Führungscrew in der Kritik
Schlaflos in Mönchengladbach

Seit Sonntagabend steht fest: Borussia Mönchengladbach steigt zum zweiten Mal nach 1999 aus der Fußball-Bundesliga ab. Sportdirektor Christian Ziege muss wieder ein neues Team aufbauen.

DÜSSELDORF. In Kunst und Kultur spielt das Motiv der Schlaflosigkeit häufig eine exponierte Rolle. So zum Beispiel in Shakespeares „Macbeth“, der nach seinen Bluttaten nicht mehr schlafen will aus Angst vor den Geistern der von ihm Gemeuchelten, oder in der amerikanischen Krimi-Serie „CSI:New York“, wo Detective Mac Taylor keinen Schlaf findet, seitdem er seine Frau durch den 11. September verloren hat. Und die romantische Komödie „Schlaflos in Seattle“ mit Meg Ryan und Tom Hanks führt den quälenden Zustand sogar im Titel. Man darf annehmen, dass Schlafstörungen auch im Fußball eine Rolle spielen, zurzeit sicher in München. Und in Mönchengladbach.

Denn auch Christian Ziege ist erholsamer Schlaf seit einiger Zeit nicht vergönnt. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach wacht häufig nachts auf, „irgendwann zwischen 2 und 3, ich kann nicht mehr einschlafen“, sagt er. „Alles Mögliche“ gehe ihm dann durch den Kopf und er habe extra einen Schreibblock am Bett liegen, um seine Gedanken und Ideen sofort notieren zu können, „weil ich sie sonst am nächsten Morgen wieder vergessen hätte.“ Was Ziege den Schlaf raubt und in der Nacht umtreibt, ist nicht schwer zu erraten. Der 35-Jährige muss in den nächsten Tagen und Wochen eine völlig neue Mannschaft aufbauen. Ein Team, das nun, da der Abstieg besiegelt ist, in der Zweiten Liga das Unternehmen „sofortiger Wiederaufstieg“ angehen soll.

Die Schuldigen sind schnell ausgemacht, zumindest, wenn man namhaften Ex-Borussen, wie dem ehemaligen Nationaltrainer Berti Vogts Glauben schenkt, die den Abstieg als Folge einer verfehlten Personalpolitik werten. Aber auch Gladbachs Jung-Nationalspieler Marcel Jansen hält den Absturz für „Ausdruck der Entwicklung, die seit vier, fünf Jahren anhält. Jetzt bekommen wir die Quittung.“

In der Tat steht die Führungscrew um Präsident Rolf Königs (der allerdings gerade einstimmig im Amt bestätigt wurde) für einen Superlativ, auf den niemand stolz sein kann. Noch nie ist ein Klub mit einem solchen Etat, 60 Millionen Euro, nicht in der Lage gewesen, die Klasse zu halten. Königs und Co. haben die Borussia zum Durchgangslager für mittelmäßige Fußballprofis verkommen lassen. Sage und schreibe 94 Transfers wurden in den letzten vier Jahren getätigt, sechs Trainer und drei Manager verschließen. Absolute Ligaspitze, zum Vergleich: Bayern München brachte es im selben Zeitraum nur auf 37 Transfers.

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