Frankfurts Trainer praktiziert Klinsmanns Konzept
Psychologe Funkel liebt Gymnastik

Neulich hat Max Merkel in einer großen Boulevardzeitung wieder ausgeteilt - gegen Eintracht Frankfurt und Trainer Friedhelm Funkel. Dieser, so Merkel, sei „eine Einschlafpille vor jedem TV-Mikrofon“. Und unter Funkel habe die Eintracht in dieser Saison sowieso nichts zu lachen.

FRANKFURT/M. Wenn Merkel da mal nicht völlig daneben liegt. Denn der Traditionsverein vom Main hat die Weichen in eine bessere sportliche Zukunft gestellt. Dass Merkel Eintracht Frankfurt zu den sicheren Abstiegskandidaten zählt, könnte man noch nachvollziehen. Aufsteiger gelten stets als sichere Beute für die etablierten Liga-Konkurrenten. Zumal wenn der Kader jung ist und fast die Hälfte der Spieler über keine Erfahrung im Fußball-Oberhaus verfügt. Bei Funkel hingegen irrt sich Merkel. Natürlich wirkt Frankfurts Cheftrainer mit seinen 51 Jahren nicht so jugendlich-frisch wie Mainz’ Coach Jürgen Klopp. Auch nicht so telegen wie der schicke Neu-Kölner Uwe Rapolder. Dafür aber ist Funkel ein ruhiger, akribischer Arbeiter. Und zwar einer, der durchaus Spaß versteht. Auch wenn in seiner Trainer-Vita kein Meistertitel steht, so hat er doch einen Rekord im bezahlten deutschen Fußball aufgestellt: Fünfmal führte der ehemalige Stürmer (Kaiserslautern, Uerdingen) Klubs aus der Zweiten Liga nach oben, je einmal Köln, Frankfurt und Duisburg sowie zweimal Uerdingen.

Funkel ist zwar lange im Geschäft, doch immer bemüht, das Training nach dem neuesten Kenntnisstand auszurichten. Dass die deutsche Sportwelt Klinsmanns Konzepte für die DFB-Elf bestaunte, ringt Funkel nur ein Lächeln ab: „Gymnastikeinheiten sind keine Erfindung von Klinsmann. Was die Nationalmannschaft jetzt macht, haben meine Teams und ich schon vor fünf, sechs Jahren gemacht.“ Dazu kamen im Trainingslager im Zillertal und im Allgäu auch Mountainbike-Touren und River-Rafting. Trainingszutaten wie diese förderten den Teamgeist. Nur bei einer Sache versteht Funkel keinen Spaß - wenn interne Probleme in die Öffentlichkeit getragen werden. „Das geht überhaupt nicht. Aber wenn meine Spieler über etwas reden wollen, bin ich Tag und Nacht für sie da.“

Der Trainer als Psychologe. Stürmer Du-Ri Cha, 25, Sohn der koreanischen Fußball-Legende Bum Kun Cha, vergab vor dem Tor lange Zeit Chance um Chance. Doch Funkel vertraute auf ihn – und Cha traf wieder. Jermaine Jones, 23, kam in der vergangenen Saison zur Winterpause von Bayer Leverkusen zurück. Der Ruf als Partygänger ging ihm voraus. Funkel machte Jones zu einer der tragenden Säulen der Aufstiegsmannschaft. Torwart Markus Pröll, 25, war unter Funkel in Köln nur die Nummer zwei. Groß waren seine Bedenken, als Funkel im Sommer 2004 Willi Reimann beerbte. Doch der Trainer ließ alleine Leistung als Kriterium für die Stammformation gelten. Pröll zog an Oka Nikolov vorbei und wurde zum besten Torwart der zweiten Liga. Es sind eben diese jungen Spieler, auf die die Eintracht auch in der Bundesliga baut. Patrick Ochs, 20, Alexander Meier, 22, und Christopher Reinhard, 20, gelten ebenfalls als gesetzt.

Junge deutsche Spieler aus der Rhein-Main-Region belasten den Etat eben weniger als satte, ausländische Stars. Nachdem Frankfurt 1992 noch um die Meisterschaft mitgespielt hatte, ging es langsam bergab mit dem Traditionsverein. Skandale bestimmten das Geschehen, und die Schulden wurden immer mehr. Erst Heribert Bruchhagen, ehemaliger DFL-Geschäftsführer, brachte als Vorstandsvorsitzender die Eintracht seit Herbst 2003 wieder auf Kurs. Wohl stieg Frankfurt noch einmal ab. Doch finanzielle Experimente gab es nicht mehr – mit einer Ausnahme: Ioannis Amanatidis kehrte für 1,8 Millionen Euro vom Betzenberg zurück. Diese Summe bereitete Bruchhagen ziemliche Bauchschmerzen. Gezahlt hat er sie aber dennoch – weil der Grieche Amanatidis, 23, ins Konzept passt. Junge Spieler sollen in Frankfurt für Furore sorgen. Dazu kommen Routiniers wie Arie van Lent, 35, und Marko Rehmer, 33. Ein vielversprechender Mix.

Starke Stürmer

Neuzugänge: Meier (Hamburger SV), Huggel (FC Basel), Spycher (Grashoppers Zürich), Preuß (VfL Bochum), Rehmer (Hertha BSC), Copado (Unterhaching), Amanatidis (Kaiserslautern), Stroh-Engel (Waldgirmes), Chaftar (eigene Jugend)

Stärken: Amanatidis und Copado werten das Angriffsspiel weiter auf. Frankfurt hatte schon in der 2. Liga (65 Tore) den stärksten Sturm. Huggel im defensiven Mittelfeld sowie Spycher und Rehmer in der Viererkette festigen die Abwehr.

Schwächen:Die jungen Spieler gehen mit viel Euphorie in die Saison, haben aber wenig Erfahrung. Stammspieler wie Du-Ri Cha, 25, und Spielmacher Alex Meier, 22, sind psychisch labil. Unzufriedene Bankdrücker wie Stefan Lexa und Markus Weissenberger könnten für Unruhe sorgen.

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