Frisierte Bilanzen
Italiens neuester Fußball-Skandal

Es scheint wie ein Faß ohne Boden: Nachdem sich die Wogen im italienischen Fußball gerade erst wieder geglättet haben, droht bereits der nächste Skandal. Wurde zuletzt Rekordmeister Turin mit Zwangsabstieg bestraft, stehen nun die Mailänder Traditionsklubs im Fokus der Ermittlungen.

MAILAND. Italien hat einen neuen Fußballskandal. Gleich mehrere italienische Vereine stehen unter Verdacht, ihre Bilanzen frisiert und damit ihre Lizenzen für vergangene Spielzeiten erschlichen zu haben. Zu diesem Schluss ist der Mailänder Staatsanwalt Carlo Nocerino gekommen, und die Bilanzkontrollkommission des italienischen Fußballverbandes (Covisoc) scheint ihm Recht zu geben. In Italien ist nun vom „administrativen Doping“ die Rede. Betroffen sind vor allem Inter Mailand und AC Mailand.

Der neue Skandal kommt zu einem heiklen Zeitpunkt, da die aktuellen Bilanzen in diesen Wochen unter der Lupe der Kontrolleure liegen: Der italienische Fußballbund FIGC und die Covisoc müssen im Juli die Bücher der Vereine prüfen, um zu entscheiden, wer für die Saison 2007/2008 zugelassen wird.

Dabei geben schon die früheren Bilanzausweise kein gutes Bild ab. Nach Berechnungen der Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ haben die 17 der 20 Erstligavereine , die ihre Bilanzen veröffentlicht haben, im vergangenen Jahr Verluste von insgesamt 238 Millionen Euro verbucht und sind mit 1,4 Milliarden Euro verschuldet. Allein bei Inter lag der Verlust bei 181 Millionen, die Schulden bei 385 Millionen Euro. Der AC Mailand hat zwar 2,5 Millionen Gewinn geschrieben, ist aber mit 289 Millionen Euro verschuldet.

Erst vor einem Jahr hatte Rekordmeister Juventus Turin im Zuge des Manipulationsskandals seinen Meistertitel 2006 abgeben müssen. Der ewige Zweite, Inter, wurde nachträglich Champion. Den späten Sieg könnte Inter nun theoretisch wieder verlieren. Denn auch im neusten Skandal droht ein Punktverlust oder gar der Abstieg in die Serie B.

Dieses Mal geht es um Bilanzfälschung. Alles begann 2005, als sich der damalige Präsident des FC Bologna, Giuseppe Gazzoni Frascara, darüber beschwerte, dass sein Verein absteigen musste. Er wollte an Stelle anderer Vereine zugelassen werden, die nach seinen Worten „administratives Doping“ in ihren Büchern betrieben. Die Bilanzkontrollkommission Covisoc war damals anderer Meinung, aber die zivile Justiz hat weiter untersucht. Schon bald waren die Staatsanwälte in der Lage, Anklage zu erheben.

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