Fontane-Stadt platzt aus allen Nähten
"Zivis" und Studenten wollen Bayern München ärgern

In Neuruppin scheinen die Fußballuhren anders zu ticken, denn das Ergebnis liegt nicht auf dem Platz, sondern im Tresor der Stadtwerke. Dort hat Vizepräsident Dietmar Lenz vom Oberligisten MSV Neuruppin einen Zettel mit seinem Tipp für das „Spiel des Jahres" am Sonntag (17.00 Uhr) gegen Rekordmeister Bayern München verstaut. Erst nach dem Abpfiff will der Geschäftsführer der Stadtwerke sein großes Geheimnis lüften.

In Neuruppin scheinen die Fußballuhren anders zu ticken, denn das Ergebnis liegt nicht auf dem Platz, sondern im Tresor der Stadtwerke. Dort hat Vizepräsident Dietmar Lenz vom Oberligisten MSV Neuruppin einen Zettel mit seinem Tipp für das "Spiel des Jahres" am Sonntag (17.00 Uhr) gegen Rekordmeister Bayern München verstaut. Erst nach dem Abpfiff will der Geschäftsführer der Stadtwerke sein großes Geheimnis lüften.

"Sonst habe ich im Vorfeld keine Ruhe", sagte der 49-Jährige. Zu oft hatte er in der Vergangenheit mit seinen Tipps richtig gelegen, so dass das Interesse an seiner Person und seiner Einschätzung zuletzt ausuferte. "Meine Voraussage ist begehrt. Wenn ich erneut richtig liege, kann ich mir eine Glaskugel kaufen und als Wahrsager arbeiten", sagte der Vizepräsident.

Bereits in der Halbzeitpause der Partie um den Einzug in die 1. Pokal-Hauptrunde gegen Liga-Konkurrent SV Babelsberg 03 hatte der 49-Jährige aufhorchen lassen. "Obwohl wir 0:1 hinten lagen, habe ich auf 2:1 getippt und am Ende richtig gelegen." Als es zur Auslosung der 1. Hauptrunde kam, bewies Lenz erneut den richtigen Riecher: "Wir bekommen die Bayern", hatte der 49-Jährige prophezeit.

Spiel vor über 30 000 Zuschauern in Berlin

Jetzt kommen die Bayern, und die Fontane-Stadt platzt aus allen Nähten. Um dem großen Besucherstrom gerecht zu werden, zogen die Brandenburger ins 80 km entfernte Berlin. Dort sollte zunächst Sonntag auch Oberligist Tennis Borussia Berlin sein Pokalspiel gegen Zweitligist VfL Bochum austragen. Erst ein Machtwort des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verhinderte, dass sich die Klubs die Berliner Zuschauer gegenseitig wegnehmen. Tebe spielt nun bereits am Samstag.

Auf ungewohntem Terrain im modernisierten Olympiastadion rechnet der aktuelle Tabellenzweite der Oberliga mit rund 30 000 Zuschauern. "Es ist unser Spiel des Jahres. Gegen die beste Mannschaft Deutschlands im größten Stadion des Landes. Mehr geht nicht", meinte Neuruppins Trainer Christian Schreier.

Der frühere Profi vom VfL Bochum und Bayer Leverkusen hat in den letzten Jahren als Trainer des FC Schönberg 95 in der ersten Pokal-Hauptrunde jede Menge Lehrgeld bezahlt. Gegen Borussia Mönchengladbach gab es vor zwei Jahren ein 0:3, dem Hamburger SV unterlag man vor drei Jahren gar mit 0:6. "Ich möchte einmal in die zweite Hauptrunde einziehen", sagte Schreier verständlicherweise. 1988 gewann der gebürtige Castrop-Rauxeler als Spieler mit Bayer Leverkusen den Uefa-Cup.

"Wollen Spiel genießen"

"Es geht einfach darum, das Spiel zu genießen", meinte dagegen Julian Geils, defensiver Mittelfeldspieler des Oberligisten. Dass der Sohn des früheren Bundesliga-Profis Karl-Heinz Geils (405 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen, Arminia Bielefeld, 1. FC Köln, Hannover 96) vielleicht gegen Michael Ballack spielen muss, lässt ihn kalt: "Soweit denke ich noch nicht. Ich freue bislang nur auf das Spiel."

Wie einige seiner Mannschaftskollegen kann auch Filius Geils nicht allein vom Fußball in Neuruppin leben. Der 22-Jährige wird demnächst in seinem Beruf als Physiotherapeut arbeiten. Dazu gibt es Zivildienstleistende, Studenten oder EDV-Spezialisten im Klub der Brandenburger. Und vielleicht auch demnächst einen Wahrsager, sollte auf dem Zettel von Dietmar Lenz am Sonntagabend tatsächlich das richtige Ergebnis zu lesen sein.

© SID

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