Frankreich: Reichensteuer lässt Fußballklubs bluten

Frankreich
Reichensteuer lässt Fußballklubs bluten

In Frankreich werden Verdienste über eine Million Euro künftig sonderversteuert, Zahlen müssen die Unternehmen. Die Klubs der Ligue-1 bangen nun um ihre Spieler – nur ausgerechnet Paris St. Germain nicht.
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ParisSein Spielzeug Paris St. Germain wird für Scheich Nasser Al-Khelaïf in Zukunft noch teurer. Denn die Gehaltsmillionen für seine Stars wie Zlatan Ibrahimovic, Thiago Silva oder Ezequiel Lavezzi verursachen von 2014 an wohl Folgekosten. Dann muss - das stellte die französische Regierung am Dienstag klar - der Vereinspräsident und -Besitzer des Hauptstadtclubs noch einige Millionen Euro zusätzlich berappen. An das Finanzamt. Denn: Auch Sportvereine sind von der in Frankreich geplanten 75-Prozent-Abgabe auf Vergütungen von mehr als einer Million Euro betroffen.

Fußballverbandschef Noël Le Graët hatte dies zuvor in einem Interview abgestritten und sich dabei auf angebliche Zusicherungen von Premierminister Jean-Marc Ayrault berufen. Dem Scheich aus Katar, der seit seinem Einstieg 2011 rund 250 Millionen Euro in PSG investiert hat, wird die Wende wohl kaum große Bauchschmerzen bereiten. Aber den Verantwortlichen in Lille, Lyon oder Bordeaux dürfte gar nicht gefallen, dass das Wahlkampfversprechen von Präsident François Hollande nun auch die Vereine der Ligue-1 nicht verschont. Denn für die Mannschaften mit weniger großzügigen Gönnern, als Paris einen hat, ist die Belastung immens.

Nach Einschätzung von Profiliga-Präsident Frédéric Thiriez wird die neue Abgabe die Clubs insgesamt rund 82 Millionen Euro pro Jahr kosten, was einer Erhöhung der Abgabenlast um 30 Prozent entspreche. Bei dieser Operation gebe es nur Verlierer, hatte er die Abgabe in ersten Berichten kommentiert. „Frankreich wird seine besten Spieler verlieren. Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Clubs in Europa wird in den Keller gehen und der Staat wird seine besten Steuerzahler verlieren“, unkte Thiriez.

Als Topverdiener unter den Fußballern der ersten französischen Liga gilt derzeit Ibrahimovic, dessen Jahresverdienst bei Paris auf 15 Millionen Euro geschätzt wird. Einstellige Millionengehälter bekommen seine Teamkollegen Silva und Lavezzi, auch Yoann Gourcuff vom siebenfachen Meister Olympique Lyon zählt zur Gehaltselite.

Die geplante Abgabe auf Spitzengehälter sorgt in Frankreich seit Monaten für Diskussionen. Nachdem Pläne für eine direkte Belastung der Einkommensbezieher wegen verfassungsrechtlicher Hürden geplatzt waren, kündigte Präsident Hollande in der vergangenen Woche an, die Abgabe auf Millionengehälter von den Unternehmen zahlen zu lassen. Dies sorgt vor allem bei Arbeitgebervertretern für Empörung. Sie kritisieren, dass freiberufliche Künstler und Sportler nicht betroffen sein werden.

Zumindest für die Fußballvereine aber gibt es keine Ausnahme in der Politik des Sozialisten im Élysée-Palast. Mit ähnlich horrenden Gehältern wie bei Bankern und Topmanagern hat Hollande quasi naturgemäß ein Problem. Lediglich ein prominenter Multi-Millionär im Kader von Paris St. Germain hat zumindest Chancen auf die Sympathie des Präsidenten: David Beckham kam ablösefrei. Und der Verein spendet sein Gehalt wohltätigen Zwecken.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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