Fort William FC
Das Spiel der stolpernden Schotten

Ein Punktgewinn in dieser Saison, 112 Gegentore in 26 Begegnungen - die Bilanz des Fort William FC ist erbärmlich. Doch seit der Unternehmer Paul McDonald eine Doku-Soap über den erfolglosesten Fußballklub des Landes dreht, ist der Verein inselweit bekannt - und könnte nun auch US-Profis in die Highlands locken

FORT WILLIAM. Im Claggan Park ist der Glaube an die eigene Niederlage so unerschütterlich wie der Ben Nevis. Schottlands höchster Berg liegt gleich hinter dem pittoresken Fußballplatz des Fort William FC. „Es ist jedes Mal das gleiche. Die Jungs kämpfen, doch es reicht nicht für ein Unentschieden“, winkt Ninnie ab. Der 63-jährige Barkeeper im hölzernen Vereinsheim muss im Grunde nur kurz durch das kleine Fenster auf den Rasenplatz blicken, da scheppert es auch schon wieder im Kasten des Tabellenletzten der schottischen Hochland-Liga.

Die Bilanz des FC ist erbärmlich: erst ein Punktgewinn in dieser Saison, 112 Gegentore in 26 Begegnungen, sechs Mal Letzter in den vergangenen sieben Spielzeiten. Im heutigen Spiel gegen den Rothes FC hofft der Verein auf mindestens einen Punkt. Die Chancen stehen hier geringfügig besser als bei den anderen Partien, denn Rothes ist Vorletzter in der Tabelle.

Der Fort William FC ist der erfolgloseste Klub Großbritanniens. Die Fans der Gegner sagen, er spiele auf dem schönsten Platz des Landes, und sie sagen auch, kein anderer Klub trüge mehr Sportsgeist in sich. Schließlich stemmt sich die junge Mannschaft Woche für Woche mit Inbrunst gegen das offenbar Unvermeidliche.

Ausgerechnet in dieser Fußball-Idylle will Paul McDonald mit einem gewieften Marketing-Konzept nun die Moderne erwecken. Der 44-jährige Medienagent aus dem amerikanischen Cincinnati plant, im Sommer sieben bis zehn hochkarätige US-Spieler nach Fort William zu schicken. Sie sollen den Verein als America’s Team FC zur Meisterschaft schießen. „From Worst to First“ nennt er das Projekt – vom Letzten zum Besten.

Um den Soccerboys die rauen Highlands zu versüßen, lässt McDonald – ein Fan der Glasgow Rangers – von der britischen Produktionsfirma Tern TV eine Doku-Soap über das Projekt drehen. Der US-Kanal Fox Soccer Channel wird sie senden. Einen Partner für Europa sucht der Unternehmer noch. „Die Spieler können sich durch die Doku-Soap überregional für andere Klubs interessant machen und ihren Marktwert steigern“, argumentiert er. Durch die Übertragungen soll auch die Klubkasse des Fort William FC klingeln. Das Geld ist für die Jugendarbeit vorgesehen und für den Ausbau des Claggan Park.

Gemeinsam mit dem schottischen Alt-Internationalen John McGinlay tingelt McDonald nun durch die Vereinigten Staaten und sucht auswanderungswillige Kicker. Ein paar hat er schon beisammen, und einer habe sogar schon in der Major League Soccer gespielt, der höchsten amerikanischen Spielklasse, heißt es.

Damit die Soccerboys neben Toren auch Quote bringen, dürfen die TV-Zuschauer in spe die Endauswahl der Kandidaten über das Internet treffen. Ähnlich wie bei den Projekten vom englischen Fußballklub Ebbsfleet United und Fortuna Köln sollen Fans auch beim America’s Team FC die Geschicke des Vereins für eine Jahresgebühr via Internet mitbestimmen: Ab dem Frühjahr 2010 entscheiden sie per Mausklick über Trikotdesign, Mannschaftsaufstellung und sogar über Ein- und Auswechselungen.

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