Frauen-Fußball-WM 2011: Sportartikler hoffen auf den großen Mode-Kick

Frauen-Fußball-WM 2011
Sportartikler hoffen auf den großen Mode-Kick

Die Frauen-Fußball-WM bietet eine enorme Chance, die Brücke von Sport zur Mode zu schlagen. Die Trikothersteller, allen voran Adidas und Nike, versuchen das Event für sich zu nutzen - und Spielerinnen und weibliche Fans mit geschickten Schnitten zu schmeicheln. Das Balgen um Stars und Marketingstrategien hat längst begonnen.
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Frankfurt/KölnDer Ort war clever gewählt: Nicht zufällig in einer Frankfurter Technodisko inszenierte der Sportartikelkonzern Adidas die Präsentation des WM-Trikots der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Farbenfroh in Dreistreifenkleidung verpackt, ruckten und zuckten dauerlächelnde Models auf dem Laufsteg dem Höhepunkt entgegen: der Präsentation jenes Trikots, in dem die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid im Sommer nach dem Titel greifen werden. Zum donnernden Hit von Duck Sauce hüpften drei junge Schönheiten schlussendlich in den neuen Jerseys ein – unter den Augen von Nationalspielerinnen, Oberbürgermeisterin Petra Roth und Ex-Schwimmstar Franziska von Almsick.

Im Auftritt eine dicke Portion Lifestyle und Glamour, auf den zweiten Blick dann doch überraschende Dezenz. Erst beim genauen Hinschauen fallen am neuen Frauen-Trikot verspielt-patriotische Details auf, neckische Symbole, versteckte Glücksbringer: „Blüh im Glanze dieses Glückes“ ist verborgen in den Kragen appliziert, man erkennt eine stilisiert wehende Deutschland-Flagge, elf Linien stehen für – richtig: elf Spielerinnen. Am ungewöhnlichsten gestylt erscheinen die Hosen: Der Bund – auffällig golden und gürtelbreit geraten – nimmt Anleihen beim Boxen oder eben in der Boutique. Nationalspielerin Kim Kulig lobt „den femininen Schnitt und das moderne Design“.

Zur Heim-WM hat sich DFB-Ausrüster Adidas besonders viel Mühe gegeben mit der Trikotgestaltung des Titelverteidigers, versichern jedenfalls die Entscheider aus Herzogenaurach.  Der Entwicklungsaufwand sei dem für das Männertrikot ähnlich gewesen, „es ist auch ein Invest in Markenimage“, sagt Markus Baumann, Vice President der Geschäftseinheit Fußball bei Adidas. Die Frauen-WM, die insbesondere Frauen und Familien ansprechen soll, ist für Ausrüster eine große Chance, ihre Marke beim weiblichen Geschlecht gezielt nach vorne zu bringen.

Mut zur Mode – dieser Trend, der für Sportartikler im harten Wettbewerb ohnehin gilt, bekommt durch die Frauen-WM einen gewaltigen Schub. „Die Männer-WM 2006 hat Pionierarbeit geleistet“, sagt Baumann. „Da haben wir erstmals weibliche Fans in Trikots herumlaufen sehen, auch außerhalb der Stadien. Natürlich können wir nicht erwarten, dass jetzt jede Frau ein neues Damentrikot kauft. Aber wir werden in jedem Fall 2011 so viele Frauen-Trikots verkaufen wie in keinem anderen Jahr zuvor“, glaubt Baumann. Doch Adidas fährt mehrgleisig: So sollen die Spielerinnen um Silvia Neid auch andere Adidas-Artikel tragen und repräsentieren, vom Sweatshirt bis zum Laufschuh. „Über das Ereignis WM 2011 wollen wir Adidas nicht nur der Fußball spielenden Frau näher bringen“, sagt Baumann. Auch andere Produktgruppen sollen profitieren.

Die Designerin Annette Kres – ansonsten bei Adidas für modische Frauenbekleidung zuständig – habe das Trikot „sehr eng zusammen mit der Mannschaft erarbeitet“, erzählt sie. Es sollte nicht ins Auge stechen, sondern die „feminine Eleganz betonen“. „Von Frauen für Frauen“, ergänzt Baumann. Im Vordergrund habe die Funktionalität gestanden, die Bewegungsfreiheit und das Wohlfühlen, „figurbetont, aber nicht hauteng“.

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