Folgen der Finanzkrise
Von den Beinen geholt

Die englische Fußballliga gerät ins Abseits. Viele Vereine sind in den Händen von Tycoons und Oligarchen aus der Finanzwelt - und die werden zurzeit heftig von der Kreditkrise gebeutelt.

LONDON. Eine kurze Drehung, dann der Schuss aus dem Fußgelenk, gar nicht mal besonders hart, aber sehr platziert - eine Sekunde später zappelt der Ball im Netz hinter dem bedauernswerten Torhüter. Es ist das 3:0 des englischen Meisters Manchester United gegen den schottischen Konkurrenten Celtic Glasgow in der europäischen Champions League, und wieder einmal hat Wayne Rooney zugeschlagen. Am Dienstagabend lieferte der Stürmer, dessen Statur und Physiognomie manche an eine englische Bulldogge erinnert, eines jener kleinen Kunststücke ab, die die englische Premier League zur teuersten, lukrativsten und besten der Welt gemacht haben.

Doch so richtig freuen konnten sich die Fans nicht. Nach dem Spiel, in den umliegenden Pubs, war vor allem auch die Zukunft der Liga Gesprächsstoff. "Wie lange geht das noch gut", war eine häufig gestellte Frage am Tresen. Noch regiert die Premier League dank der Großzügigkeit russischer Oligarchen wie etwa Roman Abramowitsch, amerikanischer Milliardäre und arabischer Scheichs die Fußballwelt. Aber die Clubs sind bis über beide Ohren verschuldet, und immer öfter geraten ihre reichen Spender in den Sog der Finanzkrise.

Und so fürchtet nicht nur der Präsident des englischen Fußballverbandes, dass nach der Kreditblase auch bald die Fußballblase platzt.

Lord Triesman ist ein gemütlich wirkender Herr mit grauen Haaren, gern verhält er sich britisch "distinguiert." Wenn es um das Finanzgebaren im britischen Profifußball geht, kann er aber schon mal alle Zurückhaltung fahrenlassen. Ausgerechnet die Stamford Bridge, das Heim von Abramowitschs FC Chelsea, hat sich Triesman, Chef des Fußballverbandes FA, für seine Generalabrechnung ausgesucht: "Viele Vereine in unserer Spitzenliga können ihre wirtschaftliche Zukunft kaum mehr selbst steuern, weil die Kreditgeber der Clubs von den Folgen der Finanzkrise gebeutelt werden", klagt er auf einer Fachtagung vor Fußball-Managern. Einen Schuldenberg von drei Milliarden Pfund hätten die britischen Proficlubs aufgehäuft.

Tatsächlich wird nirgends so viel Geld für die talentiertesten Spieler und die abgebrühtesten Trainer ausgegeben wie in der Premier League. Gerade erst hat sich Scheich Sulaiman Al-Fahim den Traditionsverein Manchester City gegönnt. Für 210 Millionen Pfund kaufte der Milliardär aus Abu Dhabi den Club dem wegen Korruption angeklagten früheren thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra ab. Als Antrittsgeschenk spendierte der Scheich gleich den brasilianischen Ballkünstler Robinho für schlappe 40 Millionen Euro. "Wir werden Manchester City zum größten Klub der Welt machen, größer als Real Madrid und Manchester United", tönt Al-Fahim seither, und angesichts des märchenhaften Reichtums der Königsfamilie aus dem Ölscheichtum wirkt selbst Abramowitsch finanziell wie eine kleine Nummer.

Vor fünf Jahren kaufte sich der russische Milliardär den FC Chelsea und pumpte bis heute mehr als 550 Millionen Pfund in sein Hobby. Beim Spitzenclub Manchester United hat seit drei Jahren der amerikanische Sportunternehmer Malcolm Glazer das Sagen. 1,5 Milliarden Dollar ließ sich der Investor aus Florida den Club kosten.

Zumindest sportlich scheint sich der Ausverkauf an die Tycoons und Oligarchen aus der Finanzwelt auch zu rechnen. In den vergangenen beiden Jahren sicherte sich Manchester den Meistertitel, davor war Chelsea an der Reihe, und in der vergangenen Saison machten Glazer United und FC Abramowitsch den Gewinn der Champions League unter sich aus.

Richard Scudamore, der Chairman der Premier League, hält die Bedenken von FA-Boss Triesman deshalb auch für absurd, genau wie die Ankündigung der Uefa, die prüfen will, ob hochverschuldete Clubs nicht mehr zur Champions League zugelassen werden sollen.

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