Frankreichs Trainer Raymond Domenech
Der ungeliebte Triumphator

Es heißt, sie mögen ihn nicht in Frankreich. Vielleicht fiel es Raymond Domenech deshalb so schwer, den Rasen von München in Richtung Katakomben zu verlassen. Immer wieder hielt er inne, drehte sich um und winkte den jubeltrunkenen französischen Fans zu. Schüchtern wie jemand, der sich der Zuneigung nicht sicher ist, und zugleich stolz wie es nur einer sein kann, der Unerwartetes vollbracht hat.

MÜNCHEN. Es war der Trainer der "L?Equipe Tricolore", der schließlich als letzter Akteur den Innenraum der Münchener WM-Arena verließ. Lange nach den meisten seiner Spieler, die an diesem Mittwoch gerade Portugal im Halbfinale der Weltmeisterschaft mit 1:0 (1:0) besiegt hatten, lange nach Spielende.

Seit dem Ausscheiden im Viertelfinale der Europameisterschaft 2004 trainiert Domenech die französische Fußballnationalmannschaft. Von Beginn an war er unbeliebt, weil er als störrisch, kompromisslos und eigensinnig gilt. Und obwohl er bis Anfang 2006 kein Spiel mit der Mannschaft verlor, musste sie lange um ihr Ticket für die Weltmeisterschaft kämpfen. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen die Slowakei im März schwoll der Unmut der Fans an. Doch Domenech ignorierte jede Kritik und wiederholte stur, seine Mannschaft könne es bis ins Finale am 9. Juli in Berlin schaffen.

Er hat Recht behalten. Und der 54-jährige Domenech erspielt sich mit seiner Mannschaft mehr und mehr die Sympathien, die ihm die Franzosen so lange verweigerten. Deshalb konnte er sich von den Fans kaum trennen, deshalb war er in der anschließenden Pressekonferenz zu Scherzen aufgelegt. Auf die Frage nach dem Finale antwortete er: "Was ich zum Endspiel sage? Nun ja, es wird um 21 Uhr angepfiffen. Ach nein, um 20 Uhr. Kommen Sie nicht zu spät!"

Domenech genoss den Auftritt in der Pressekonferenz sichtlich, er genoss es, den Erfolg seiner Mannschaft zu verkaufen. Ein Erfolg, der durchaus auch ihm zuzuschreiben ist. Denn es war Domenech, der die bereits zurückgetretenen Zinedine "Zizou" Zidane, Claude Makelele und Lilian Thuram überzeigte, doch noch einmal die Fußballschuhe für Frankreich zu schnüren. Sie waren es, die "Les Bleus" zur WM schossen und nun auch in das Finale.

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