Fünf Jahre nach dem Börsengang dümpelt die Aktie weit unter dem Ausgabepreis
„Borussia Dortmund ist noch eine Marke“

DORTMUND. Am liebsten würde Hans-Joachim Watzke über das düsterste Kapitel in der fast hundertjährigen Geschichte von Borussia Dortmund gar nicht mehr sprechen: „Können wir nicht über ein anderes Thema reden?“, bittet der Geschäftsführer des BVB fast flehentlich. Doch er kommt nicht drumherum, schließlich ist der Absturz der BVB-Aktie in diesen Tagen mal wieder ein Thema, weil sich heute zum fünften Mal der Tag jährt, an dem Borussia Dortmund als erster Verein in Deutschland den Gang an die Börse wagte. Sascha und Frank Fligge, Redakteure bei den in Dortmund ansässigen „Ruhr-Nachrichten“, haben den Werteverfall der Aktie vom ersten Tag an begleitet. In ihrem am 11. November erscheinenden Buch „Die Akte Schwarzgelb“ überschreiben sie das Kapitel über den Börsengang mit dem Titel „Wie aus dem Bullen ein Bär wurde“.

Es war der 31. Oktober 2000, als Gerd Niebaum und Michael Meier, damals Präsident und Manager des BVB, den Bullen vor der Düsseldorfer Börse mit schwarz-gelben Schals verzierten und die Aktie unter großem Mediengetöse an der Börse einführten. Immer wieder bemühte Präsident Niebaum den Vergleich mit Manchester United, weil die Börse den Verein aus der englischen Arbeiterstadt zum reichsten Fußballunternehmen der Welt gemacht hat.

Niebaums Kritiker verwiesen damals schon auf den Umstand, dass 90 Prozent der über 30 Fußballklubs, die sich bis dato weltweit an der Börse versucht hatten, auf diesem Parkett böse ausgerutscht waren. Aber davon wollte Gerd Niebaum nichts wissen. Er sprach angesichts der 150 Millionen Euro, die das IPO in die Vereinskasse spülte, lieber davon, dass der BVB „nun einer der wohlhabendsten Sportvereine der Welt“ sei. Lieber nicht sprach er darüber, dass er rund die Hälfte des frischen Geldes brauchte, um die damals schon vorhandenen Finanzlöcher zu stopfen – Anleger informierte er darüber nicht.

Anleger, die wie Aki Schmidt nicht so sehr auf Rendite achteten, dafür umso mehr an ihrem Verein hingen. Schmidt, Dortmunder Fußball-Legende und Fanbetreuer des BVB, hatte Glanz in den Augen, wenn er sagt, dass er nicht im Traum daran gedacht habe, dass er mal Aktien des Klubs kaufen könnte, bei dem er mal gekickt habe. Zu seiner aktiven Zeit seien die Spieler noch mit der Lohntüte zur Geschäftsstelle gegangen. Wie Aki Schmidt dachten viele Fans und Freunde des Traditionsvereins. Auch Hans-Joachim Watzke, der zwar damals schon „ein leichtes Bauchgrummeln“ verspürte, „aus Verbundenheit mit dem Verein aber Aktien im höheren vierstelligen Bereich“ kaufte. Keine gute Anlage, denn schon am ersten Handelstag fiel das Papier, das Niebaum und Meier für elf Euro verkauften, um zehn Prozent.

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