Fußball 2.Bundesliga
Die mysteriöse Suche nach 1 860-Stürmer Nsereko

Der Fall des vermissten Savio Nsereko von 1 860 München bleibt verwirrend. Die Polizei gab am Mittwoch zwar Entwarnung, aber gemeldet hat sich der Stürmer noch nicht.

Am Dienstagnachmittag gab die Polizei Entwarnung. "Es geht Herrn Nsereko gut, er ist wohlauf", teilte sie mit. Der 21 Jahre alte Savio Nsereko vom Zweitligisten 1 860 München hatte seit vergangenem Donnerstag als verschollen gegolten. Die Entwarnung war womöglich etwas voreilig. Die Polizei hatte Nserekos Haus am Stadtrand von München zwar aufgesucht, dort wohl aber nur mit dessen Familie gesprochen.

"Wenn er hier wäre, hätte er sich gemeldet. Ganz bestimmt", sagte Mannschaftskollege Mate Ghvinianidze am Mittwoch der Münchner Abendzeitung, nachdem Nsereko noch immer nicht am Vereinsgelände aufgetaucht war. Sportdirektor Miroslav Stevic und Geschäftsführer Robert Niemann hatten zuvor am Dienstag einen öffentlichen Hilferuf abgegeben: "Wir wissen bis heute nicht, wo sich unser Spieler aufhält. Wir machen uns Sorgen." Die "Löwen" baten Öffentlichkeit und Polizei um Unterstützung bei der Suche.

Zur gleichen Zeit hatte Stevic am Dienstag die Mutter Nserekos kontaktiert. Wie der Münchner Merkur berichtet, sollen die Löwen nun sicher wissen, dass sich Savio nicht mehr in München aufhält. Auch ist von finanziellen Problemen die Rede. Nsereko soll angeblich mehreren Leuten hohe Geldbeträge schulden.

Seit Tagen kein Kontakt zu Nsereko

Der letzte Kontakt des Zweitligisten zum vermissten Spieler lag da bereits fünf Tage zurück. Am vergangenen Donnerstag hatte Nsereko unentschuldigt beim Training gefehlt, abends erreichte ihn Stevic noch per Handy. Nsereko erzählte, sein Bruder sei in Uganda erschossen worden. Diese Entschuldigung sorgte allerdings eher für Verwirrung als für Klarheit.

Am Freitag traf sich die Mannschaft zum Abflug zu einem Testspiel in der polnischen Stadt Krakau - Nsereko erschien nicht. Dafür veröffentlichten die Münchner Zeitungen sehr widersprüchliche Aussagen: Einmal behauptete Nserekos Mutter, sie wisse nichts vom Tod eines Sohnes. Dann berichtete sie, es handele sich um einen Stiefbruder Savios. Doch auch dies bestätigten die Behörden in Uganda nicht.

Zum Verbleib Nserekos gab es derweil unterschiedliche Spekulationen: Ein Berater wähnte Nsereko in Florenz, wo er bis zum Sommer unter Vertrag gestanden hatte hatte, ein anderer in England. Die Polizei ermittelte am Dienstag am Laden von Nserekos Mutter in der Münchner Innenstadt und am Haus der Familie. "Wir haben mit den Angehörigen von Nsereko gesprochen. Es liegt seitens der Familie keine Vermisstenanzeige vor", teilte eine Sprecherin mit.

1 860 behält sich Konsequenzen vor

Zu möglichen Konsequenzen wegen Nserekos Verschwinden wollte sich der TSV 1 860 bislang nicht äußern. "Wir wollen ihn nicht vorab verurteilen. Es wird keine disziplinarischen Maßnahmen geben, solange wir keine Fakten kennen", erklärte Niemann. Trainer Reiner Maurer hat jedoch weniger Verständnis: "Jeder Arbeitnehmer hat gegenüber seinem Arbeitgeber eine Mitteilungspflicht. Der nachzukommen, hätte ich auch von Savio erwartet."

Nsereko war in München zuvor schon häufiger als schwieriger Typ aufgefallen. So war er mal beleidigt, weil er einen Elfmeter nicht schießen durfte, einmal verweigerte er das Auslaufen.

Nsereko wurde in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, geboren und lebt seit frühester Kindheit in München. 2008 wurde er Europameister mit den deutschen U19-Junioren und dabei als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

© SID

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