Focus-Bericht
Schalker Vorstand verdächtigt Assauer als Maulwurf

Noch am Wochenende drohte Rudi Assauer als Antwort auf einen Medienbericht über das königsblaue Finanzchaos mit Regressforderungen. Doch die vertraulichen Informationen soll Schalkes Manager selbst weitergegeben haben. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies spricht angeblich bereits von „Vertrauensbruch“ und möglichen Konsequenzen.

HB GELSENKIRCHEN. In der Finanzaffäre des Fußball- Bundesligisten FC Schalke 04 ist Manager Rudi Assauer in Verdacht geraten, vertrauliche Informationen an das Nachrichtenmagazin „Focus“ weitergegeben zu haben. Der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies sprach laut Medienberichten am Montag von einem „Vertrauensbruch“ und möglichen Konsequenzen, falls sich der Verdacht bestätige. In einer Sitzung am Montag besprach der 62 Jahre alte Manager, der seit dem 1. April 1993 im Amt ist, mit seinen Vorstandskollegen Gerhard Rehberg (Vorsitzender), Josef Schnusenberg (Finanzvorstand), Geschäftsführer Peter Peters und Teammanager Andreas Müller die Lage. Stellungnahmen zu den neuen Vorwürfen und Verdächtigungen gab es zunächst nicht.



Assauer hatte am Sonntag bestätigt, sich am 7. Mai im Privathaus des Generalbevollmächtigen des Schalke-Sponsors Veltins, Michael Huber, mit „Focus“-Reportern in der Nähe von Düsseldorf getroffen zu haben. Bei den Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern kam deshalb der Verdacht auf, Assauer habe bei diesem Gespräch vertrauliche Informationen über die Geschäfte und die Finanzsituation des Vereins weitergegeben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies drohte mit Konsequenzen, sollte sich der schwer wiegende Verdacht erhärten. „Das ist ein dramatischer Vertrauensverlust, wenn Assauer zusammen mit Huber den Verein verraten hat“, sagte Tönnies der „Westfälischen Rundschau“ (Montag-Ausgabe). Auch im Fachmagazin „kicker“ stellte der Fleischfabrikant aus Rheda-Wiedenbrück die weitere Zusammenarbeit mit Assauer, der am 1. August das Präsidentenamt übernehmen soll, in Frage. Man müsse dann „in den Gremien prüfen, ob eine weitere Zusammenarbeit noch möglich sei“.

Die Lawine war durch eine Vorabmeldung des Magazins „Focus“ am Samstag losgetreten worden. In dem am Montag erschienenen Bericht unter dem Titel „Klamme Knappen“ wird die Finanzsituation der Schalker ausführlich beleuchtet, werden Einzelheiten beschrieben und interne Zahlen genannt. Es wird pauschal behauptet, der Club stünde seit längerem am „Rande der Zahlungsunfähigkeit“. Teile der Veröffentlichungen hatte Schalke schon während des Bundesligaspiels gegen Stuttgart als „falsch“ zurückgewiesen, aber auch einige Kernpunkte bestätigt.

So gab Finanzchef Schnusenberg unter anderem zu, dass der Club durch Privatkredite von Tönnies (4,7 Millionen Euro), dem Unternehmer Karl-Heinz Beul (3,0) und Assauer (0,5) in Höhe von insgesamt 8,2 Millionen Euro zeitweilig „Liquiditätsengpässe“ überbrücke oder überbrückt habe. Eine Insolvenz drohe laut Schnusenberg aber nicht: „Wir sind nicht pleite.“

Am Montag wurden weitere Details bekannt. So soll Assauer auf Wunsch Hubers versucht haben, den Sponsoren-Chef in den Schalker Aufsichtsrat zu hieven. Dies hätten die Schalker Gremien aber abgelehnt. Weiter hieß es, Assauer habe gegenüber Vertrauten energisch bestritten, der „Maulwurf“ zu sein. Der „Focus“ habe bereits alles gewusst und Assauer bei dem Treffen, an dem auch ein Rechtsanwalt teilnahm, lediglich mit den Einzelheiten und Zahlen konfrontiert, damit er sie bestätige oder dementiere. Sollte Assauers Darstellung zutreffen, hätte ein anderer Insider das Nachrichtenmagazin mit Informationen „gefüttert“ und den Verein in eine äußerst unangenehme Lage gebracht. Bereits am Samstag hatte Assauer angekündigt, den Verleumder zu suchen und „Regressansprüche“ zu stellen. Tönnies, der im Januar Assauers „Versetzung“ ins Präsidentenamt maßgeblich vorangetrieben hatte, soll daraufhin getobt haben: „Das ist an Verlogenheit nicht zu überbieten. Das ist der größte Hammer, den ich je gehört habe.“

Er habe immer gesagt, dass der Club sparen müsse, wenn Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb ausblieben. „Aber unsere Finanzplanung ist langfristig. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um unsere finanzielle Situation.“ Nach zwei „katastrophalen Jahren“ (Schnusenberg) mit hohen Verlusten wies der Verein in der Bilanz 2005 einen Rekordumsatz von 132 Millionen Euro und einen Gewinn von 1,4 Millionen Euro aus. „Wenn wir in den nächsten Jahren einen Umsatz von etwa 110 Millionen Euro erzielen, ist der Haushalt ausgeglichen“, so Schnusenberg.

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