Frankreichs Fehlschütze
Trezeguet: "Verlieren gehört zum Fußball"

David Trezeguet wurde nach seinem Lattentreffer im WM-Finale gegen Italien zur tragischen Figur im Elfmeterschießen. Aber "Verlieren gehört zum Fußball", sagte der 28-Jährige abgeklärt.

Vor sechs Jahren der EM-Held, diesmal die tragische Figur im Elfmeter-Schießen: Nachdem David Trezeguet Frankreich 2000 in Rotterdam mit seinem Golden Goal in der 103. Minute gegen Italien zum Europameisterschafts-Titel geschossen hatte, verpassten "Les Bleus" bei der WM 2006 einen weiteren goldenen Moment, weil ausgerechnet sein Elfmeter an der Latte landete.

Doch obwohl Trezeguets Fehlschuss das WM-Finale zwischen Italien und Frankreich (1:1 n.V.; 5:3 i.E.) in Berlin entschied, gab sich der 28-Jährige erstaunlich abgeklärt: "Ich bedaure nichts. Schließlich habe ich Verantwortung übernommen. Verlieren gehört zum Fußball."

Nach so viel Gelassenheit hatte es auf dem Spielfeld noch nicht ausgesehen. Apathisch stand Trezeguet neben Trainer Raymond Domenech, doch beide würdigten sich keines Blickes und starrten stattdessen in den Berliner Nachthimmel. Gerade 112 Minuten hatte Domenech den Stürmer von Juventus Turin während der WM eingesetzt. Trezeguet: "Das Glück hat mich verlassen, das war schon während des ganzen Turniers so. Ich werde meinen Kopf aber weiter oben tragen."

Im entscheidenen Moment scheiterte Trezeguet an der Latte des von seinem Juventus-Vereinskollegen Gianluigi Buffon gehüteten Tores, der Ball schlug von dort knapp vor der Linie auf: "Ich kenne Buffon gut, das hat mich aber nicht veranlasst, meine Schusstechnik zu ändern. Hinterher habe ich ihm gesagt, wir sehen uns im gemeinsamen Urlaub wieder."

In den Ferien können sich die beiden dann wohl auch einen Klub suchen, denn dem italienische Rekordmeister droht bei der Urteilsverkündung im Wett- und Manipulationsskandal der Zwangsabstieg in die zweite oder gar dritte Liga. Trezequet und Buffon hatten kurz der WM zu diesem Thema vor Gericht aussagen müssen.

"Schuss war einfach zu gut platziert"

"Elfmeterschießen sind eine Sache für sich. Der Schuss war einfach zu gut platziert, das haben mir auch meine Mitspieler gesagt, um mich zu trösten", meinte der Angreifer mit dem Kinnbart. Er war in der Nachspielzeit für Franck Ribery eingewechselt worden: "Das war sicher nicht meine Weltmeisterschaft. Ich habe gehofft, ein bisschen mehr zu spielen, aber unsere Taktik war eine andere und ich muss das akzeptieren." Trainer Domenech hatte lediglich auf eine Spitze gesetzt - und die hieß Thierry Henry.

Öffentliche Rückendeckung erhielt David Trezeguet, der Sohn des in Argentinien geborenen ehemaligen französischen Erstligaspielers Jorge Trezequet, von seinen Mannschaftskollegen: "Es ist hart ein Finale im Elfmeterschießen zu verlieren. Aber wir gewinnen und verlieren gemeinsam. Jetzt machen wir keine Vorwürfe an einzelne Spieler", sagte Henry mit Blick auf Trezeguet und den mit Rot vom Platz geflogenen Kapitän Zinedine Zidane.

© SID

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