Frust in Baden
Bühlertaler Begeisterung für England kühlt ab

Die englischen Kicker können nicht mehr auf Unterstützung ihrer Gastgeber im badischen Bühlertal rechnen. Die anfängliche Begeisterung für die "Three Lions" ist in Südbaden längst Ernüchterung gewichen.

Freunde haben sich die Engländer im badischen Bühlertal bislang nicht gemacht. Am Montag bei der Ankunft war das Team um Kapitän David Beckham noch heftig umjubelt worden, schon nach vier Tagen im Quartier Bühlerhöhe haben die Anwohner die England-Flagge aber längst wieder eingerollt und schieben Frust. Die "Three Lions" bleiben in Südbaden bislang nur ein Phantom.

"Wir haben uns das ganz anders vorgestellt. Am Dienstag sollten 1 000 Kinder aus dem Bühlertal beim ersten Training der Engländer zuschauen. Doch zwei Tage vor dem Training musste der Schuldirektor eine Durchsage machen, dass 800 Kinder wieder ausgeladen sind. Da haben viele geweint, denn sie wollten unbedingt Beckham sehen", sagte Familienvater Herbert Schmidt und fügte mit einem Schuss Sarkasmus hinzu: "Aber hinter den verdunkelten Busscheiben kann man sie beim Weg zum Training ja zumindest erahnen."

Ein Anwohner plakatierte daraufhin ganz in der Nähe des Trainingsplatzes des Weltmeisters von 1966 ein Plakat mit der Aufschrift: "Willkommen in Absurdistan." Die restlichen Bürger der kleinen Gemeinde in Südbaden rollten unterdessen ihre zahlreichen England-Fahnen, mit denen sie ihre Häuser liebevoll geschmückt hatten, wieder ein. Nun schwebt im Bühlertal ein neuer Patriotismus durch das Land, denn ist ausschließlich nur noch Schwarz-Rot-Gold zu sehen. Mal schauen, was sich die Bühlertaler einfallen lassen, falls die Engländer in der K.o.-Runde auf den WM-Gastgeber treffen sollten.

Sicherheitsstufe zwei

Allerdings kann man dem englischen Team nicht wirklich die Schuld an der für die Fans bitteren Situation geben. Vielmehr müssten sich die Bühlertaler bei Englands Premier-Minister Tony Blair beschweren. Dessen Irak-Politik führte dazu, dass England unter der Sicherheitsstufe zwei eingeordnet und deshalb ähnlich abgeschirmt wird wie die USA oder der Iran. Zudem hatten sich Beckham und Co. bei den halböffentlichen Training am Dienstag extra lange Zeit genommen, um die Autogrammwünsche der Kinder zu erfüllen.



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Für Gesprächsstoff sorgt im badischen derzeit auch das extra eingerichtete England-Camp in Achern. Rund zehn Kilometer entfernt vom WM-Quartier des Nationalteams wurde auf dem alten Militärgelände eine Zeltstadt für maximal 5 000 englische Gäste aufgebaut. Aus Angst vor Hooligans und gewaltätigen Übergriffen ist die Polizeipräsenz in Achern stark erhöht worden. Die Panik vor den Hooligans scheint aber unbegründet. Nur maximal 400 Besucher werden am Tag im Camp erwartet, da sich die meisten Anhänger zunächst in Richtung der Spielorte bewegt hatten.

© SID

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