Fußball 2.Bundesliga
Köln setzt Latour vor die Tür

Nach sechs Spielen ohne Sieg hat Zweitligist 1. FC Köln die Reißleine gezogen und sich von Trainer Hanspeter Latour getrennt und buhlt jetzt um die Gunst von Ex-Meister-Coach Christoph Daum. Am Donnerstagmittag, rund 16 Stunden nach der 0:1-Heimpleite in der 2. Bundesliga gegen Erzgebirge Aue, zog der dreimalige deutsche Meister nach sechs Spielen ohne Sieg die Konsequenzen und beendete die Zusammenarbeit mit dem 59 Jahre alten Schweizer Fußball-Lehrer Latour, der seit dem 3. Januar dieses Jahres bei den Geißböcken gearbeitet hatte.

Meier spricht mit Daum

Manager Michael Meier verkündete auf einer Pressekonferenz in Abwesenheit von Präsident Wolfgang Overath die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Meier gab zudem bekannt, dass er bereits am Donnerstagmorgen Ex-Meistertrainer und Wunschkandidat Daum, der nach einer Hals-Operation zurzeit in Köln in einem Krankenhaus liegt, einen Besuch abgestattet habe. "Ich habe die Situation des 1. FC Köln dargelegt", berichtete Meier. Daum habe sich allerdings Bedenkzeit erbeten. Laut des FC-Managers habe der ehemalige Stuttgarter Meister-Coach und Fast-Bundestrainer auf Grund des operativen Eingriffs nur wenig sprechen und hauptsächlich nur zuhören können. Daum, der zurzeit beschäftigungslos ist, hat unter anderem eine lukrative Offerte aus der Ukraine vorliegen.

Am Abend gab der Traditionssklub bekannt, dass beim kommenden Spiel am Sonntag (14.00 Uhr/live bei arena) beim SC Freiburg der bisherige Torwart-Trainer Holger Gehrke die Mannschaft betreuen wird. Zuvor war als Interimslösung unter anderem Ex-Nationalspieler und Chefscout Stephan Engels (46), der die Kölner Profis bereits vom 27. August 1995 bis 31. März 1996 als Cheftrainer betreut hatte, im Gespräch. Aber auch Welt- und Europameister Thomas Häßler, derzeit Techniktrainer beim FC, Dirk Lottner, Assistenztrainer der Reservemannschaft, und Christoph John, der Cheftrainer der zweiten Mannschaft, wären für den Job in Frage gekommen.

Latour: "Ich hätte nie aufgegeben"

Latour wohnte der Pressekonferenz am Donnerstag nochmals bei. "Ich bin sehr enttäuscht, dass meine Mannschaft die Erwartungen nicht erfüllt hat. Ich bin allerdings überzeugt, dass ich das Schiff wieder auf Kurs gebracht hätte. Ich hätte nie aufgegeben", sagte der Ex-Trainer der Geißböcke: "Ich kann dem 1. FC Köln aber nichts vorwerfen. Ich kann die Entscheidung auf Grund der Situation sogar ein wenig nachvollziehen."

Latour hatte auf Grund seiner Herkunft vom Boulevard den Spitznamen "Bergdoktor" erhalten. Allerdings war der Eidgenosse zuletzt mit seinem Latein bei der launischen Diva vom Rhein am Ende. Mit lediglich 15 Punkten rangieren die Kölner, Zuschauer-Krösus des Fußball-Unterhauses mit über 40 000 Fans im Schnitt, nur auf Tabellenplatz acht.

Latour, der nach seinem monatelangen Hotelleben im November endlich eine eigene Bleibe in der Nähe des Geißbockheims beziehen wollte, hatte Anfang des Jahres die Nachfolge von Uwe Rapolder angetreten. Den vierten Abstieg der Vereinsgeschichte konnte der 59-Jährige im Sommer aber nicht mehr verhindern. Latour ist im Übrigen nach seinem Landsmann Marcel Koller, Huub Stevens und Rapolder bereits der vierte Coach, der in der zweieinhalbjährigen Amtszeit von Overath als FC-Boss verschlissen wurde.

Latour konnte sich ein Team nach seinen Vorstellungen zusammenstellen. Doch weder seine Landsleute Ricardo Cabanas und Berndt Haas noch die Neuzugänge Thomas Broich, Aleksandar Mitreski und Milivoje Novakovic konnten die Erwartungen erfüllen. Vor allem nervlich ist das Team dem Druck nicht gewachsen. "Wir haben die Schnauze voll", "Latour raus" oder "Vorstand raus" gellte es am Mittwoch durchs Stadion.

Am 21. November ist Jahreshauptversammlung. Da wird sich auch Overath einigen Fragen stellen müssen. Warum er zum Beispiel nicht schon vor langem voll auf die Karte Daum gesetzt habe, mit allen finanziellen Risiken.

© SID

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