Fragwürdiger Matchwinner
Provokateur und Torschütze Materazzi polarisiert

Der Mann des Finales war Italiens Abwehrspieler Marco Materazzi. Er verschuldete einen Elfmeter, traf zum 1:1-Ausgleich und provozierte offenbar Frankreichs Spielmacher Zidane, bis der die Nerven verlor.

Provokateur, Torschütze und Schlüsselfigur: Italiens Abwehrspieler Marco Materazzi war im WM-Finale gegen Frankreich an allen Schlüsselszenen beteiligt und hatte großen Anteil am vierten WM-Triumph der Squadra Azzurra. Zunächst verschuldete er den Foulelfmeter an Florent Malouda, den Zinedine Zidane zum 1:0 (7.) für die Equipe Tricolore verwandelte, dann glich er per Kopfball (19.) aus. In der 110. Minute provozierte er Zidane zum Kopfstoß des Jahres, der die Rote Karte nach sich zog, um dann im entscheidenden Elfmeterschießen kühlen Kopf zu bewahren.

Dass er nach dem Platzverweis für Zidane nicht zum Sündenbock gemacht wurde, dafür sorgte sein Trainer Marcello Lippi: "Ich möchte klarstellen, dass Materazzi die Rote Karte nicht gefordert hat." Mit welchen Worten der 1,94m Hüne den Kapitän der Franzosen zu solch törichter Tat provozieren konnte, blieb Materazzis Geheimnis. Mit lauter Musik aus einem riesigen Ghettoblaster bahnte er sich nach dem Spiel den Weg durch die Katakomben des Olympiastadions und zeigte den Journalisten die kalte Schulter.

Stellvertreter für Alessandro Nesta

Bislang stand der 32 Jahre alte Abwehrrecke in der Squadra Azzurra nicht all zu oft im Mittelpunkt. Für die WM in Deutschland galt er zunächst nur als Reservist. Doch durch die Adduktoren-Verletzung von Alessandro Nesta schlug plötzlich die Stunde von Materazzi.

"Die Leute, die mich kennen, halten mich für einen guten Burschen, die anderen denken nicht so", schreibt der in Lecce geborene Abwehrmann von Inter Mailand auf seiner Internet-Seite. Durch seine Körpergröße und durch seinen oftmals sehr athletischen Einsatz gilt Materazzi als Raubein. Seine Torgefahr ist jedoch unverkennbar. In der Serie A hat er es bereits auf 25 Tore gebracht, mehr als seine prominenten Nationalmannschafts-Kollegen Mauro Camoranesi (21), Gianluca Zambrotta (13) oder Fabio Cannavaro (14).

Kopfball-Tor nach einer Ecke von Andrea Pirlo

Es spricht für die besondere Moral des Inter-Stars, dass er trotz des Fouls an Malouda und einiger Verbal-Attacken von Mitspieler Camoranesi nicht resignierte, sondern weiter an sich und die Mannschaft geglaubt hat. Belohnt wurde er dafür mit seinem Kopfball-Tor nach einer Ecke von Andrea Pirlo, als er sich im Zweikampf gegen den erfahrenen Patrick Vieira durchsetzte und seine Elf zurück ins Spiel köpfte.

Möglicherweise entscheidend waren aber seine offenbar provoziertenden Worte in Richtung Zidane, die den Welt- und Europameister zum Ausrasten brachten. Nach dem Abgang von "Zizou" wirkte die französische Mannschaft nervös und verunsichert. Auch im Elfmeterschießen fehlte der Equipe Tricolore ein sicherer Schütze - Italien hatte an diesem Abend fünf. Einer davon war Marco Materazzi.

© SID

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