Für die Zeit der Fußball-WM
Sportverbände kritisieren geplantes Flugverbot

Im Luftraum rings um die WM-Stadien kreuzen sich die Flugbahnen zahlreicher Interessengruppen. Terrorabwehr wird dabei zum Horrorszenario. Abfangjets oder Hubschrauber müssten zwischen Werbeballons, Luftschiffen und VIP-Hubschraubern hinter einem verirrten Kleinflugzeug herjagen.

HB HAMBURG. Gäste wollen im Hubschrauber anreisen, Sponsoren planen Werbeflüge - und außerdem sollen Polizei und Luftwaffe potenzielle Angreifer davon abhalten, sich mit einem Flugzeug ins Stadion zu stürzen. Dazu kommt normaler Luftverkehr zu großen und kleinen Flughäfen im Umkreis der Spielorte. Luftsportler und Verbände befürchten zudem Sperrzonen bis zu einem Durchmesser von 120 Kilometern an den Spieltagen, ähnlich wie beim Papstbesuch 2005.

"Die Argumente, den Luftraum für Einsatzflugzeuge und Hubschrauber frei zu halten, wird durch den Streit um Werbeträger über den Stadien doch völlig unglaubwürdig", sagt Uschi Kirsch, Sprecherin des Deutschen Aeroclubs (DAeC).

Heftige Kritik kommt auch von der Luftsport-Initiative "JAR- Contra". "Durch große Sperrgebiete wird doch nur Scheinsicherheit produziert", sagt Claus-Dieter Zink von JAR-Contra. "Man verhindert Autobomben auch nicht durch Halteverbote." Nach Einschätzung von Kritikern kann ein Sportflugzeug mit dem Gewicht eines Kleinwagens ohnehin kaum Schaden anrichten. "In der Nähe der Stadien fliegen 200 Tonnen schwere Verkehrsflugzeuge vorbei", beschreibt Zink. So liegt zum Beispiel das Frankfurter Stadion wenige Kilometer neben dem Flughafen.

Auch die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) sieht Konzepte für große Sperrzonen skeptisch. "Bisher sind uns noch keine konkreten Pläne bekannt, wir warten ab", sagt Hans-Joachim Krüger, Sprecher der Fluglotsengewerkschaft. "Wir werden das Thema Sperrgebiete aber sehr kritisch beobachten", kündigt er an.

Sollte der Luftraum rings um die Stadien tatsächlich großräumig für Sichtflüge gesperrt werden, müssten nicht nur Segelflieger und Freizeitpiloten am Boden bleiben. Luftfahrtunternehmen und Wartungsbetriebe an kleineren Flugplätzen innerhalb der Sperrzonen droht Verdienstausfall. Dass gerade kleinere Flugplätze in der Nähe von Sportveranstaltungen gerne genutzt werden, zeigt sich seit Jahren bei Formel-Eins-Rennen am Nürburgring: Gäste kommen per Auto oder mit dem eigenen Flugzeug zu kleinen Landeplätzen im Umkreis - und reisen im Hubschrauber zum Beispiel vom Flugplatz Bonn-Hangelar direkt zur Rennstrecke weiter.

"An- und Abflüge zu kleineren Plätzen müssen weiterhin möglich bleiben", fordert Klaus-Jürgen Schwahn, Geschäftsführer des Flugplatzes Schönhagen bei Berlin. "Wir sind in engem Kontakt mit der Landesluftfahrtbehörde und hoffen auf eine pragmatische Lösung", sagt der Flugplatzdirektor. DAeC-Sprecherin Kirsch setzt ebenfalls auf Konsens. Ähnliche Signale kommen aus dem Bundesinnenministerium. "Das Thema wird noch beraten. Endgültige Entscheidungen sind noch nicht getroffen", sagte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage.

"Wir haben unseren Flugplatz im November auf einer Fachmesse in Orlando vorgestellt. Dort sind wir häufig auf die WM angesprochen worden", berichtet Schwahn vom internationalen Interesse an dem Thema. Viele Betreiber von Geschäftsreiseflugzeugen erwarten nach Angaben von Schwahn während der WM möglicherweise Engpässe auf den großen Verkehrsflughäfen. Sie suchen nach Alternativen. "Deutschland würde sich als Ausrichter bis auf die Knochen blamieren, wenn Verkehrslandeplätze innerhalb der Sperrzone plötzlich nicht mehr für Besucherverkehr zu den Spielen zur Verfügung stehen", sagt der Flugplatzdirektor.

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