„Früher grasten hier Kühe, jetzt kommen die Stars“
Ein großer Wurf

Das Landhaus des früheren Gewichtheber-Olympiasiegers Rolf Milser beherbergt zur WM die italienische Fußball-Nationalmannschaft.

DUISBURG. Die Matratzen, sagt Rolf Milser, seien besonders wichtig. "Die weichen Dinger aus Amerika können Sie vergessen." Der 54-Jährige muss es wissen. Als der Gewichtheber 1984 bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles die Goldmedaille gewann, übernachtete Milser oft in Hotelbetten. Und seit neun Jahren führt der Duisburger in seiner Heimatstadt sein eigenes Hotel, das "Landhaus Milser". Während der Fußball-WM zieht die Auswahl Italiens bei Milser ein. Ausschlaggebend für den Zuschlag seien die Matratzen gewesen. "Hochwertige italienische Ware, die ich persönlich getestet habe", sagt Milser. Und auch Marcello Lippi, Nationaltrainer der "Squadra Azzurra", der neulich für drei Nächte zur Probe lag, habe himmlisch darauf geschlafen. Derart fein gebettet soll dessen Mannschaft um Stürmer Francesco Totti zum vierten Mal die WM gewinnen.

Für Milser und die Stadt Duisburg ist die Zusage der Italiener der große Wurf. "Mehr geht nicht, zum weltgrößten Ereignis kommt einer der Top-Favoriten", freut sich Milser, dessen Hotel ganz in italienischem Design eingerichtet ist. Neben den Matratzen stammen auch die Möbel aus Italien, im Restaurant arbeiten fünf italienische Köche. "Die Fußballer werden denken, sie seien daheim", sagt der Hotelier, der vor zehn Jahren ins Gastgewerbe wechselte.

"Mensch Rolf, ich muss was anderes machen", habe er damals zu sich selbst gesagt. Dann löste er sein mit Hanteln erstemmtes Privatvermögen auf, verkaufte zwei Häuser und baute mit Hilfe seines Kompagnons Toni Pelle, einem Italiener, auf einer Wiese im Duisburger Süden sein schmuckes Landhaus. "Es war ein Risiko. Früher grasten hier Kühe, jetzt kommen Welt-Stars", sagt Milser und verweist auf seine Gästeliste, die von Rudi Assauer bis Ulrike Meyfarth reicht. In der Lobby sind hinter Glas Original-Boxhandschuhe seines Freundes Muhammad Ali ausgestellt. Im Mai 2004 logierte zum Champions League-Finale der AS Monaco mitsamt der Grimaldi-Familie um den kürzlich verstorbenen Fürsten Rainier bei ihm. "Kontakte schaden nur dem, der sie nicht hat", sagt Milser.

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