Frauenfußball-Macherinnen im Interview
„Kein Verein darf sich beschweren, es gehe zu schnell“

DFB-Direktorin Steffi Jones und Nationalmannschafts-Managerin Doris Fitschen sprechen über den Sponsoring-Coup mit der Allianz, die Professionalisierung des Frauenfußballs, die Zukunft des Pokalfinales in Köln und die Homophobie im Fußball.
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FrankfurtLocker und gelöst erscheinen Steffi Jones (41), Direktorin für Frauen- und Mädchenfußball, und Doris Fitschen (45), Managerin der Frauen-Nationalmannschaft und Abteilungsleiterin Marketing Frauenfußball, zum Interview in der DFB-Zentrale in Frankfurt. Kein Wunder, haben die beiden in Schlüsselpositionen des deutschen Frauenfußballs verantwortlichen Ex-Nationalspielerinnen doch gerade erst einen Namenssponsor für die Frauen-Bundesliga gefunden und damit für eine Novum im deutschen Fußball gesorgt. Dass die Frauen-WM in Deutschland nun schon 1000 Tage her ist, war den beiden Hauptverantwortlichen für die Turnierorganisation bis zur Verabredung mit dem Handelsblatt gar nicht präsent. Die Zeit rast – und obwohl die beiden Managerinnen in den vergangenen Jahren ihren Sport deutlich weitergebracht haben, liegt noch viel Arbeit vor Ihnen.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Fitschen: Sie sind nicht nur Managerin der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, sondern beim DFB auch für die Vermarktung des Frauenfußballs verantwortlich. Und haben jetzt den Versicherungskonzern Allianz als Namenssponsor für die Frauen-Bundesliga gewonnen – das ist ein echter Coup…
Fitschen: Ja, die Liga heißt ab der nächsten Saison für mindestens fünf Jahre „Allianz Frauen-Bundesliga“. Die Allianz war nicht nur nationaler Förderer der WM, sondern ist im WM-Jahr auch als Hauptsponsor der DFB-Frauen und als DFB-Partner eingestiegen. Weil beide Seiten mit dem Engagement sehr zufrieden sind, bauen wir das Sponsoring mit unserem Partner Allianz nun noch weiter aus. Maßgeblichen Anteil an dem Vertragsabschluss haben unser DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und die DFB-Marketingdirektion mit Denni Strich an der Spitze.

Wie hoch ist die Summe, die die Allianz investiert und wie wird sie verteilt?
Fitschen: Über die Summe haben wir Stillschweigen vereinbart. Der größte Teil geht an die Vereine, da diese viele Rechte zur Verfügung stellen und wir die Klubs durch die Vereinbarung ja auch stärken wollen.

Namenssponsoring für eine Liga ist ein Novum im deutschen Fußball…
Fitschen: … und ein Zeichen für die positive Entwicklung des Frauenfußballs und der Bundesliga. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein weltweit agierendes Unternehmen in dieser Liga engagiert und das Sponsoring ausweitet. Aber die bisherige Zusammenarbeit zeigt: Die Allianz und der Frauenfußball – das passt einfach. Und das bestätigt uns in dem, was wir in den vergangenen Jahren hier gemacht haben.

Erwirbt die Allianz mit dem Bundesliga-Deal weitere Rechte?
Fitschen: Neben dem Liganamen wird die Allianz auf den Trikotärmeln präsent sein. Vertragsbestandteil ist zudem, dass die Allianz etwa auf Banden werben und mit ihrem Logo verstärkt in Erscheinung treten wird. Zudem besteht die Möglichkeit, in allen zwölf Stadien rund um die Spiele bestimmte Marketing-Aktionen durchzuführen. Für die Allianz ist es vor allem wichtig, die Marke zu emotionalisieren – und uns hilft es bei dem Ziel, den Event-Charakter, den der Frauenfußball haben soll, weiter herauszuarbeiten.

Die Herren sträuben sich gegen diesen Weg der Zentralvermarktung...
Fitschen: Für den Frauenfußball ist das aus meiner Sicht der richtige Weg. Wir möchten ja mit der Liga in der Öffentlichkeit präsent sein – und da erhoffen wir uns von so einem starken Partner wie der Allianz natürlich auch kommunikative Unterstützung. Wir haben diese Idee sehr genau mit den Vereinen abgestimmt. Die sind durchweg begeistert – nicht nur von den frischen finanziellen Flüssen, sondern auch davon, mit einem derart renommierten Unternehmen assoziiert zu werden.

Frauenfußball-Bundesliga

Durchschnittliche Zuschauerzahlen
in der Frauenfußball-Bundesliga


Schaut man sich nur Zuschauerzahlen in der Bundesliga an, dann ist die große Begeisterung von 2011 aber schon wieder abgeflaut. Es kommen nicht sehr viel mehr Fans als vor der WM…
Jones: Nehmen wir das Pokalendspiel oder ein Länderspiel: Beides ist etwas Besonderes und hat Eventcharakter. Die Fans reisen aus ganz Deutschland an, zum Länderspiel gegen Japan waren es im Juni in München 46.000. Fans für die Bundesliga kann ich dagegen nur lokal oder regional gewinnen. Da müssen wir auch in Zukunft realistisch bleiben. Es wird Topspiele wie das zwischen Wolfsburg und dem FC Bayern in dieser Saison mit über 8000 Fans geben. Es wird aber auch immer wieder Partien geben, bei denen nur 300 oder 400 Zuschauer sind. Da bringt es nichts, wenn wir irgendwelche utopischen Visionen haben. 

1000 Tage nach dem Ende der Heim-WM 2011 ist die Aufmerksamkeit für den Frauenfußball also nicht wieder geschwunden?
Fitschen: Nein, denn die WM war ein außergewöhnliches Event und uns war klar, dass wir dieses Level nicht halten können. Aber insgesamt ist die Aufmerksamkeit schon größer als vor der WM – vor allem in den Medien, wo viel umfangreicher berichtet wird. Und die Spielerinnen und die Trainerin haben einen höheren Bekanntheitsgrad. Das zeigt, dass der Frauenfußball eine gestiegene öffentliche Wahrnehmung hat.

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