Frauen-WM in Kanada
Fifa pfeift schwedischen TV-Sender zurück

Erst überschattet die Kontroverse um den Kunstrasen die Vorbereitung auf die Frauenfußball-WM. Nun kommt noch der Fifa-Korruptionsskandal dazu. Der Verband zeigt auch in einem anderen Punkt wenig Fingerspitzengefühl.
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StockholmSchweden gilt gemeinhin als gleichberechtigtes Land. Auch wenn das nicht immer stimmt, so bemühen sich Politik, Wirtschaft, Kultur und der Sport tatsächlich um eine weitgehende Gleichstellung von Mann und Frau. Dass dieses Streben nach Gleichberechtigung aber seine deutlichen Grenzen hat, musste jetzt der zweitgrößte Fernsehsender des Landes, der Privatkanal TV4, erfahren.

Der Sender hat die Übertragungsrechte für die in einer Woche beginnende Fußballweltmeister der Frauen in Kanada erworben. Ganz dem Grundsatz nach, dass Männer- und Frauensport gleich zu behandeln ist, wollte TV4 das Event einfach „Fifa Fußball Weltmeisterschaft 2015“ nennen.

Man hatte das Turnier also genauso bezeichnen wollen, wie im vergangenen Jahr die Fußballweltmeisterschaft der Männer. Doch die Verantwortlichen in Stockholm hatte ihre Rechnung ohne die Wirte in Genf gemacht.

Denn kurz nach Bekanntwerden der TV4-Entscheidung reagierte die Fifa. In einem Brief wurde dem schwedischen TV-Sender mitgeteilt, dass die Veranstaltung „Fifa Frauenweltmeisterschaft 2015“ zu heißen habe. Kein Wort von Fußball, dafür eine klare Geschlechternennung.

Andreas Odén, verantwortlicher Produzent für die Fußball-WM in Kanada, gibt sich geschlagen. „Wir haben mit der Fifa lange diskutiert“, sagt er, „aber wir haben auch einen Vertrag unterschrieben, den wir einhalten müssen“. Es sei ihnen schwergefallen, so Odén, doch der Rechteinhaber könne nun einmal die Bedingungen vorgeben.

Von Seiten der Fifa wird argumentiert, dass es eine klare Unterscheidung der beiden Großereignisse geben müsse. Warum jedoch bei der Fußballweltmeisterschaft der Herren die Geschlechterbezeichnung stets fehlt, bleibt weiterhin ein Geheimnis der von Skandalen erschütterten Fifa. Auch geht der Verband nicht auf das Argument ein, dass es in diesem Jahr doch gar keine Herren-Fußball-WM gibt und insofern das Risiko einer Verwechslung äußerst gering sein dürfte.

Die Fifa-Direktive gilt für alle offiziellen Trailer und Programmvorankündigungen der TV-Sender. Sollten die TV4-Moderatoren und Kommentatoren während der Übertragungen das Turnier anders als von der Fifa gewünscht bezeichnen, wird das nach Meinung von schwedischen Rechtsexperten keine Folgen für den Sender haben.

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  • Ist doch schnurtzpiep egal ob die Leistungen gleichwertig sind oder nicht! Es ist nun mal eine Fußball-Weltmeisterschaft. Und zwar für Frauen. Was soll denn eine Frauenweltmeisterschaft sein? Im kochen, Strümpfe stopfen, o.ä.? Kam dieser Titel von der korrupten Gesellschaft vielleicht gegen Millionenzahlungen zustande?

  • Das eine ist eben Fußball. Das andere.... na ja, Frauenfußball. Und da bringt auch alles Streben nach Gleichberechtigung nichts. Es wird immer einen deutlich sichtbaren Leistungsunterschied geben. Also sollte man aufhören hier etwas gleichzusetzen, was eben nicht gleich ist.

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