Fußball 2.Bundesliga
DFB will "Ermittlungen nicht behindern"

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verfügt laut Präsident Theo Zwanziger über mehr Informationen im Wettskandal als öffentlich geäußert. Kritik gab es von RWO und 1 860 München.

Die Uefa setzt bei ihren Ermittlungen im Wettskandal offenbar längst auf Informationen der Zocker-Mafia, und auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) scheint trotz weiter fehlender Akteneinsicht mehr zu wissen als angenommen. "Dem DFB liegen durchaus mehr Informationen vor, als wir in der Öffentlichkeit bislang geäußert haben. Aber wir müssen alle ein wenig Geduld haben, weil wir nicht die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen behindern wollen. Wir arbeiten weiter Hand in Hand mit der Staatsanwaltschaft zusammen, hoffen zeitnah auf Akteneinsicht und werden die Betrüger dann mit aller Härte bestrafen", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Laut Zwanziger sei eine "lückenlose Aufklärung" des Skandals, der alleine in Deutschland mehr als 32 manipulierte Spiele von der 2. Liga abwärts umfassen soll, und die Bestrafung von allen Personen, denen Betrug nachgewiesen werden könne, "viel wichtiger als irgendwelche Schnellschüsse."

Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden scheinen sich die Hinweise auf die tatsächlich durchgeführten Manipulationen zu verdichten. So sind nach SID-Informationen ehemalige Wettpaten bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) vorstellig geworden, um gegen Geld über etwaige Betrügereien zu berichten. Ein solcher Hinweis und die Meldungen des DFB-Frühwarnsystems sollen auch zu dem Manipulationsalarm vor dem Zweitliga-Spiel zwischen Rot Oberhausen-Weiß und 1 860 München (0:1) geführt haben.

"Ich finde die Vorgehensweise des DFB sehr unglücklich"

Scharfe Kritik am Vorgehen des DFB übte RWO. "Wir werden paranoid. Ich finde die Vorgehensweise des DFB sehr unglücklich. Das Sauberste wäre gewesen, das Spiel abzublasen. Dann hätte man das Thema in Ruhe aufklären können und wäre heute bestimmt schlauer", sagte Vorstand Thomas Dietz auf 11freunde.de.

Wegen Wetteinsätzen in Millionenhöhe war das Sonntagsspiel der Oberhausener gegen 1 860 bei der Task Force des DFB unter Manipulationsverdacht geraten. Zumindest muss der Verband keine Regressforderungen seitens RWO fürchten.

"Uns ist ein erheblicher Schaden entstanden, obwohl wir uns weiter keiner Schuld bewusst sind. Aber wir werden keine rechtlichen Schritte bezüglich einer Wiederholung des Spiels gegen 1 860 München einleiten", erklärte Dietz am Dienstag. Dennoch habe Oberhausen nach Klubangaben nun ein erhebliches Imageproblem.

Miletic nach Eigentor im Fokus

Ein Problem mit seinem Ruf hat nun auch Marinko Miletic. Denn die Begegnung gegen 1 860 München wurde durch ein Eigentor des Kroaten entschieden. Der RWO-Abwehrspieler Miletic hatte in der 63. Minute einen Freistoß von Alexander Ludwig ins eigene Tor verlängert - und sieht nun sogar seine Familie unter Druck gesetzt. "Als meine Tochter am Montag aus dem Kindergarten kam, hat sie mich gleich gefragt: Papa, was hast Du eigentlich gemacht? Auch auf der Straße und im Internet bin ich als Betrüger beschimpft worden. Aber ich habe ein absolut reines Gewissen", sagte Miletic.

Nach Uefa-Informationen könnte bei den Wetten allerdings auch ein Täuschungsmanöver vorgelegen haben, da die eigentlichen Gewinne der Mafia über das Platzieren von Live-Wetten generiert würden. "Manipulatoren wetten heute erst, wenn die Spiele schon laufen. Manchmal wird sogar versucht, uns zu täuschen, indem vor dem Spiel hohe Wetten eingehen, die kurz vor Beginn abgezogen und auf die andere Mannschaft gesetzt werden", sagte Peter Limacher, Uefa-Experte für Sportbetrug, der Süddeutschen Zeitung.

Dass die Uefa mit ehemaligen Zockern zusammenarbeitet, bestätigte ein "Überläufer" auch der Münchner Abendzeitung. "Die haben längst verstanden, dass sie auf Leute wie mich angewiesen sind. Der DFB hat viel zu lange auf sein Frühwarnsystem vertraut. Aber auch der DFB denkt da langsam um", sagte der Insider.

© SID

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