten sich schon aus Zeitgründen – besonders, wenn wie in dieser Champions-League-Hinrunde der FC Barcelona bei Spartak Moskau antreten muss.

Flüge schaffen Abhilfe, fallen aber finanziell ins Gewicht, wenn es mehrmals im Monat mit Mannschaft und Betreuerstab durch den europäischen Luftraum geht. Doch viele Profimannschaften können sich diese Ausgaben sparen: Airlines schmücken sich nur zu gerne mit den Stars.

„Wenn ein Verein einer Fluggesellschaft seine Mannschaft anvertraut, ist das ein öffentlichkeitswirksamer Beleg für Sicherheit und Zuverlässigkeit“, sagt Philipp Hasenbein, Geschäftsführer des Sportrechtevermarkters Sportfive. Damit ließe sich durchaus werben.

Das macht beispielsweise Condor. Der Ferienflieger fliegt seit diesem Jahr den FC Schalke 04, wirbt im Gegenzug in der Veltins-Arena und darf Gewinnspiele veranstalten. Barter-Geschäft nennt sich dieser Tausch Leistung gegen Werbung.

Als Richtgröße gilt, dass die Deals mindestens einem Gegenwert von 100.000 Euro entsprechen. Bei Top-Klubs auch mehr. Hasenbein hält die Deals für lohnenswert: „Es ist lukrativ für Vereine, einen eigenen Carrier zu haben, da sie so große Teile ihrer Reisekosten sparen können.“

Der Deutsche Meister setzt dennoch auf eine andere Strategie: Borussia Dortmund hat keinen Deal mit einer Fluggesellschaft, sondern chartert Maschinen, wenn es zu Auswärtsspielen in entfernte Städte geht. Die Trips organisiert allerdings das offizielle Reisebüro des Vereins, best-travel.de, so dass auch der BVB seine Kosten gering halten kann.

Für Airlines dürfte der in den vergangenen Jahren immer relevanter werdende Verein aber allemal ein interessanter Sponsoringpartner sein – zumal die Reise-Verträge häufig Kern der Sponsoring-Strategie der Fluggesellschaften sind. Das zeigt auch der Deal zwischen der Lufthansa und der deutschen Nationalmannschaft: Die Spieler waren auf dem Weg zur WM 2010 in Südafrika die ersten, die mit dem neuen Flagschiff des Konzerns, dem Airbus A380, fliegen durften.

Ähnlich werbewirksam war das Foto von der Rollbahn des Frankfurter Flughafens, als das Team als Drittplatzierter zurückkehrte. Aus dem Cockpit des Jumbos wehten zwei Deutschland-Flaggen – und das blau-goldene Banner der Fluggesellschaft.

 
Malte Laub
Malte Laub
/ Freier Wirtschaftsjournalist

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