Freshfields-Bericht zur WM-Vergabe: Außer Spesen nix gewesen

Freshfields-Bericht zur WM-Vergabe
Außer Spesen nix gewesen

War die WM 2006 in Deutschland, das „Sommermärchen“, gekauft? Womöglich, nichts genaues weiß man nicht. Auch nicht nach dem teuren Gutachten der Kanzlei Freshfields. Immerhin: Der DFB will transparenter werden.

FrankfurtAls klar wurde, dass der mit Spannung erwartete Bericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer über den Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nicht die Ergebnisse lieferte, die die Öffentlichkeit erwartet hatte, wurde es für eine kurze Zeit ruhig im Saal. Knapp 100 Journalisten waren gekommen, um endlich zu erfahren, ob das Sommermärchen gekauft war.

Doch die Antwort auf die Frage, die die deutschen Fußballfans seit Oktober vergangenen Jahres beschäftigt, blieb der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gemeinsam mit der vom Verband beauftragten Kanzlei schuldig: Wirtschaftsexperte Christian Duve habe keinen Beleg für einen Stimmenkauf für den Zuschlag für die WM 2006 nachweisen können, sagte er. Und führte weiter aus: Bestechung sei aber auch nicht grundsätzlich auszuschließen.

Mehr als eine Million Euro war dem DFB diese Aussage wert. „Das ist natürlich viel Geld, aber die Untersuchung hat auch deshalb ihren Wert, weil es nicht nur um das Ansehen des DFB geht, sondern auch um das Ansehen unserer Mitglieder“, erklärte DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel, der gemeinsam mit den beiden Interimspräsidenten Rainer Koch und Rainer Rauball auf dem Podium saß. Zudem gehe es auch „um das Verhältnis zu unseren Sponsoren“.

Die Präsentation des Freshfield-Berichts am Freitagmittag im Steigenberger Airport Hotel sollte zu einer Transparenzoffensive werden. Der DFB wollte mit der Veranstaltung das Vertrauen der deutschen Fußballfans zurück gewinnen, Glaubwürdigkeit herstellen, die „Menschen mitnehmen“. Doch die Anwesenden blieben ratlos zurück. Mehr als vier Monte ermittelten Freshfields-Partner Christian Duve, der  seine Erkenntnisse selbst vorstellte, gemeinsam mit mehr als zwei Dutzend Kollegen in der Frankfurter DFB-Zentrale.

Sie haben in dieser Zeit tausende Dokumente gesichtet, Emails gelesen, haben Überweisungsvorgänge rekonstruiert, mehr als 30 Personen befragt. Was dabei rumkam? „Das Verschwinden wichtiger Akten hat die Ermittlungen der Wirtschaftskanzlei in der Affäre um die Fußball-WM 2006 erheblich gestört.“ Außer Spesen ist wenig gewesen.

Ein bisschen was Neues gab es hingegen zur Rolle des WM-Machers Franz Beckenbauer. So sollen zwischen Mai und Juli 2002, also nach dem WM-Zuschlag für Deutschland, in vier Tranchen sechs Millionen Schweizer Franken über ein Konto von Beckenbauer und seines damaligen Beraters Robert Schwan an das Schweizer Advokatbüro Gabriel & Müller geflossen sein. Dieser Betrag soll weiter an das Konto einer Gesellschaft in Katar gegangen sein, deren einziger Anteilseigner der mittlerweile lebenslang gesperrte Ex-FIFA-Funktionär bin Hammam war.

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