Frauenpresse
Brigitte erklärt den Fußball

Am Thema Fußball kommt in diesem Jahr keiner vorbei. Kurz vor der Weltmeisterschaft im eigenen Land suchen auch die Frauentitel nach dem richtigen Rezept für die Aufbereitung des Kicker-Spektakels. Besonders beliebt sind Foto-Strecken mit "sexy" Spielern oder Tipps für WM-Partys und passende Kochrezepte.

HB HAMBURG. Viele erklären in Kurzform ein paar Spielregeln, angefangen mit "A" und dem beliebten Streitthema "Abseits". Oftmals liegt der weibliche Dreh aber auch darin, das Match der 22 Männer samt Ball nicht bierernst zu betrachten, sondern mit reichlich Humor. "Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Sie während eines besonderen Spiele-Knallers Schnittchen in der Küche streicht oder schmollend mit ihrer Freundin telefoniert, während Er mit seinen Kumpels vorm Fernseher hockt", weiß Sabine Fäth, Chefredakteurin von "Laura" und "Alles für die Frau" (Bauer) aus Gesprächen mit Leserinnen. "Sie sind an den Spielen interessiert, entdecken aber auch - dann doch wieder ganz Frau - schicke WM-Deko, eine witzige falsche Wimper in Deutschlandfarben oder backen - mit einem Augenzwinkern - eine Torte als Fußballfeld." Denn das Augenzwinkern fehle den Männern beim Fußballgucken.

Auch für die "Freundin" (Burda) gehört die WM "zwingend" dazu: "Denn ob wir wollen oder nicht - man kann ihr ja gar nicht entkommen, ganz gleich ob die Leserin nun aktiver Fan ist oder sich nur fragt, wie sie die Zeit überbrücken kann, in der ihr Partner fußballbedingt nicht ansprechbar sein wird", sagt Chefredakteurin Ulrike Zeitlinger. Für die Reportage "Im Crashkurs zum Fußballprofi" ließen sich zum Beispiel elf Redakteurinnen von Bundesliga-Schiedsrichter Markus Merk die Spielregeln näher bringen. "Und natürlich haben wir - nach rein optischen Gesichtspunkten - unsere Traumelf zusammengestellt." Bei der "Brigitte" (Gruner+Jahr) sieht man Fußball als "90 Minuten geballte Leidenschaft". Schon seit Januar laufen Porträts von WM-Größen wie David Beckham oder Zinedine Zidane: "Wir stellen in jeder "Brigitte" in unserer "Rubrik WM-Countdown" einen Fußballstar vor und zwar immer in Zusammenhang mit einem Gefühl wie Liebe, Wut, Eifersucht, Hass", berichtet die stellvertretende Chefredakteurin, Brigitte Huber. "Damit verbinden wir das Interesse unserer Leserinnen an Fußball und Spielern einerseits und den großen Emotionen andererseits."

Foto-Strecken mit "sexy" Spielern oder Tipps für WM-Partys und passende Kochrezepte halten viele Blätter parat. So will "Woman" (Gruner+Jahr) zum WM-Start im Juni "Fußball-Snacks zum Angeben" servieren. Schon im Mai gab es 15 Ratschläge, "wie's richtig cool wird", etwa dass Frauen Schimpfwörter wie "Asis" für Holländer üben und einen Balkonrasen präparieren sollten. Die "Elle" plant für Juni Mode-Ideen: Was trägt man in der VIP-Lounge des Stadions oder bei einer privaten Fußball-Party? "Tina" (Bauer) fragt, was die Spieler-Frauen wohl während der WM-Wochen machen, und das Gesundheitsmagazin "Healthy Living" (Gruner+Jahr) thematisiert das Risiko Lärm in Stadien.

Einen anderen Ansatz wählt "Amica" (Burda). Das Monatsblatt will im Juni unter dem Titel "Deutscher Glamour" das Gastgeberland modisch und künstlerisch würdigen: "Wir haben ein bisschen weitergedacht und uns nicht damit begnügt, ein paar frauenspezifische Bücher, Filme und Accessoires zum Thema Fußball zu präsentieren", sagt Chefredakteurin Patricia Riekel. "Die WM war nur der Aufhänger für ein leidenschaftliches und längst überfälliges Statement zu diesem Land." Dass beim Planen und Schreiben auch in Redaktionen WM-Stimmung herrschen kann, erzählt "Woman"-Chefredakteurin Christine Ellinghaus. Ihr Team sei - ähnlich wie der Fan-Nachwuchs auf den Schulhöfen - vom Sammelfieber der Fußballer-Bildchen für das Panini-Album angesteckt: "Morgens vor der Konferenz wird wie besessen getauscht."

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