Folgen des Betrugsskandals
Italiens Fußball jetzt zwangsverwaltet

Der italienische Fußball-Verband ist am Dienstag im Zuge des Skandals um angeblich abgekartete Liga-Spiele unter eine Notverwaltung gestellt worden. Nach dem Rücktritt von Präsident Franco Carraros übernahm der Wirtschaftsfachmann Guido Rossi am Dienstag den Posten kommissarisch.

HB ROM. Der 75-jährige ehemalige Chef der italienischen Börsenaufsicht Consob kündigte an, neue Regularien einzuführen, um im Profi-Fußball aufzuräumen. „Wir brauchen neue Regeln, die zur Abschreckung dienen und ernste Sanktionen umfassen“, sagte Rossi vor Journalisten. Er wird den Verband zunächst für sechs Monate leiten. Das Mandat kann aber verlängert werden.

Die Aktie des frisch gebackenen Meisters Juventus Turin wurde am Dienstag nach einem erneuten massiven Kurseinbruch wie schon zu Wochenbeginn vom Handel ausgesetzt. Die Papiere verloren kurz nach Handelsstart über zehn Prozent an Wert und kosteten nur noch 1,56 Euro. Juve steht im Mittelpunkt des Skandals. Sollten sich die Vorwürfe um manipulierte Spiele als richtig herausstellen, droht dem Verein die Aberkennung der am Sonntag gewonnenen 29. Meisterschaft und der Zwangsabstieg. Das wiederum könnte den Verlust von Sponsorengeldern und Fernseh-Einnahmen in Millionenhöhe bedeuten.

Insgesamt laufen Ermittlungen gegen 41 Personen, darunter Schiedsrichter, Funktionäre und Vereinsvertreter. Neben Juve sind auch die Erstliga-Klubs AC Mailand, Lazio Rom und der AC Florenz ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Am Dienstag wurde eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten im italienischen Fußball befragt, darunter AC-Mailand-Trainer Carlo Ancelotti und Inter-Mailand-Trainer Roberto Mancini. Auch der ehemalige Top-Schiedsrichter Pierluigi Collina sollte noch befragt werden. Gegen keinen der drei werde aber ermittelt, betonten die Fahnder.

Ausgelöst wurde der Skandal durch abgehörte Telefonate des Ex-Juve-Generaldirektors Luciano Moggi. Diese bieten ziemlich deutliche Hinweise auf Spielmanipulationen. Einen Tag nach seinem Rücktritt musste sich Moggi am Montag Fragen der Ermittler stellen. Nachdem Mitschriften der Telefonate vergangene Woche in die Öffentlichkeit gelangten, hatte bereits der gesamte Juve-Vorstand seinen Hut genommen.

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